Nordrhein-Westfalens Justizminister Kutschaty will Strafvollzug reformieren

Der nordrhein-westfälische Justizminister Thomas Kutschaty, 45 (SPD), über seine Pläne, den Strafvollzug zu reformieren

SPIEGEL: In Nordrhein-Westfalen sollen sich demnächst Ex-Häftlinge selbst ins Gefängnis einweisen können. Wozu soll das gut sein?

Kutschaty: Wir wissen, dass das erste halbe Jahr nach einer Entlassung entscheidend ist, ob ein Gefangener den Absprung von seinem früheren Leben schafft. Und wenn derjenige merkt, dass er in Freiheit noch nicht zurechtkommt, ist es vernünftig, wenn er kurzzeitig freiwillig zurück in die Justizvollzugsanstalt (JVA) geht. Dort wird er noch einmal auf ein Leben draußen vorbereitet. Das ist für ihn besser, als zurück zu seinen alten Kumpels ins Milieu zu gehen oder gar Verbrechen zu verüben, um wieder ins Gefängnis zu kommen.

SPIEGEL: Werden die Haftanstalten im Winter so nicht zur bequemen Unterkunft für Obdachlose?

Kutschaty: Natürlich nicht. Zum einen ist Obdachlosigkeit nicht strafbar. Und zum anderen geht es bei unserer Regelung darum, Menschen, die schlimme Straftaten begangen haben, eine Alternative zum Rückfall aufzuzeigen.

SPIEGEL: Sie wollen nicht nur Tätern helfen, sondern auch Opfern. Wie?

Kutschaty: Sie sollen erweiterte Auskunftsansprüche bekommen und zum Beispiel erfahren können, ob und wann der Täter entlassen wird oder wohin er ziehen will. Dafür soll es in jeder JVA einen festen Ansprechpartner geben. Über ihn können die Opfer auch unbürokratisch Auskünfte über die Vermögensverhältnisse des Täters einholen. Bei der Frage einer vorzeitigen Entlassung wird es künftig eine Rolle spielen, ob er zumindest schon angefangen hat, den Schaden wiedergutzumachen, etwa mit dem Geld, das er in der Haft verdient hat.

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