Mögliche NSU-Verbindung zu ungeklärtem Doppelmord


Die Spur eines ungeklärten Doppelmords in Dresden führt möglicherweise ins Umfeld der rechtsextremistischen Terrorzelle "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU). Der SPIEGEL stieß bei einer Auswertung der NSU-Ermittlungsakten auf mehrere Indizien für einen Zusammenhang. So fand sich in einer zur Bombenwerkstatt umfunktionierten Garage der mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe in Jena ein Zeitungsausschnitt über den Doppelmord von 1995; Unbekannte hatten damals den in der rechten Szene als "Verräter" geltenden Dresdner Skinhead Sven Silbermann und dessen Bruder Michael getötet. Zudem vernahm das Bundeskriminalamt im Dezember 2011 einen langjährigen Vertrauten von Uwe Mundlos, der sich erinnerte, dass ihm Mundlos vor seiner Flucht von dem Fall in Dresden erzählt habe. Er habe den Eindruck gehabt, so der Zeuge, dass Mundlos den Toten persönlich gekannt und für einen V-Mann der Sicherheitsbehörden gehalten habe. Der Doppelmord wird derzeit neu aufgerollt. Nach dem Auffliegen des NSU hatte das "Gemeinsame Abwehrzentrum gegen Rechtsextremismus" von Bund und Ländern angeregt, zahlreiche Tötungsdelikte erneut zu analysieren. Sächsische Fahnder stuften den Fall Silbermann daraufhin als überprüfenswert ein; möglicherweise wurden damals Spuren in das rechtsextremistische Milieu nicht mit Nachdruck verfolgt.



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