Hans-Dietrich Genscher soll drei Wochen vor dem Olympia-Attentat 1972 vom Auswärtigen Amt gewarnt worden sein

Das Auswärtige Amt (AA) bringt 40 Jahre nach dem Olympia-Attentat 1972 gleich zwei seiner ehemaligen Minister in Erklärungsnot: Hans-Dietrich Genscher und Klaus Kinkel. Genscher war zur Zeit des Anschlags Innenminister, Kinkel sein Büroleiter. Das AA hat nun geheime Dokumente freigegeben, denen zufolge das Amt drei Wochen vor dem Verbrechen die späteren FDP-Vorsitzenden vor einem Anschlag warnte. Bonns Botschafter in Beirut hatte zuvor den Tipp bekommen, Palästinenser würden in München einen "Zwischenfall" inszenieren. Er empfahl, "alle im Rahmen des Möglichen liegenden Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen". Das AA übersandte Kinkel den Bericht des Botschafters mit dem Hinweis, man wolle "sichergehen, dass Ihrem Minister die Angelegenheit bekannt ist und Ihr Haus das Erforderliche veranlassen kann". Die Betreffzeile lautete: "Attentatspläne aus Anlass der Olympischen Spiele". Genscher erklärte auf SPIEGEL-Anfrage, er habe an den Vorgang "keine Erinnerung mehr". Wie Kinkel gehe er aber davon aus, dass dieser die Information "an die zuständigen Abteilungen" im Innenministerium, Bundeskriminalamt und Verfassungsschutz weitergeleitet habe. Doch die unzulänglichen Sicherheitsbestimmungen im Olympischen Dorf blieben bestehen. Dem Anschlag am 5. September fielen elf Israelis und ein deutscher Polizist zum Opfer.

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