Rohstoffkonzern K+S wusste offenbar von Umweltrisiken

Der Kasseler Rohstoffkonzern K+S ist bei der Versenkung von Salzabwässern offenbar jahrelang bewusst Umweltrisiken für das Grundwasser im hessisch-thüringischen Grenzgebiet eingegangen. Diesen Verdacht legen von Ermittlern beschlagnahmte Konzernunterlagen nahe. So fand sich bei der Durchsuchung des Unternehmens im September 2015 der Vermerk eines Hausjuristen aus dem Jahr 1982, in dem festgestellt wird, dass die Versenkung wohl mit Vorschriften des deutschen Wasserrechts kollidiere. Die Einleitung der Abwässer in den Untergrund müsse "als sehr gefährdet angesehen werden, weil ein gewisses Restrisiko stets verbleibt".

Ermittler zweifeln auch eine Expertise zur Sicherheit der Trinkwasserversorgung an. Dieses behördliche Gutachten wurde vom Thüringer Landesbergamt in Auftrag gegeben. Eine sichergestellte K+S-Mail lässt Zweifel an der Unabhängigkeit aufkommen. Die Ermittler notierten, das Gutachten sei von K+S "mitgeschrieben worden". Auch dem Verdacht einer Manipulation gingen die Beamten nach. So hatte ein Vorstand des Konzerns vor einer Probebohrung per Mail gefragt, ob die Salzwassersäule "durch Einpumpen von Süßwasser nach unten" geschoben werden könne.

Der Konzern will sich dazu wegen des laufenden Verfahrens nicht äußern, betont aber, die Beachtung von Gesetzen habe im Unternehmen "grundlegende Bedeutung". Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft, die wegen des Verdachts der Gewässerverunreinigung Anklage erhoben hat, bezeichnete er als "unbegründet".