Schwere Qualitätsmängel in Sylter Geburtsklinik

Auf der Geburtsstation der Sylter Nordseeklinik haben zwei Gynäkologen nach Recherchen des Nachrichten-Magazins DER SPIEGEL offenbar jahrelang gegen ärztliche Vorschriften verstoßen. Die niedergelassenen Frauenärzte, die dort als sogenannte Belegärzte Dienst taten, entbanden routinemäßig Risikoschwangerschaften - obwohl das Krankenhaus dazu weder fachlich noch personell ausgestattet war. Darüber hinaus bemängelt der Klinikbetreiber, der bundesweit tätige Asklepios-Konzern, in einem internen Untersuchungsbericht fehlende Notfallpläne, mangelnde Patientenaufklärung sowie lückenhafte Akten. Aus diesem Grund beständen "erhebliche Risiken von fehler haften Behandlungen".

Die beiden Ärzte bestreiten die Vorwürfe. Asklepios wusste mindestens seit Februar 2012 von den Qualitätsmängeln, veranlasste aber erst zum Ende des vergangenen Jahres eine Schließung der Geburtshilfe-Station. Man habe die Station nicht sofort schließen können, so Asklepios. Ohnehin hafteten Belegärzte für ihre Behandlungsfehler grundsätzlich selbst.

In der Vergangenheit kam es zu mehreren schweren Vorfällen in der Sylter Geburtsklinik. Ein Kind starb kurz nach der Entbindung. Ein anderes erlitt einen Schlaganfall, die Eltern des heute behinderten Jungen werfen dem behandelnden Gynäkologen gravierende Versäumnisse während der Geburt vor.

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