Erfinder & Pioniere Der Mogeldoktor

DEFD

Von Hans-Ulrich Stoldt

3. Teil: Ein "Scheißhaus vieler Teufel"


Da braute sich schon einiges zusammen im "richtigen Leben" des Johann Georg Faust aus Knittlingen, der irgendwann, irgendwo, wohl so um 60 Jahre alt, aus der Welt wieder verschwand - verschied.

Kann sein, der Mann starb friedlich im Bett, kann sein, er wurde feige gemeuchelt. Vielleicht auch, und das ist der Faust-Forscher liebste Version, verabschiedete er sich mit gehörigem Rumms bei einem nicht ganz nach Plan verlaufenden Experiment - ein alchemistischer Betriebsunfall.

Das würde ansatzweise die grausigen Schilderungen von seinem Tod erklären, die bald allen Gottesfürchtigen zur Wahrheit wurden. Noch eine Prise Schwarzkunst dazu (da ist der Teufel auch nicht fern) - fertig ist die Legende.

Schon einige Jahre vor seinem Dahinscheiden ist bedeutenden Männern klar, das Faust im Pakt mit dem Satan steht: Zweimal wird er in Luthers Tischreden erwähnt - "da vber Tisch eines Schwartzkünstlers Faustus gedacht ward", "welcher den Teufel seinen schwoger hieß".

Etliche Jahre nach seinem Tod, 1563, kommt es noch dicker: Der Gelehrte Johann Manlius aus Ansbach gibt wieder, was angeblich sein Wittenberger Lehrer, der Reformator Philipp Melanchthon, über Faust gesagt hat: Der sei ein "Scheißhaus vieler Teufel".

Der überwiegend miese Ruf des Mannes aus Knittlingen eignete sich nun offenbar prima, einen Beelzebub ganz spezieller Art zu formen.

Der Frankfurter Verleger Johann Spies ließ alles zusammenfegen, was es an Gerüchten und Gemeinheiten über Faust zu erzählen gab. Das alles verrührte er mit erdachten Geschichten, alten Erzählungen und schockierenden Teufelsschilderungen.

1587 legte er ein "Volksbuch" genanntes Werk vor, die: "Historia von D. Johann Fausten, dem weitbeschreyten Zauberer vnd Schwartzkünstler", der sich dem Teufel verschrieb, allerlei erstaunliche Dinge erlebte und sein wohlverdientes Ende fand.

Zum großen Teil beruhe das Werk auf den eigenen Schriften Fausts, behauptete Spies - "allen fürwitzigen vnd Gottlosen Menschen zum schrecklichen Beyspiel". Und, damit auch der Letzte versteht, um was es hier geht: "Seyt Gott underthänig, widerstehet dem Teuffel."

Das Buch wurde ein Renner, "ein Bestseller des 16. Jahrhunderts", wie die Historikerin Heike Hamberger sagt, Direktorin des Faust-Museums in Knittlingen. Bald gab es Neuauflagen der "Historia", Raubdrucke und Übersetzungen - Faust eroberte Europa.

Berühmt werden konnte das Phantom aus Schwaben, weil es in eine Epoche zwischen den Zeiten fiel, in der das Alte nicht weichen wollte und das Neue noch um seinen Platz kämpfte.

Denn so viel sei klar, sagt Museumsleiterin Hamberger: "Hätte Faust hundert Jahre später gelebt, hätte kein Hahn nach ihm gekräht."



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Seite 1
PML, 04.10.2009
1. Zweifel
@SPON: ---Zitat--- Denn so viel sei klar, sagt Museumsleiterin Hamberger: "Hätte Faust hundert Jahre später gelebt, hätte kein Hahn nach ihm gekräht." ---Zitatende--- Das möchte ich bezweifeln. 100 Jahre später, das wäre vor bzw. während des 30-jährigen Krieges gewesen. Und da war mitnichten "das Alte gewichen" und es hatte sich auch mitnichten "das Neue etabliert". Vielmehr hatte sich der Konflikt zwischen beidem weiterhin verschärft. Von Mittelwegen keine Rede. Davon abgesehen stellten sich die Fragen nach dem Woher, Wohin und Wofür im beginnenden 16. Jahrhundert ebenso wie im beginnenden 17. Jahrhundert.
sitiwati 04.10.2009
2. Faust
da war ein Plakat :HEUTE ABEND FAUST! die leute kamen in guten Zwirn und erlebten ein Kasperltheater, der Vorführende erklärte den erstaunten Publkum: GOETHE hätte sich durch diese Puppenspiel zu seinem Faust inspirieren lassen!
gorge11, 04.10.2009
3. Man möge selber suchen
Im Deutschunterricht habe ich gelerent, dass Faust ein Produkt englischer Puppenspieler sei, die in England über Lanf zogen und sie dort erzählten. Irgend wann mal kam die Geschichte nach Deutschland. Mir fällt auf, dass der Spiegel(Online) in letzter Zeit immer wieder Dinge so darstellt, als seien sie alleiniges Deutsches Kulturgut, Deutschtümelei eben, die auch Intellektuelle und Kulturbeflissene annehmen könnten, weil sie sich dadurch erhabener und mehr- bis besserwisserisch fühlen.
amdo, 04.10.2009
4. Faust; Der Mogeldoktor
Zwar ist es durchaus wichtig und interessant, die Figur Faust in Erinnerung zu rufen. Denn deren literarischer Nachhall in Europa ist so mächtig wie bei kaum einer anderen. Doch historisch Neues vermag der Artikel nicht beizusteuern. Was dort dargestellt wird, war und ist schon seit 30 und mehr Jahren bekannt. Der Informationsgehalt also tendiert gegen Null. A.K.
Knisterbuch 04.10.2009
5. Sprache
Ich finde den Artikel schon wegen der neuen sprachlichen Horizonte spannend. "Seinen Pfennig anderswo verzehren" - was ist das für eine herrliche Redensart?! Das Mittelalter mit seinen obskuren, schwarzmagischen Auswüchsen hat noch heute seinen Reiz. Eine schöne Sonntagmorgen-Lektüre
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