Krimi Stella räumt auf

Eine junge Anwältin soll einen Mord in isländischen Regierungskreisen aufklären ­ und entdeckt, wie eng die Unterwelt mit dem Establishment verzahnt ist.


Das "Krönchensammeln" ist Stella Blomkvists liebste Beschäftigung: Sie ist zwar von Beruf Anwältin, kauft aber hauptsächlich die Außenstände hilfloser Gläubiger auf und treibt die Gelder mit ziemlich rabiaten Methoden ein. Das Geschäft lohnt sich. Denn "niemand wird an Kleinkriminellen reich", weiß die leicht nymphomane Jungdynamikerin. "Reich wird man nur, wenn man die Hände in anderer Leute Taschen hat" - so hat sie es schon von ihrer Mama gelernt.

In flapsigem Jargon berichtet die Ich-Erzählerin über den mysteriösen Fall der ermordeten Halla. Die Abteilungsleiterin eines Ministeriums mit besten Verbindungen zur Führungsspitze wird erschlagen im Sitzungssaal der Regierung gefunden, aber keiner ihrer Mitarbeiter will etwas gesehen haben.

Auf diesen heiklen Fall ist Stella nun wirklich nicht erpicht. Erst als der verdächtigte Saemi, ein alter Bekannter aus der Unterwelt, darauf besteht, von ihr verteidigt zu werden, lässt sie sich darauf ein. Aber welche Rolle spielen der Regierungsberater Haukur oder "Porno-Valdi", dieser Mann für alle Fälle? Was hat es mit Lilja Ros auf sich, der undurchsichtigen Freundin der Ermordeten? Die "Goldjungs", so nennt Stella die Polizisten, behindern ihre Ermittlungen. Doch dann steckt ihr ein alter Freund ein paar brisante Details.

Hinter dem Autorenpseudonym dieses Krimis soll eine prominente Persönlichkeit stecken, die sich in den Regierungskreisen der Hauptstadt Reykjavik bestens auskennt. Das literarische Pseudonym ist mit dem Namen der Heldin identisch.

Stella Blomkvist kippt, wie weiland Philip Marlowe, reichlich Whisky und ist hart im Nehmen. Die egomanische Neigung zum Größenwahn hält sie freilich mit einer gehörigen Dosis Selbstironie unter Kontrolle: "Man soll andere die Kastanien für sich aus dem Feuer holen lassen. Sagt Mama."

Kein Zweifel: In diesem Island-Krimi weht nicht nur ein eisiger Wind, auch die Erzählperspektive ist erfrischend: Hier steht kein oberschlauer, pensionsreifer Kommissar als Inspector maximus im Mittelpunkt, sondern eine sarkastisch drauflos schwadronierende Junganwältin, die immer für eine Überraschung gut ist und am liebsten das letzte Wort hat: "Es ist zu spät, Amen zu sagen, wenn die Messe längst vorbei ist. Sagt Mama."

PETER MÜNDER


Stella Blomkvist: "Die Bronzestatue" Aus dem Isländischen von Elena Teuffer. Btb, München; 252 Seiten; 8 Euro



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