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Dossier Fakten zum 11. September

Verschwörungstheorien nach dem Muster des Internetrenners "Loose Change" machen Furore. Dabei sind sie leicht zu widerlegen: durch neue Fakten aus Videos, Tonbandmitschnitten, den Aussagen gefangengenommener Qaida-Kämpfer und den Berichten von Untersuchungskommissionen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Es gab Warnungen: Im Juli 2001 schickte ein FBI-Agent aus Phoenix, Arizona, eine Notiz an zwei Anti-Terror-Experten des FBI in New York und ans Hauptquartier in Washington: Es gebe die Sorge, schrieb der Agent, dass Osama Bin Laden gezielt Flugschüler aus dem Nahen Osten in den USA schulen lasse. Der Agent schlug vor, eine Liste aller Flugschulen anzulegen, um herauszufinden, welche ausländischen Studenten sich dort angemeldet hatten. Das Memo des Agenten verschwand irgendwo in den Behörden, es tauchte erst wieder nach dem 11. September auf.

Ende Juni warnten CIA-Reports vor einem "ernsthaften Schlag", ein "spektakulärer Angriff" könne bevorstehen - es gab Hinweise, Spuren, eine Fülle von Einzelinformationen, aber niemand fügte das Puzzle zusammen.

Wie groß das Versagen der Geheimdienste war, wie mangelhaft die Zusammenarbeit von FBI und CIA - all das lässt sich nachlesen im Bericht der offiziellen Untersuchungskommission zum 11. September, er umfasst beinahe 600 Seiten.

Die amerikanische Katastrophenschutzbehörde legte Berichte über die Rettungsmaßnahmen am World Trade Center (WTC) und am Pentagon vor, im Jahr 2005 veröffentlichte das Institut für Normung eine Analyse darüber, was letztlich den Einsturz der Türme verursachte.

Viele Fragen zum 11. September lassen sich nun besser und genauer beantworten, zahlreiche Verschwörungstheorien widerlegen.

Dank neuer Unterlagen aus dem Frühjahr 2006 ist beispielsweise endgültig klar, dass die vierte entführte Maschine, Flug United Airlines 93, nicht von US-Militärjets abgeschossen wurde - auch wenn das viele Verschwörungstheoretiker behaupten. Im Prozess gegen den mutmaßlichen Terroristen Zacarias Moussaoui spielte die Staatsanwaltschaft im Gerichtssaal erstmals die Aufnahmen des Voice-Recorders von Flug UA 93 vor - ein dramatisches Tondokument, auf einen Abschuss gibt es keinen Hinweis.

Doch es ist nicht anders als nach dem Mord an John F. Kennedy, nach dem Unfalltod von Lady Di oder - in Deutschland - nach dem Selbstmord von Uwe Barschel: Verschwörungstheorien entstehen, mit den offiziellen Erklärungen will sich nicht jeder zufriedengeben. Manche glauben an einen geheimen, hochkomplizierten Plan, sie beschuldigen die Regierung, hinter dem Geschehen zu stecken, sie verständigen sich übers Internet, und jeder Versuch, den Thesen mit neuen Erkenntnissen zu begegnen, provoziert nur neue Verdachtsmomente.

Allerdings haben die US-Behörden oft dazu beigetragen, dass Verschwörungstheorien überhaupt entstehen konnten: Vom Einschlag des Flugzeugs ins Pentagon veröffentlichten sie lange nur fünf Standbilder einer Überwachungskamera - erst seit kurzem ist der ganze Film zu sehen. Zunächst hieß es, die Staubwolke beim Einsturz der Türme sei nicht gefährlich - inzwischen behandeln die New Yorker Ärzte Lungenkranke, die unter einem neuartigen, gefährlichen Husten leiden.

Jetzt, fünf Jahre nach dem Attentat, liegen viele neue Erkenntnisse vor. Es lohnt sich, die Fragen zum 11. September noch einmal neu zu beantworten. Manchmal wird das bestätigt, was man bisher schon wusste, aber mit neuen Details. Manchmal verschieben sich die Akzente, etwa bei der Beurteilung der Rolle, die Osama Bin Laden spielte. Und vieles ist neu, etwa die Rekonstruktion der dramatischen letzten Minuten von UA 93.

DIE ATTENTÄTER

Wie konnten die Attentäter die Kontrollen passieren?
Standen die 19 Attentäter auf den Passagierlisten?
Wer war der fehlende 20. Attentäter?
Ist Mohammed Attas Testament authentisch?
Sind die Entführer eindeutig identifiziert worden?
Wie waren die Attentäter bewaffnet?
Wo und wie wurden die Kämpfer unter den Entführern trainiert? Was war das größte Risiko für die Operation?
War der 11. September ein fester Termin?
Waren die Attentäter alle gleich fanatisch?