Fächerreport Weißblech und Kindersafaris

Physiker können sich ihren Job aussuchen, auf Chemiker wartet eine starke Industrie. Biologen haben schlechtere Karten, nur Flexibilität und Mut zum Experiment führen zum Traumjob.

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Klemens Pütz geht drei Monate im Jahr auf Kreuzfahrt. Zwischen 16 und 18 Stunden täglich dauert dann sein Arbeitstag. Mit Zodiak-Schlauchbooten rauscht Pütz über eiskaltes Wasser. An Land sucht er die besten Spots, um die Pinguine zu fotografieren. Zwischendurch versorgt er fröstelnde Touristen mit heißem Tee.

Antarktis-Tourismus: Kreuzfahrt ins Eis
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Antarktis-Tourismus: Kreuzfahrt ins Eis

"Ein Knochenjob", sagt Pütz - und schwärmt doch in den höchsten Tönen: Der Biologe ist Expeditionsleiter auf Kreuzfahrtschiffen. Vier bis fünf Antarktisreisen jährlich begleitet der 46-Jährige. Im Januar erst war er auf dem Kreuzfahrtschiff "MS Delphin" unterwegs. Von Buenos Aires durch die Magellanstraße zur Antarktischen Halbinsel ging die Reise.

"Ich bin verantwortlich für die Sicherheit und Durchführung der Anlandungen", sagt Pütz. Bis zu 350 Touristen am Tag eskortieren er und sein Team aufs ewige Eis. Auf dem Programm stehen die Kolonien von Esels-, Zügel- und Adeliepinguinen. Gern sucht die illustre Touristenschar auch vereinsamte Antarktisforscher heim. Im Januar war das Ziel die polnische Antarktisstation Henryk Arctowski: "Die Forscher freuen sich schon, mal wieder ein paar neue Gesichter zu sehen."

Der Zoologe Pütz hat seinen Traumjob gefunden. Mit Pinguinforschung begann an der Universität Kiel seine Karriere. Als es dort kein Weiterkommen gab, ging er erst ins Ausland und machte sich dann, zurück in Deutschland, selbständig.

"Es ist großartig; ich bin froh und dankbar, dass ich diesen Weg gefunden habe", sagt Pütz. Und Dankbarkeit ist möglicherweise die richtige Wortwahl. Für Biologen sind die Chancen auf dem Arbeitsmarkt bescheiden. Wer Zoologie oder Botanik studiert, muss mit langer Jobsuche und geringem Einstiegsgehalt rechnen. "Das Interesse an den Lebenswissenschaften ist weiterhin groß", sagt der Berufsforscher Michael Weegen. "Die Beschäftigungsmöglichkeiten gerade für klassische Biologen jedoch sind sehr beschränkt."

Weegen leitet die Forschungsstelle Isa an der Universität Duisburg-Essen, das "Informationssystem Studienwahl und Arbeitsmarkt" (www.isa-info.de). Seit sieben Jahren bereits analysiert er den Arbeitsmarkt für Akademiker. Bei den Naturwissenschaften Chemie, Biologie und Physik sieht der Experte sowohl an den Hochschulen wie auch auf dem freien Arbeitsmarkt ein durchwachsenes Bild.

"Karriere an der Universität können die wenigsten machen", warnt Weegen. Wer den akademischen Pfad zu lange verfolge, laufe in Deutschland Gefahr, "mit 40 plötzlich vor dem Nichts zu stehen". Für jüngere Absolventen biete der freie Arbeitsmarkt jedoch vielfältige Möglichkeiten. Molekularbiologen, Chemiker und vor allem Physiker hätten gute Jobaussichten.

"Junge Physiker werden in vielen Branchen auch künftig sehr gefragt sein", sagt Weegen. Zwar rechnet der Berufsforscher damit, dass die Absolventenzahl bis 2012 von derzeit etwa 1500 wieder auf etwa 3000 steigen wird. Aber noch gehen mehr Physiker in Rente, als von den Hochschulen neu hinzukommen. Nur einer von zehn Physikabsolventen muss derzeit länger als sechs Monate eine Arbeit suchen.

© SPIEGEL special 2/2007
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