Jobsuche "Da hilft nur Ehrlichkeit"

Petra Reinold-Brenckmann, Führungskraft im Personalbereich bei der Commerzbank AG, über eine gute Bewerbung und klassische Fehler bei der Jobsuche.

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SPIEGEL: Frau Reinold-Brenckmann, jeder Hochschulabsolvent sucht einen guten Job. Ist es denn erfolgversprechender, auf eine interessante Stellenausschreibung zu warten oder von sich aus eine Initiativbewerbung zu starten?

Reinold-Brenckmann: Wir schauen uns grundsätzlich jede Bewerbung an, ob sich der Kandidat auf ein Stellenangebot von uns meldet oder von sich aus. Wer von sich aus initiativ wird, geht zwar das Risiko ein, dass in dem Moment keine passende Stelle für ihn vorhanden ist, aber ein Erfolg ist trotzdem nicht auszuschließen.

SPIEGEL: Eine Bewerbung im Jahr 2007 - auf Papier oder elektronisch?

Reinold-Brenckmann: Bei der Commerzbank wie bei vielen anderen Unternehmen laufen alle Bewerbungen nur noch online über die Homepage. Das hilft, für einen Bewerber schneller die passende Stelle zu finden und umgekehrt für eine Stelle den besten Bewerber zu suchen. Die große Zahl der Anfragen wäre anders auch kaum mehr zu handhaben.

SPIEGEL: Erwarten Sie denn eine traditionelle Ansprache, etwa mit der Formulierung "bezugnehmend auf Ihre Anzeige vom ...", oder soll sich ein Kandidat peppig anpreisen nach dem Motto "Sie suchen einen Analysten, ich bin der beste."

Reinold-Brenckmann: Eine Bank ist ein großes Unternehmen, wir haben Bereiche, die eher konservativ sind, andere verstehen sich dagegen als moderner, so tickt etwa das Controlling anders als die Marketingabteilung. Eine Bewerbung muss vor allem zur angestrebten Aufgabe passen, schließlich entscheidet der Chef der jeweiligen Abteilung am Ende über den Kandidaten.

SPIEGEL: Große Firmen erhalten heute oft Tausende Bewerbungen pro Jahr. Gibt es aus Ihrer Erfahrung Tricks, mit denen sich ein Bewerber von der Masse seiner Konkurrenten abheben kann?

Reinold-Brenckmann: Ob Sie es glauben oder nicht: Eine saubere, tippfehlerfreie Bewerbung in ordentlichem Deutsch, das ist schon ein großer Pluspunkt.

SPIEGEL: Ist das nicht selbstverständlich unter jungen Akademikern?

Reinold-Brenckmann: (lacht) Leider nein. Oft fehlen auch wesentliche Informationen. So hat sich erst vor kurzem jemand um ein Praktikum beworben, aber nicht angegeben, zu welcher Zeit er es machen möchte. Da müssen wir erst nachfragen, das ist aufwendig, das verringert die Aussichten.

SPIEGEL: Jeder Bewerber hebt seine positiven Seiten hervor. Wie geht er aber am besten mit seinen Schwächen um?

Reinold-Brenckmann: Da hilft nur Ehrlichkeit, denn spätestens beim Vorstellungsgespräch haken wir nach. Außerdem: Gefällt uns ein Bewerber, aber seine Englischkenntnisse sind nicht perfekt, dann lässt sich daran arbeiten, zum Beispiel mit Sprachkursen oder sogar Einzeltraining.

SPIEGEL: Zum Thema Lebenslauf: Soll dieser mit der Geburt beginnen oder von heute chronologisch in die Vergangenheit gehen?

Reinold-Brenckmann: Das ist Geschmackssache. Ich persönlich lese am liebsten zuerst, was der Bewerber jetzt gerade macht, was sein aktueller Status ist, und gehe dann erst in die Historie. Auf jeden Fall sollte jemand die gleiche Abfolge, die er für den Lebenslauf wählt, auch für die Reihenfolge der Zeugnisse und anderer Anlagen wählen.

SPIEGEL: Zum Foto: schwarzweiß oder besser farbig?

Reinold-Brenckmann: Erst einmal muss ich sagen, dass wir nach dem Gesetz kein Foto verlangen dürfen. Wenn jedoch ein Foto beiliegt, und meistens ist das der Fall, finde ich ein Farbbild ansprechender.

SPIEGEL: Erwarten Sie den perfekten Business-Dress, oder bevorzugen Sie gepflegten Freizeitlook?

Reinold-Brenckmann: Da gilt für mich ganz klar: Auf einem Bewerbungsfoto wünsche ich mir Business-Kleidung. Wir sind eine Bank, und ich möchte jemanden so sehen, wie er eventuell später hier im Unternehmen auftritt.

SPIEGEL: Das bedeutet wohl auch, dass das Fünf-Euro-Automatenfoto nicht genügt.

Reinold-Brenckmann: Mit Sicherheit nicht. Wer mit seiner Bewerbung Erfolg haben will, für den gilt: Zu einer professionellen Präsentation gehört ein professionelles Foto.

SPIEGEL: Was sind für Sie neben den Noten denn entscheidende Auswahlkriterien?

Reinold-Brenckmann: Sehr wichtig ist für uns, was ein Bewerber neben seinem Studium noch gemacht hat. War er im Ausland? Hat er Praktika gemacht? Wo und welche Berufserfahrung hat er gesammelt? Hat er sich mobil gezeigt oder wohnt er noch immer in seinem Geburtsort? Wer Interessantes vorzuweisen hat, der kann punkten.

SPIEGEL: Ein schnelles Studium allein ist noch keine Job-Garantie?

Reinold-Brenckmann: Nein. Wer mit acht Semestern sein Examen macht, aber kein Unternehmen von innen gesehen hat, ist nicht automatisch interessant. Theoretisches Know-how allein reicht nicht, wir suchen junge Menschen mit Profil.

© SPIEGEL special 2/2007
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