Hausmitteilung


HYPE ODER HYBRIS? Am Web 2.0, der neuen Generation des Internets, scheiden sich die Geister. Die einen rühmen die Fülle an Informationen und Kontakten im Mitmachnetz, die "Weisheit der Massen" und die Abschaffung alter Autoritäten, das kreative Chaos und den "Bürger-Journalismus". Die anderen mokieren sich über "digitalen Narzissmus", freiwillige Selbstentblößung im Netz, viel pubertäres Geschwätz und rüpelhaften Ton auf den Community-Plattformen. Anhänger wie Kritiker sind sich aber einig: Es ist ein Massenphänomen entstanden, dessen Auswirkungen bislang nur zu erahnen sind.

EINE DYNAMIK wie zu besten Zeiten der New Economy beobachtet der New Yorker SPIEGEL-Korrespondent Frank Hornig, 37, bei seinen regelmäßigen Besuchen in Silicon Valley. Junge Unternehmensgründer führen ihm nagelneue, protzige Büroetagen vor, zeigen ihm Räume voller junger Programmierer mit dem Hinweis: "Vorige Woche war hier noch alles leer." Hornig sprach auch mit den Gründern von MySpace, YouTube und Flickr. "Alle sind bestens gelaunt, keiner hat Angst, dass noch einmal eine Internet-Blase platzen könnte" (Seite 6).

PERSÖNLICHES UND INTIMES geben die meist jugendlichen Internet-Nutzer oft leichtfertig preis - ganz anders als ihre Elterngeneration, die in den achtziger Jahren in breiter Front gegen die Volkszählung auf die Barrikaden gegangen war, weil sie sich vom Staat "ausgehorcht" fühlte. SPIEGEL-Redakteur Norbert F. Pötzl, 59, der damals über die Boykottbewegung geschrieben hat, erörterte nun mit alten Bekannten den Niedergang der Privatheit: mit Peter Schaar, 53, dem jetzigen Bundesdatenschutzbeauftragten, und mit Spiros Simitis, 72, dem Doyen der deutschen Datenschützer. Sie mahnen, so Pötzl, "dass sich viele Netz-Plauderer der Gefahren ihres Bekennerdrangs nicht bewusst sind" (Seite 52).

ÜBER POLIZEIRECHT im Zeitalter technischen Fortschritts promovierte SPIEGEL-Redakteur Thomas Darnstädt, 58, vor 25 Jahren - da war ans Internet noch nicht zu denken. Schon damals ging es darum, wie das Ringen um innere Sicherheit angesichts immer neuer Gefahren den Rechtsstaat in Gefahr bringt. Besonders delikate Varianten modernen Sicherheitsrechts diskutierte Darnstädt kürzlich in Berlin mit dem streitbaren Innenminister Wolfgang Schäuble - vor allem dessen Vorstoß, nach "Gefährdern" künftig auch online zu fahnden. Darnstädt sah seine alten Thesen bestätigt: "Empfindliche Grundrechtseingriffe werden immer üblicher, ohne dass es dazu noch einer konkreten Gefahr oder eines konkreten Verdachts bedarf" (Seite 60).


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