Scheidungsrecht Ehe mit Anwalt

Geht eine Ehe zu Bruch, ist auch der finanzielle Schaden groß. Wohl dem, der das Ende vorab geregelt hat. Ein Familienrechtler erzählt, wer einen Ehevertrag braucht - und wann Krisenplanung absurd wird.

Glückliches Ehepaar
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Glückliches Ehepaar

Von Silvia Dahlkamp


Das Aufgebot ist bestellt, die Ringe sind graviert, die Hochzeitsreise ist gebucht - und dann sagt der Partner: "Schatz, wir müssen noch an den Ehevertrag denken."

Vor der Trauung schon das Ende planen? Romantik geht anders.

Und deshalb lernt der Hamburger Fachanwalt für Familienrecht Jan Philipp Ruppolt, 37, die meisten Paare erst dann kennen, wenn sie sich schon streiten: Was gehört dir? Was gehört mir? Wer kümmert sich um die Kinder? Und nicht selten denkt er: Hätten sie die Fragen doch geregelt, als sie noch miteinander reden konnten.

Nicht jedes Paar braucht einen Ehevertrag. So reichen zum Beispiel für zwei Angestellte meist die Regelungen im Bürgerlichen Gesetzbuch über Zugewinn und Unterhalt aus. Allerdings kann es heikel werden, wenn ein Partner selbstständig ist oder ein großes Gefälle zwischen den Gehältern besteht. Ruppolt: "Da kann der Ehepartner, der jahrelang die Kinder betreut oder nur Teilzeit gearbeitet hat, tief fallen." Denn auch wenn beide bei der Hochzeit zusammen bei null gestartet sind und anschließend zusammen ein Vermögen aufgebaut haben, gehört nach der Scheidung nicht automatisch beiden alles zu gleichen Teilen.

Ruppolt beobachtet es immer wieder in der Praxis: "Mit der Trennung kann vor allem für Frauen ein gesellschaftlicher Abstieg beginnen." Wie kann man das vermeiden? Wem hilft ein Ehevertrag?

Typisches Beispiel: Ursula K., 43. Kurz nach ihrem Medizinstudium heiratete sie ihren Freund, einen BWL-Studenten. Als ein Jahr später das erste Kind kam, blieb sie zu Hause, und er machte Karriere als Unternehmensberater. Urlaube im Robinson Club, ein großes Haus, Mitglied im Tennisverein - alles schien perfekt. Doch obwohl sie alle Entscheidungen gemeinsam getroffen und alles miteinander geteilt haben, waren sie finanziell nicht gleichberechtigt - zumindest nicht vor dem Gesetz. Denn er verdiente das Geld, und sie verdiente nichts. Als nach 17 Jahren die Scheidung kam, glaubte Ursula K., ihr stehe ein angemessener Unterhalt zu. Ein Irrtum. Der Richter befand: Die Kinder seien alt genug, Ursula K. könne arbeiten und sich selbst versorgen. Und zwar Vollzeit. Doch nach so langer Zeit fand sie keinen Job. Nach einem Jahr Trennungsunterhalt standen ihr noch 1000 Euro zu - ein Ausgleich auf Zeit, um den Abstieg abzufedern. Als sie noch verheiratet war, hatte sie jeden Monat 3000 Euro gehabt, ohne Miete. Aber das zählte nicht mehr. Als Grundlage für ihren Lebensstandard nahm der Richter ihr Einstiegsgehalt als Assistenzärztin vor der Ehe.

Er verdient. Sie erzieht. Damit es nicht so endet wie bei Ursula K., rät Familienrechtler Ruppolt allen Verlobten: "Nicht nur über die Flitterwochen, sondern auch über die Zukunft sprechen." Wollen wir Kinder? Und wenn ja: Wer betreut sie? Und vor allem: Wie werden die Nachteile für denjenigen ausgeglichen, der zu Hause bleibt - weniger Gehalt, geringe Chance auf Aufstieg und Karriere? Im Alter kaum eine Rente?

Das Ergebnis dieses Brainstormings führt allerdings mitunter zu abstrusen Situationen. Ruppolt hatte schon Eltern vor sich sitzen, die bereits drei Monate vor der Geburt penibel die Kinderbetreuung geplant haben: Wer darf an welchen Tagen wie viele Stunden arbeiten und muss wann zu Hause sein? Die Paare wollten verhindern, dass sie nach der Entbindung in alte Rollenmuster verfallen. Totale Eigenverantwortlichkeit, vom Notar besiegelt. Dafür haben sie im Falle einer Scheidung auf gegenseitigen Unterhalt verzichtet.

Ruppolt hält das für übertrieben. Er sagt: "Niemand kann vor der Geburt eines Kindes schon sagen, wie es hinterher aussehen wird. Niemand kann sein Leben in so feste Muster pressen."

Dennoch sollte seiner Meinung nach ein guter Ehevertrag alle Fragen zum Unterhalt regeln und auch, wer die Kinder betreut und wann für wie viele Stunden wieder in den Beruf einsteigt. Laut Gesetzgeber kann das bereits ab dem dritten Geburtstag des jüngsten Kindes der Fall sein: Vollzeit, wenn ein Platz in der Kita frei ist. Außerdem sollte der Vertrag eine Vereinbarung zur Altersvorsorge enthalten, etwa über eine Lebens- und Rentenversicherung.

Unseriös kann es werden, wenn ein Ehevertrag den Versorgungsausgleich ausschließt. Denn das bedeutet, dass der Hauptverdiener im Falle einer Scheidung seine in der Ehe erworbenen Rentenanwartschaften nicht teilen muss. Ruppolt: "Dann kann dem Partner, der ohnehin wenig in die Rentenkasse eingezahlt hat, die Altersarmut drohen."

Unterhalt, Versorgungsausgleich, Betreuung der Kinder - obwohl das neue Unterhaltsgesetz bereits vor acht Jahren verabschiedet wurde, gibt es bis heute keine einheitliche Rechtsprechung. Ruppolt: "Vor Gericht ist man auf hoher See. Jeder Fall ist anders, und es gibt zu viele schwammige Rechtsbegriffe, die von den Richtern jeweils anders ausgelegt werden." Häufig berät er Unternehmer, die verhindern wollen, dass die Firma im Falle einer Scheidung zum Sanierungsfall wird - etwa, weil der Zugewinn ausgezahlt werden muss. Dann wird beispielsweise Gütertrennung vereinbart, also totaler Verzicht auf Zugewinn. Faire Partner schnüren deshalb gleichzeitig ein Unterhaltspaket für denjenigen, der zu Hause bleibt.

Als vorbildlich empfindet Ruppolt einen Vertrag über eine modifizierte Zugewinngemeinschaft, den ein Geschäftsführer und seine Partnerin vor der Ehe unterschrieben haben. Beide wünschten sich eine Familie. Beide waren sich einig: Die Kinder sollen nicht unter einer möglichen Trennung leiden. Also haben sie beschlossen: Im Falle einer Scheidung zieht er aus dem Haus aus, in dem Mutter und Kinder bis zum Ende der Grundschulzeit wohnen bleiben dürfen. Danach übernimmt er die Miete für ihre Wohnung - bis 1500 Euro warm. Auch den Unterhalt machten sie klar: 1500 Euro für die Mutter, bis das jüngste Kind sein Abitur macht. Erst danach muss die Mutter sich selbst versorgen. Für die Altersvorsorge schlossen sie eine Lebensversicherung ab. Kompromiss und Anreiz zugleich: Im Falle einer Scheidung hat die Ehefrau keinen Anspruch auf den Zugewinn. Sollte die Liebe jedoch halten und sollte der Mann dann vor ihr sterben, würde sie nach seinem Tod alles erben.

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insgesamt 3 Beiträge
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m.m.s. 17.11.2016
1. Ehevertrag für die Katz?
Eheverträge sind doch für die Katz, da diese regelmäßig bei Scheidung angegriffen und aufgehoben werden. Immer wird der Ex-Mann ausgenommen und die Kinder weggenommen. Das Familienrecht ist nur auf Konfrontation und auf bewusste Ungerechtigkeit ausgelegt. Man braucht sich gar nicht darüber wundern, denn alle verdienen gut an der Ungerechtigkeit - alles auf Kosten des Mannes.
colinchapman 17.11.2016
2. wie bitte?
""Mit der Trennung kann vor allem für Frauen ein gesellschaftlicher Abstieg beginnen" halte ich für eine - vorsichtig formuliert - interessante Formulierung. Leider dominieren in meinem Bekanntenkreis die Fälle von Scheidungen, in denen sie weiter mit den Kindern im Haus wohnen bleibt und er in ein kleines gemietetes Apartment zieht - mit einem Koffer Klamotten.
lequick 18.11.2016
3.
Komisch, ich kenne (nicht nur) aber überwiegend auch Fälle, bei denen die Männer deutlich schlechter aussteigen. Frau bekommt Kinder und Unterhalt zugesprochen, trotz erneuter Heirat, der Mann bleibt alleine, muss ausziehen und kann auch noch zahlen. Hier werden wieder Artikel von Leuten geschrieben die keine Ahnung vom echten Leben haben.
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