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FUSSBALL »Abstand zum Rummel«

Patrick Broome, 39, Yogalehrer der deutschen Fußballnationalmannschaft, über seine Arbeit vor der EM
aus DER SPIEGEL 22/2008

SPIEGEL: Was lernen Joachim Löws Spieler von Ihnen im Trainingslager auf Mallorca - den Weg zur Erleuchtung zu finden?

Broome: Die spirituellen Aspekte des Yoga stehen hier nicht im Vordergrund. Wir machen keine Philosophie, aber zum Beispiel Atemübungen. Die Konzentration auf den Atem hilft den Spielern, Abstand zu dem Rummel um sie herum zu bekommen, sich selbst wieder zu spüren. Ich bin dem Fitnessteam angegliedert, arbeite eng mit dem Sportpsychologen, lehre Beweglichkeit, Stabilität und Entspannung.

SPIEGEL: Klingt nach einer recht sanften Methode, um die Elf für den Kampf um den EM-Titel zu stählen.

Broome: Bissig sollen sie schon sein. Eine der Haltungen, die wir üben, heißt »Krieger«. Großer Ausfallschritt, die Arme zur Seite ausgestreckt, den Blick auf ein Ziel ausgerichtet. Bei der Jivamukti-Methode, nach der ich arbeite, entspricht jede körperliche Haltung einer inneren Einstellung. Es gibt bei den Spielern muskuläre Dysbalancen, Steifheit in den Sprunggelenken und in der Hüfte, Verletzungsanfälligkeiten im unteren Rückenbereich. Einige klassische Yogaübungen setzen genau dort an.

SPIEGEL: Kommen die Spieler freiwillig zu Ihnen?

Broome: Anfangs, vor drei Jahren, gab es Pflichtsessions. Sonst hätten einige die Schwellenangst nicht überwunden. In Deutschland denken immer noch viele, Yoga sei etwas für ältere Damen. Inzwischen ist es freiwillig. Einige kommen regelmäßig, auch die Trainer. Nur etwa vier bis fünf Spieler finden es total doof.

SPIEGEL: Sie haben bereits die Popstars Sting und Madonna unterrichtet. Was zeichnet die Arbeit mit Fußballprofis aus?

Broome: Sie sind mit Feuereifer dabei. Sportler wissen: Ohne Anstrengung passiert nichts. Sie haben längst erkannt, dass Glück ein Belohnungsprinzip ist, dass man dafür arbeiten muss. Das ist die Grundlage des Yoga.

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