Achilles' Ferse Am Kreuz Leverkusen-Nord ist alles egal

Nichts geht über das "Runners high". Doch was soll man tun, wenn der Temporausch von Barrieren gestoppt wird? Achims Alleswisser helfen weiter. Das gilt auch für Sportsfreunde, deren Schuhgeschäfte keine zeitgemäße Ausrüstung im Sortiment haben. Den richtigen Zeitraum für die Erholung nach einem Marathon kennen die Chefideologen des Laufens ebenfalls.


Lieber Achim,
es geht um folgende Situation, die wohl jeder Stadtläufer kennt: Man läuft so seines Weges, bis sich auf einmal ein Hindernis in den Weg stellt: rote Ampel, vielbefahrener Radweg, oder man steht plötzlich vor dem Autobahnkreuz Leverkusen-Nord. Was sollte man tun, wenn man warten muss? Stocksteif stehen bleiben (da gerinnen dann aber doch sofort die Aminosäuren in der Muskulatur)? Auf der Stelle trippeln (sieht affig aus)? Sich stretchen?
Würde mich über eine Antwort freuen, Ingo

Marathon-Läufer (in Mainz): Zwischen Hund und Mensch hindurch
DDP

Marathon-Läufer (in Mainz): Zwischen Hund und Mensch hindurch

Hi Ingo,
auf der Stelle trippeln geht wirklich überhaupt nicht. Diese Übung ist daran schuld, dass nicht-laufende Autofahrer noch für Jahre danach jeglichen Laufversuch aus tiefstem Inneren ablehnen. Das sieht so hilflos und so verzweifelt aus, dass man nur Mitleid mit diesem armen Läuferchen haben muss und denkt: Was hat er denn? Muss er mal? Oder Hummeln? Oder beides? Also Ingo, bitte sage es jedem, der es nicht weiß: Es wird stehen geblieben und äußerst konzentriert bis glücklich geschaut. Bei Augenkontakt zu Autofahrern mitleidig lächeln. Maximal noch den besten Beinmuskeln, den man hat, gut gedehnt präsentieren.
Liebe Grüße, Jens Karraß

Lieber Ingo,
keine Angst: die Aminosäuren in der Muskulatur gerinnen erst bei einer Temperatur von über 80 Grad Celsius (genauso wie das Weiße im Ei).
Mit besten Grüßen, Dr. Fernando Dimeo

Lieber Ingo,
am Autobahnkreuz Leverkusen-Nord ist alles egal.
Gruß, Achim

Lieber Achim Achilles,
hast Du mal einen Tipp, wo man in Berlin am schönsten laufen kann. Selbst im Tiergarten spüre ich noch die Abgase auf meinen Lungen.
Gruß, Tobias

Hi Tobias,
am Teltowkanal entlang ist es relativ abgasfrei, im Grunewald erwartet Dich ein tolles Waldgebiet. In meinem Buch "Joggen in Berlin" findest Du 16 Strecken mit präzisen Meterangaben und Zwischenmarken, was der Läufer ja manchmal so braucht. Und ein paar Trainingstipps sind auch noch mit dabei.
Viele Grüße, Jens Karraß

Lieber Achim Achilles,
warum muss man eigentlich beim Marathon gegen Gleichaltrige laufen? Würde es nicht viel mehr Sinn machen, wenn man von jedem Läufer den Bodymass-Index bestimmen würde und nach diesem in Kategorien eingeteilt wird? Ich fänd das super.
Grüße aus der Schweiz, Alexander

Lieber Alexander,
das ist ein lustiger Hinweis, aber nur unter der Voraussetzung, die Stämmigeren unter uns hätten Lust, in einem eigenen Diskriminierungsblock, kurz vor den Walkern, zu starten. Man könnte die Läufer aber auch nach Größe und Gewicht unterteilen. Oder nach der verzehrten Alkoholmenge der letzten zwölf Monate. Oder den Trainingskilometern. Oder nach allem: Dann würde ich in der Klasse Ü40/BMI 24/194cm/90kg/XXL/SSL garantiert nicht ganz hinten landen.
Ermutigt, Achim

Hi Achim,
hast Du eigentlich schon mal einen Lauf so richtig genossen? Weißt Du, wenn man so dahintrabt, an nichts richtig denkt, nichts spürt als den Rhythmus von Atem und Beinen, und das Gefühl hat, man könnte ewig so dahinlaufen? Lass einmal die Pulsuhr liegen, nimm Dir nichts vor, und lauf einfach los, mit viel Zeit und ohne Ziel. Ohne Ehrgeiz!
Dein Manfred

Lieber Manfred,
in der Tat kenne ich diese Momente. Sie dauern aber nur wenige Sekunden bei mir. Es besteht also ein gewaltiges Missverhältnis zwischen Glücksmomenten und dem Aufwand, sie zu erreichen. Ich versuch es aber weiter. Auch wenn ich vermute, dass ich unter chronischem Endorphinmangel leide.
Nicht mal naturgedopt, Achim

Hi Manfred,
ja, das Gefühl hatte ich schon. Eine Art perfekter Lauf findet dann statt. Der ganze Körper ist zu spüren und dann aber doch nicht. Man merkt wie man sich vorwärts bewegt, wie die Muskulatur arbeitet, aber es passiert ohne jegliche Anstrengung. Es kommt einer fremdgesteuerten Autofahrt gleich. Wenn ich dann noch eine Kilometerzeit lief, die zu erreichen viel mehr hätte anstrengen müssen, dann kam ich in dieses schwebende, erhabene Gefühl des "Runners high".
Viel Spaß beim Nachmachen! Jens Karraß

Hallo Achim,
gestern wollte ich für meinen ersten Halbmarathon neue Laufschuhe kaufen. Also ins Fachgeschäft. Einschätzung: Ich hätte ja nicht gerade die typische Läuferfigur, zwar lange Beine, doch bestimmt 85 Kilogramm! Für diese Gewichtsklasse gibt es kaum noch Schuhe! Was sagt man dazu? Sind alle Menschen Keniaten oder Zwerge? Kann die Krankenkasse nicht was tun? Wie sollen erst wirklich Übergewichtige mit dem Laufen anfangen, wenns keine Schuhe gibt?
Tobias

Lieber Tobias,
wechsle das Fachgeschäft. Soviele Schuhe wie zur Zeit gab es wohl noch nie zur Auswahl. Und lass Dich nicht von den Dämpfungsversprechen verrückt machen. Wenn Du keine extremen Fehlstellungen hast, tut es erst mal ein preiswerter Neutralschuh. Wenige Monate später besitzt Du sowieso ein halbes Dutzend Paare. Ich auch.
Gruß, Achim

Lieber Achim,
vor drei Jahren bin ich in München meinen ersten Marathon gelaufen (4:15 Stunden). Was folgte, war ein dreijähriges Motivationsloch, das am Anfang verletzungsbedingt war. Seit Anfang des Jahres laufe ich nun wieder drei mal die Woche eine gute Stunde im lockeren Dauerlauf (etwa 30 Kilometer). Wie lange braucht (der) mein Körper, um wieder Marathonreife zu erlangen? Und wie sollte ich mein Laufen gestalten, um im Herbst eventuell in München an den Start gehen zu können?
Grüße, Thomas

Lieber Thomas,
mach einfach so weiter. Das ist schon eine gute Basis. 12 Wochen vor München musst Du den Umfang allerdings erhöhen. Sonntags mit 1:30 Stunden starten, über 2 Stunden bis später Drei-Stunden-Dauerläufe ausbauen. Dann kommst Du sicher wieder in den Genuss eines Marathons.
Jens Karraß

Lieber Achim, servus Klemmbrett-Jens, werter Doc Dimeo,
nach einem zehn-monatigen-0-auf-42-Projekt bin ich in Frankfurt 2005 meinen ersten Marathon gelaufen. Die Faszination hat mich, wie die anderen der Gruppe übrigens auch, nicht mehr losgelassen. So starten wir dieses Jahr in Stockholm und Berlin und trainieren fleißig weiter. Unterstützt wurde und wird die Laufgruppe mittels Leistungsdiagnostik durch Laktattests. Leider zeigte sich, abweichend von der Standardliteratur à la Herbert Steffny und anderen, dass das Tempo an der IAS (Individuellen anaeroben Schwelle) bei keinem der Anfänger, außer bei einem mit zehn Jahren Erfahrung, zu halten war. Vielmehr ergab sich ein Durchschnitts-Marathon-Endzeit-Tempo von etwa 80 bis 85 Prozent der IAS-Leistung. Gibt es Untersuchungen dazu oder verlässliche Angaben, so dass wir in Stockholm dann eine passende Zeitvorgabe haben? Ich denke so etwa an 85 bis 87 Prozent des IAS-Tempos?
Die Laktat-Luder

Liebe Laktat-Freunde,
im Bezug auf die Marathongeschwindigkeit hat Herr Steffny wie gewöhnlich Recht. Die individuelle anaerobe Schwelle gibt die Marathongeschwindigkeit bei gut trainierten und erfahrenen Marathonis wieder. Bei wenig trainierten und unerfahrenen Läufern ist ihre Aussagekraft stark eingeschränkt. Ihre Erfahrungen bestätigen diesen Punkt und zeigen, dass die Leistungsdiagnostik nicht so einfach ist und mehr als die banale Laktatmessung beinhaltet. Für die Bestimmung der Laufgeschwindigkeit beim Marathon benutzen deswegen Uni-Institute eine veränderte Gleichung, die von Kai Röcker aus Freiburg, selber ein Langstreckenläufer, entwickelt wurde. Dabei werden auch Faktoren wie Alter, Trainingsjahre und Anzahl der absolvierten Marathons berücksichtigt. Dadurch erhöht sich die Aussagekraft der anaeroben Schwelle erheblich.
Mit bestem Gruß, Dr. Fernando Dimeo

Läufer-Weisheit der Woche

Suche nie den Weg zwischen Hund und Mensch hindurch, auch wenn diese scheinbar nichts miteinander zu tun haben.
Christian

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Paulizei, 11.04.2005
1. Thema gestorben?
Hallo liebe Laufsportfanatiker, Walker-Hasser oder -Anwälte, Spiegelleser oder sonstige Ehrgeizlinge! Hat diese herrliche Thema den Umzug ins neue Forum nicht überlebt oder seid Ihr in Woche 2 vor dem Olympus Marathon alle so intensiv im Lauftraining, dass keine Zeit mehr für weltliche Angelegenheiten wie das Internet bliebt? Es grüsst Euch Eure Startnummer 16781
seductive, 12.04.2005
2. Pillen-Anleitung
also, ich find ja den Beitrag von Achilles sehr lustig. Leider glauben echt viele Leute dran, dass das Zeug was hilft. Ich muss gestehen, einige Sachen muss ich auch nehmen, allerdings nach Anraten des Arztes. Dass Eisen stopft, hab ich selbst noch nie bemerkt. Magnesium gegen die Krämpfe - wenn ich das mal einige Wochen nicht nehme, weiß ich genau, dass ich beim Spitzentanz nach einigen Minuten wieder fiese Krämpfe in den Fußsohlen kriege, die mir schwerelose Drehungen und minutenlange Balance unmöglich machen. Vitamine etc. nehme ich mit der Nahrung genug auf, nur an Magnesium und Eisen fehlt es mir oft. dass die sich gegenseitig aufheben, ist klar. Zink gegen die Erkältung, das ist doch auch selbstverständlich. Man sollte nicht jedes Mittelchen verteufeln. Aber wahre Sportler greifen sowieso lieber zur altbekannten ACE-Mischung (Kenner wissen, was ich meine). Ob man dann evtl. weit vor der Zeit einen Herzkasperl kriegt und vielleicht mit 25 tot umfällt, ist ja egal - denn man trainiert ja effektiver...
Carmen Cienfuegos, 19.04.2005
3.
---Zitat von sysop--- Jogging, obwohl eine fast schon archaische Form des Fitnesstrainings, bleibt nach wie vor angesagt. Unser Kolumnist Achim Achilles ist ein Durchschnittssportler, aber einer mit Ambitionen. Er läuft, weil er will und muss. Er kämpft um Kondition und gegen die Bequemlichkeitsverfettung. Sind Sie auch ein "heimlicher Achim"? Wie halten Sie es mit dem Training? Joggen wie Achilles? Oder was ist Ihr Rezept gegen Bauch und Trägheit? ---Zitatende--- Dem Marathon Achim rate ich: Creme alle Koerperteile die wundlaufen oder heisslaufen koennen mit Calendula Babycreme ein. Lass die billige Vaseline weg. Keine Chemie oder Drogen schlucken. Doping ist fuer loser. Mental stark antreten. Hoer dir volle Lautstaerke per Headset die Musik: We are the Champions oder Like a rock oder Against the Wind etc. an. Harte Sohlen fressen (wie beim Auto) weniger Energie. Alles andere ist Gummizelleneffekt. Das Abrollen der Sohlen macht den Lauf weich, elegant und elastisch. Das kann man sich antrainieren. Viel Glueck und Willenstaerke.
robbatberlin 26.04.2005
4.
Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :)
Paulizei, 26.04.2005
5. Herzlichen Glückwunsch
---Zitat von robbatberlin--- Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :) ---Zitatende--- Ist doch normal, oder? Ich jedenfalls bin bisher zwar erst 2 Marathons gelaufen, falle danach aber offenbar immer in ein psychisches Loch. Spätestens bei Kilometer 30 kommt die Einsicht, wie schwachsinnig es ist, im dritten Jahrtausend noch 42km zu laufen. So schlimm sind die Benzinpreise nun auch wieder nicht. Nach Überschreiten der Ziellinie stand dann beide Male fest: Nie wieder! Wo ich letztes Mal noch in 48stündige Bewusstlosigkeit fiel, konnte ich diesmal nach einem langen heißen Bad wenigstens schon wieder ohne fremde Hilfe gehen, was mich zu dem Schluß wird, dass die körperlichen Konsequenzen von Mal zu Mal weniger schlimm ausfallen. Das psychische "Down" bleibt aber vermutlich. Sorgen würde ich mir an Achims Stelle nur machen, wenn er nicht von allein scharf drauf wird, seine eigene Bestzeit zu knacken, nachdem die Schmerzen erstmal verflogen sind... In dem Sinne :-)
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