Achilles' Ferse Angriff der Greifvögel

Manchmal fühlt man sich als Läufer wie in einem Film von Hitchcock. Vor allem dann, wenn man auf der Hausstrecke plötzlich von Bussarden attackiert wird. Aber wie bei allen Problemen weiß auch in diesem Fall das Achilles-Team Rat.


Hallo Achim,
Svenja berichtete hier vor einiger Zeit von einem Greifvogelangriff, der für sie und Dich neuartig ist. Für mich ist das Problem leider uralt. Ich wurde sowohl in Koblenz als auch bei Waldbreitbach mehrfach von Mäusebussarden angegriffen. Immer von hinten oder aus der Sonne, richtige Kampfflieger. Das liegt an der Brutzeit. Die Bussarde verteidigen ihr Territorium. Also, entweder andere Strecke suchen oder einen Stock über dem Kopf schwingen. Es ist erprobt und hilft. Ich war nach meinem ersten Angriff mit blutiger Kopfhaut beim Arzt und habe sicherheitshalber eine Tetanus-Auffrischung genossen.
StuKa Wolfgang

Adler: Lauft doch mal mit Helm, das sieht bestimmt lustig aus
REUTERS

Adler: Lauft doch mal mit Helm, das sieht bestimmt lustig aus

Hallo Achim,
falls Du auch mal einen Angriff eines Greifvogels erlebst, bist Du wahrscheinlich wirklich nicht mehr amused. Mir ist das auch mal passiert, der Angriff kam von hinten, völlig überraschend und haarscharf über den Kopf. Ich habe diese Strecke dann erstmal einige Wochen gemieden, bis die Brutzeit dieser Viecher vorbei war. Hunde sind mir da wirklich noch lieber. Da hört man wenigstens in der Regel, was auf einen zukommt.
Ulla

Lieber Wolfgang, liebe Ulla,
habe ich mich jemals über Vogelattacken auf Läufer lustig gemacht? Kann ich mir gar nicht vorstellen. Vielleicht tragt ihr komische Klamotten oder habt ein Deo, das Vögel wuschig macht. Lauft doch mal mit Helm, sieht bestimmt lustig aus. Wenn jemand eine praktische Bussard-Abwehrtechnik kennt, bitte melden.
Rührei-Freund Achim

Hallo Achim,
die Beine sind nicht mehr schwer vom Berliner Halbmarathon, und nach drei verdienten Gläsern Wein traut man sich schon die nächste Herausforderung zu: Ich bin angemeldet für den Stockholm-Marathon am 9. Juni. Nur weiß ich nicht, nach welchem Plan ich trainieren soll. Bis zum Halbmarathon habe ich einen Trainingsplan mit Zielzeit 3:45 Stunden befolgt, weil ich es vor Berlin nicht übertreiben wollte. Heute wollte ich eigentlich fünf Minuten pro Kilometer laufen (gleich 1:45 Stunden für den Halbmarathon), hatte aber so viel Spaß, dass ich schon nach 1:39 Stunden ins Ziel kam und noch Luft für ein paar Minuten weniger gehabt hätte. Meinst Du, ich kann guten Gewissens auf einen Trainingsplan mit 3:30-Stunden-Zielzeit umsteigen? Ich bin vor vielen Jahren schon mal Langstrecke gelaufen, dann fast nicht mehr; seit Frühjahr 2005 laufe ich ein Mal pro Woche und seit Sommer 2006 dreimal und mehr, eigentlich ohne Beschwerden. Vielen Dank für eine Antwort,
Thomas

Hallo Thomas,
Glückwunsch zu dieser tollen Halbmarathon-Zeit. So wie Du die Dinge schilderst, kann ich Dich nur darin unterstützen, auf den 3:30-Stunden-Marathon hinzutrainieren. Das heißt für Dich, im Training fleißig und oft immer wieder das Tempo von fünf Minuten pro Kilometer zu üben. Zuerst mit Läufen von 10 bis 15 Kilometer, später kannst Du auf 20 bis 25 Kilometer steigern. Dazu einen Intervall-Tag mit Läufen von ein bis vier Kilometer und Zeiten von 4:20 bis 4:50 Minuten pro Kilometer. Die Geschwindigkeit richtet sich dabei nach der Lauflänge. Nun noch den entspannten längeren Lauf dazu und Du bist auf dem Weg.
Viele Grüße, Jens Karraß

Hallo Achim,
Matthias seine Erfahrungen mit dem Ausbilder Greif und dessen merkwürdigen Tempo-Vorgaben geschildert. Auch ich habe mir mal Greif-Pläne reingezogen und Folgendes festgestellt: Am Anfang gibt man vernünftigerweise an, zu welchen Zeiten man fähig ist. Nur aufgrund dessen wird ein Trainingsplan erstellt, der mir eher nach Serienbrief als individuell geschrieben aussieht. Die Tempovorgaben richten sich nach dem, was man potentiell leisten sollte. So wird aus den Unterdistanzzeiten auf die mögliche Marathonzeit hochgerechnet. Das Problem ist: Man wird gar nicht gefragt, wie schnell man den Marathon laufen möchte. Bei mir ergab sich aus zehn Kilometern unter 40 Minuten und einem Halbmarathon von 1:29 Stunden eine Marathonzielzeit von unter 3:10 Stunden, was sich dann in den Tempovorgaben widerspiegelte. Die schienen mir aber zu hart, da ich schlichtweg vor Erhalt dieses Planes zu langsam gelaufen bin. Statt die langen Läufe in 5:10 Minuten pro Kilometer zu absolvieren, bin ich langsamer rumgeschlichen. Mein Fazit: Ich hab's bleibenlassen mit seinen Plänen, da es mir eher nach Geldmacherei aussah.
Tim

Hallo Tim,
für sehr viele hat der Greif-Plan schon funktioniert. Es geht also. Klar, der Kunde soll eher die härtere Gangart bevorzugen. Aber ohne Tempo im Training geht es auch nicht im Marathon. Für 3:30 Stunden als Marathonzielzeit musst Du schon einen Schnitt von fünf Minuten pro Kilometer hinlegen, das ist nicht leicht. Wer am Tag X Hohes leisten will, der muss etwas dafür tun. Daran führt kein Weg vorbei. Bei jk-running-Trainingsplänen (www.jkrunning.de) hast Du die Chance mitzusprechen, Einwände zu äußern und zu lernen, warum, wie und was gerade im Training passieren soll. Jede Woche bekommst Du nach Rücksprache das aktuelle Trainingspensum, eingestellt auf Deine Ziele, aber eben auch auf Deine Verfassung, Dein Zeit-Management, Gesundheitszustand und die individuelle Leistungsentwicklung, die sehr unterschiedlich sein kann. Stress aus dem Training herauszuhalten, ist ein wichtiger Punkt in der Zusammenarbeit mit meinen Sportlern. Mit viel Training etwas erreichen ist leicht. Aber mit so wenig wie möglich – das sind gute Trainer. Viel Erfolg bei den flotteren Läufen,
Jens Karraß

Lieber Tim,
die Greif-Pläne sind für Menschen gedacht, die nicht viel anderes im Leben haben als das laufen. Solls ja geben. Ich habe es mal ein paar Wochen versucht, aber sowohl der Ton als auch die Vorgaben erzeugen bei mir eher Unlust und Widerwillen. Wer allerdings gern gehorcht, der wird sein Glück im Gulag Greif finden.
Gruß, Achim



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Paulizei, 11.04.2005
1. Thema gestorben?
Hallo liebe Laufsportfanatiker, Walker-Hasser oder -Anwälte, Spiegelleser oder sonstige Ehrgeizlinge! Hat diese herrliche Thema den Umzug ins neue Forum nicht überlebt oder seid Ihr in Woche 2 vor dem Olympus Marathon alle so intensiv im Lauftraining, dass keine Zeit mehr für weltliche Angelegenheiten wie das Internet bliebt? Es grüsst Euch Eure Startnummer 16781
seductive, 12.04.2005
2. Pillen-Anleitung
also, ich find ja den Beitrag von Achilles sehr lustig. Leider glauben echt viele Leute dran, dass das Zeug was hilft. Ich muss gestehen, einige Sachen muss ich auch nehmen, allerdings nach Anraten des Arztes. Dass Eisen stopft, hab ich selbst noch nie bemerkt. Magnesium gegen die Krämpfe - wenn ich das mal einige Wochen nicht nehme, weiß ich genau, dass ich beim Spitzentanz nach einigen Minuten wieder fiese Krämpfe in den Fußsohlen kriege, die mir schwerelose Drehungen und minutenlange Balance unmöglich machen. Vitamine etc. nehme ich mit der Nahrung genug auf, nur an Magnesium und Eisen fehlt es mir oft. dass die sich gegenseitig aufheben, ist klar. Zink gegen die Erkältung, das ist doch auch selbstverständlich. Man sollte nicht jedes Mittelchen verteufeln. Aber wahre Sportler greifen sowieso lieber zur altbekannten ACE-Mischung (Kenner wissen, was ich meine). Ob man dann evtl. weit vor der Zeit einen Herzkasperl kriegt und vielleicht mit 25 tot umfällt, ist ja egal - denn man trainiert ja effektiver...
Carmen Cienfuegos, 19.04.2005
3.
---Zitat von sysop--- Jogging, obwohl eine fast schon archaische Form des Fitnesstrainings, bleibt nach wie vor angesagt. Unser Kolumnist Achim Achilles ist ein Durchschnittssportler, aber einer mit Ambitionen. Er läuft, weil er will und muss. Er kämpft um Kondition und gegen die Bequemlichkeitsverfettung. Sind Sie auch ein "heimlicher Achim"? Wie halten Sie es mit dem Training? Joggen wie Achilles? Oder was ist Ihr Rezept gegen Bauch und Trägheit? ---Zitatende--- Dem Marathon Achim rate ich: Creme alle Koerperteile die wundlaufen oder heisslaufen koennen mit Calendula Babycreme ein. Lass die billige Vaseline weg. Keine Chemie oder Drogen schlucken. Doping ist fuer loser. Mental stark antreten. Hoer dir volle Lautstaerke per Headset die Musik: We are the Champions oder Like a rock oder Against the Wind etc. an. Harte Sohlen fressen (wie beim Auto) weniger Energie. Alles andere ist Gummizelleneffekt. Das Abrollen der Sohlen macht den Lauf weich, elegant und elastisch. Das kann man sich antrainieren. Viel Glueck und Willenstaerke.
robbatberlin 26.04.2005
4.
Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :)
Paulizei, 26.04.2005
5. Herzlichen Glückwunsch
---Zitat von robbatberlin--- Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :) ---Zitatende--- Ist doch normal, oder? Ich jedenfalls bin bisher zwar erst 2 Marathons gelaufen, falle danach aber offenbar immer in ein psychisches Loch. Spätestens bei Kilometer 30 kommt die Einsicht, wie schwachsinnig es ist, im dritten Jahrtausend noch 42km zu laufen. So schlimm sind die Benzinpreise nun auch wieder nicht. Nach Überschreiten der Ziellinie stand dann beide Male fest: Nie wieder! Wo ich letztes Mal noch in 48stündige Bewusstlosigkeit fiel, konnte ich diesmal nach einem langen heißen Bad wenigstens schon wieder ohne fremde Hilfe gehen, was mich zu dem Schluß wird, dass die körperlichen Konsequenzen von Mal zu Mal weniger schlimm ausfallen. Das psychische "Down" bleibt aber vermutlich. Sorgen würde ich mir an Achims Stelle nur machen, wenn er nicht von allein scharf drauf wird, seine eigene Bestzeit zu knacken, nachdem die Schmerzen erstmal verflogen sind... In dem Sinne :-)
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