Achilles' Ferse Brutales Erlebnis

Mythos Marathon: Um die legendären 42,195 Kilometer gut überstehen zu können, ist eine fundierte Vorbereitung nötig. Doch was tun, wenn zu wenig Zeit ist? Und was, wenn es trotz besten Trainings Probleme gibt? Achim Achilles und Co. wissen Rat.


Hallo Achim,
vor zwei Jahren habe ich den Laufsport für mich entdeckt und bin seitdem auch begeisterter Leser deiner Kolumne. Nach intensivem Training (inklusive Trainingsplan nach Dieter Baumann) habe ich mich dieses Jahr an meinen ersten Marathon in Hamburg gewagt.

Marathonläufer (in San Francisco): Buntes Treiben, aber anstrengend
AP

Marathonläufer (in San Francisco): Buntes Treiben, aber anstrengend

Obwohl ich auch längere Strecken trainiert habe, hat es mich bei Kilometer 25 total zerrissen. Schwindel, schwarz vor Augen und (was mich am meisten erschrocken hat) Herzstiche. Mit mehreren Gehpausen und viel trinken, konnte ich den Lauf immerhin zu Ende bringen (Zeit knapp unter fünf Stunden). Diese Symptome waren mir unheimlich. War das der berühmte "Mann mit dem Hammer"?

Es war brutal heiß während des Wettkampfs. Die Vorbereitung verlief meistens bei Kälte, Schnee und Regen. Ich habe mich aber gut gefühlt, war gesund, hatte gut geschlafen und viel getrunken. Bitte kläre mich doch mal über den guten "Mann" auf, damit ich diesem beim nächsten Mal entgehen kann.
Besten Dank, Dirk

Lieber Dirk,
es soll Läufer gegeben, die diese traumatischen Erfahrungen schon viel früher machen. Die gute Nachricht: Dir ist nichts Ernstes passiert. Die schlechte: Dein Training war offenbar falsch. Das nächste Mal trainierst du am besten nach unseren kostenlosen Plänen. Ein Rundum-Check vorher wäre allerdings auch ganz gut, um sicher zu gehen, dass Du keine versteckten ernsten Probleme hast. Und jetzt: weiterlaufen!
Gruß, Achim

Hey Dirk,
keine Frage: Deine Herzstiche sind ein Alarmsignal, mit dem ich persönlich ohne vorherige Kontrolle bei keinem Lauf mehr an den Start gehen würde. Bitte lass doch bei einem sportmedizinisch interessierten Kardiologen ein Belastungs-EKG machen. Das wäre meine Grundbedingung, dich wieder an den Start zu lassen.
Beste Grüße, Dirk Pajonk

Hallo Achim,
ich plane, in diesem Jahr wieder den Berlin-Marathon zu laufen (20. September). Die Anmeldung ist bereits abgeschickt, das Startgeld überwiesen. Meine Zeit von 3:14 Stunden aus dem vergangenen Jahr möchte ich auf 3:00 drücken. Am 20. August habe ich jedoch die Möglichkeit bekommen, kostenlos am Jedermann-Radrennen Cyclassics in Hamburg teilzunehmen. Kostenlos ist immer gut, also habe ich zugesagt!

Leider habe ich nicht nachgefragt, welche Strecke ich fahre, und zu meinem großen Erstaunen stand da etwas von 155 Kilometern in der Anmeldemail. Eigentlich kein Problem, wenn man nur ankommen will. Das Training für das große Ziel Marathon soll aber nicht leiden. Wie integriere ich denn nun ein bisschen Radtraining in den 2:59-Stunden-Trainingsplan von Herbert Steffny?
Viele Grüße, Martin aus Braunschweig

Hallo Martin,
zum Glück hast du nicht einen Ironman-Start gewonnen. Oder durch die Wüste mit Joey Kelly. Eine Verbesserung von 3:14 auf 2:59,59 Stunden ist nicht von schlechten Eltern, da muss alles sitzen. Es sei denn, du hast die 3:14 mit zwei Mal Training in der Woche gerissen. Aber gut, du willst 155 Kilometer Rad fahren, vier Wochen vor deinem Marathon. Das ist schon okay. Wenn du die zusätzliche Zeit mitbringen kannst.

Ich empfehle dir, zwei der sicherlich nicht wenigen 30-Kilometer-Läufe bei Herbert durch lange Radtouren von 120 Kilometern zu ersetzen. Dazu bist du etwas um vier Stunden auf dem Sattel - eine gute Ausdauerschulung. Am Tag danach machst du 15 Kilometer etwas zügiger. Das wird schwer gehen, aber vor allem am Tag 2 danach wird gar nichts mehr gehen. Da machst du dann Pause. Mache diese Touren und freue dich auf die Cyclassics. Du als 3:14-Stunden-Marathoni wirst bestehen.

Packe aber wichtiges Lauftraining vor den 20. August, denn vier bis fünf Tage danach wirst du muskulär so platt sein, dass gutes Lauftraining nicht drin sein wird. Es ist also ein Spagat zwischen kostenlosem 155-Kilometer-Cycling und einem Masterplan für 2:59.59 Stunden. Aber das Leben ist zu kurz für langweiliges Abarbeiten - hau rein!
Viel Spaß dabei, dein Klemmbrett-Karraß

Lieber Martin,
ich erwarte von dir, dass du die 155 Kilometer unter 3:30 Stunden fährst. Ein 44er-Schnitt wird ja wohl drin sein.
Gespannt, Achim

Holen Sie sich weitere Tipps und Tricks von Achim und seinem Team auf Achim-Achilles.de.



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.