Achilles' Ferse Die Etappe für den Lauf des Lebens

Sport ist mehr als Bewegung - auch für Hobbyphilosoph Achim. Denn wer glaubt, dass mit dem Überqueren des Marathon-Zielstriches alles erreicht ist, der irrt. Dann geht es erst richtig los: Es beginnt das Laufen im Kopf, um die nötige Motivation für die nächsten Ziele zu sammeln.


Lieber Achim,
finden sich in Deinem Buch "Achilles' Verse" nur Deine Kolumnen oder auch die goldenen Tipps von Doc Dimeo und Klemmbrett-Karraß?
Deine Verehrerin Heidi

Läufer bei Freiburg: Im richtigen Moment aufhören
AP

Läufer bei Freiburg: Im richtigen Moment aufhören

Liebe Heidi,
zuerst einmal Gratulation zu deinem exquisiten Männergeschmack. Das von Dir angesprochene Standardwerk der deutschen Literatur umfasst neben prima Kolumnen mit Walker-Beleidigungen auch eine Reihe von Tipps und Tricks, die sich in meinem kleinen Läuferleben so angesammelt haben, natürlich nicht so kompetent, wie von unseren gutaussehenden Fachberatern. Mit denen werden wir wegen der großen Nachfrage ein eigenes Buch auflegen.
Besten Gruß,
Achim

Hallo Achim,
mein linker Fuß hat eine recht normale Pronation (knickt nach innen, d.Red.), mein rechter knickt dabei deutlich stärker ein. Deswegen habe ich nach längeren Läufen am rechten Fuß Schmerzen an der Achillessehne und am Knöchel. Hilft eine Bandage weiter?
Oliver

Hi Oliver,
Dein rechter Fuß braucht Hilfe, keine neue Krücke. Wenn Du das Problem schon so gut kennst, dann suche Dir doch einen Sportphysiotherapeuten, der Dir ein Kräftigungsprogramm für diese Schwäche vorstellt. Ich weiß, ich weiß, Kräftigungsübungen für Fuß und Beine scheinen wie Strafarbeiten für Läufer. Aber Du wirst Dich wundern, was das alles einschließt, auch wenn es doch nur um die rechte Achillessehne geht. Eine Bandage gibt Dir zwar kurzzeitige Linderung. Aber das Problem wirst Du damit bestimmt nicht los.
Rundumkraft wünscht Jens Karraß

Lieber Achim,
vor einem Jahr hatte ich eine Knieverletzung durch einen Sturz erlitten – keine große, laut meinem Orthopäden konnte ich weiterhin joggen. In den letzten Wochen habe ich verstärkt Sport getrieben. Die Knieschmerzen haben stark zugenommen. Ist doch vom Joggen abzuraten? Was kann ich tun?
Vielen Dank,
Kreschma


Lieber Kreschma,

ich habe keinen Grund, die Meinung Ihres Orthopäden in Frage zu stellen. Aber offensichtlich hat die Erhöhung des Trainingspensums in den letzten Wochen zu einer Überbelastung geführt. Ihr Körper sagt Ihnen im Moment, dass Sie sich zu viel vorgenommen haben. Das Knie war der Belastung einfach nicht gewachsen. Was Sie tun können: Belastung auf ein verträgliches Maß reduzieren. Das weitere Training unbedingt unterhalb der Schmerzgrenze durchführen. Sie müssen selber bestimmen, wie viel Sport Ihr Knie verträgt, indem sie einfach im richtigen Moment aufhören.
Mit besten Grüßen,
Dr. Fernando Dimeo

Hallo Achim,
ich werde in Mainz meinen allerersten Marathon laufen, für den ich ein Jahr trainiert habe. Mich beschäftigt seit einiger Zeit neben der wachsenden Vorfreude die Frage, was danach kommt. Weniger das Körperliche als die mentale Seite: Wie ist man noch motiviert, welche Ziele kann man sich setzen, was wenn es nicht klappt? Weißt Du Rat?
Werner

Lieber Werner,
das ist in der Tat ein Problem. Ich löse das, indem ich mir bereits im Herbst des Vorjahres so ungefähr überlege, welche Wettbewerbe ich im kommenden Sommer gern mitmachen möchte und was sich in meiner Lebenslage (viel Stress oder viel Freizeit?) auch realistisch umsetzen lässt. Dann kann ich mein Wintertraining daraufhin abstimmen. Die Kunst besteht darin, die Latte so zu legen, dass die Höhe herausfordernd ist, ohne schlechte Laune zu erzeugen, weil es zu viel ist. Einen Marathon würde ich nicht als Ende betrachten, sondern banalphilosophisch als Etappe des langen niemals endenden Laufs zu mir selbst und ganz praktisch als Vorbreitung dafür, drei Wochen später die Bestzeit über 10 Kilometer zu knacken oder mal ganz untaktisch vom Start weg volles Rohr an einen Halbmarathon ranzugehen und zu gucken, wie lange man Highspeed tatsächlich durchhält.
Besten Gruß,
Achim

Hallo Achim,
auch auf die Gefahr, dass Du das Folgende für ein Luxusproblem hälst, wüsste ich gern Deine Meinung. Den Marathon kann ich locker in 3:15 Stunden laufen, versuche ich unter 3 Stunden zu bleiben, gehe ich ein. Im Juli werde ich beim Ironman-Triathlon Frankfurt starten und brauche dort eine 3:30-3:35 für die Hawaii-Quali (letztjährige Gesamtzeit 10:11 Stunden, bei 3:45 für den Marathon). Was würdest du mir raten, mehr Tempotraining oder den weiteren Ausbau der Ausdauerfähigkeit?
Danke,
Frank

Hallo Frank,
wenn Du mit einem Leistungsvermögen von 3:15 Stunden in Deinen Triathlon gehst, bist Du schon ziemlich dicht am Erreichen des gewünschten Zwischenergebnisses von 3:30-3:35 Stunden. Deine motorische Verfassung ist dazu völlig ausreichend. Nun wirst Du dieses Tempo nicht brauchen, da Du es nicht mehr abrufen werden kannst. So empfehle ich Dir tatsächlich, weiter an der Ausdauer, und da mehr an den langen Läufen zu arbeiten. Halte ein Laufvermögen einfach und trainiere mehr an der Radeinheit, je lockerer Du vom Rad steigst, desto dichter bleibst Du dann an der 3:30 Stunden dran. Also: Rad ausbauen, Lauf halten!
Alles Gute,
Jens Karraß

Lesertipp

Lieber Achim,
sehen wir uns am 20. Mai auf der Großen Strecke des GutsMuths-Rennsteiglaufes? Zwischen Eisenach und Schmiedefeld. Über 73 Kilometer und über 1000 Höhenmeter. Komm, Brust raus, Bauch rein! Wenn ich das schaffe, schaffst Du das längst auch! Infos findest Du hier  
Mit sportlichem Gruß,
Uli

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Seite 1
Paulizei, 11.04.2005
1. Thema gestorben?
Hallo liebe Laufsportfanatiker, Walker-Hasser oder -Anwälte, Spiegelleser oder sonstige Ehrgeizlinge! Hat diese herrliche Thema den Umzug ins neue Forum nicht überlebt oder seid Ihr in Woche 2 vor dem Olympus Marathon alle so intensiv im Lauftraining, dass keine Zeit mehr für weltliche Angelegenheiten wie das Internet bliebt? Es grüsst Euch Eure Startnummer 16781
seductive, 12.04.2005
2. Pillen-Anleitung
also, ich find ja den Beitrag von Achilles sehr lustig. Leider glauben echt viele Leute dran, dass das Zeug was hilft. Ich muss gestehen, einige Sachen muss ich auch nehmen, allerdings nach Anraten des Arztes. Dass Eisen stopft, hab ich selbst noch nie bemerkt. Magnesium gegen die Krämpfe - wenn ich das mal einige Wochen nicht nehme, weiß ich genau, dass ich beim Spitzentanz nach einigen Minuten wieder fiese Krämpfe in den Fußsohlen kriege, die mir schwerelose Drehungen und minutenlange Balance unmöglich machen. Vitamine etc. nehme ich mit der Nahrung genug auf, nur an Magnesium und Eisen fehlt es mir oft. dass die sich gegenseitig aufheben, ist klar. Zink gegen die Erkältung, das ist doch auch selbstverständlich. Man sollte nicht jedes Mittelchen verteufeln. Aber wahre Sportler greifen sowieso lieber zur altbekannten ACE-Mischung (Kenner wissen, was ich meine). Ob man dann evtl. weit vor der Zeit einen Herzkasperl kriegt und vielleicht mit 25 tot umfällt, ist ja egal - denn man trainiert ja effektiver...
Carmen Cienfuegos, 19.04.2005
3.
---Zitat von sysop--- Jogging, obwohl eine fast schon archaische Form des Fitnesstrainings, bleibt nach wie vor angesagt. Unser Kolumnist Achim Achilles ist ein Durchschnittssportler, aber einer mit Ambitionen. Er läuft, weil er will und muss. Er kämpft um Kondition und gegen die Bequemlichkeitsverfettung. Sind Sie auch ein "heimlicher Achim"? Wie halten Sie es mit dem Training? Joggen wie Achilles? Oder was ist Ihr Rezept gegen Bauch und Trägheit? ---Zitatende--- Dem Marathon Achim rate ich: Creme alle Koerperteile die wundlaufen oder heisslaufen koennen mit Calendula Babycreme ein. Lass die billige Vaseline weg. Keine Chemie oder Drogen schlucken. Doping ist fuer loser. Mental stark antreten. Hoer dir volle Lautstaerke per Headset die Musik: We are the Champions oder Like a rock oder Against the Wind etc. an. Harte Sohlen fressen (wie beim Auto) weniger Energie. Alles andere ist Gummizelleneffekt. Das Abrollen der Sohlen macht den Lauf weich, elegant und elastisch. Das kann man sich antrainieren. Viel Glueck und Willenstaerke.
robbatberlin 26.04.2005
4.
Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :)
Paulizei, 26.04.2005
5. Herzlichen Glückwunsch
---Zitat von robbatberlin--- Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :) ---Zitatende--- Ist doch normal, oder? Ich jedenfalls bin bisher zwar erst 2 Marathons gelaufen, falle danach aber offenbar immer in ein psychisches Loch. Spätestens bei Kilometer 30 kommt die Einsicht, wie schwachsinnig es ist, im dritten Jahrtausend noch 42km zu laufen. So schlimm sind die Benzinpreise nun auch wieder nicht. Nach Überschreiten der Ziellinie stand dann beide Male fest: Nie wieder! Wo ich letztes Mal noch in 48stündige Bewusstlosigkeit fiel, konnte ich diesmal nach einem langen heißen Bad wenigstens schon wieder ohne fremde Hilfe gehen, was mich zu dem Schluß wird, dass die körperlichen Konsequenzen von Mal zu Mal weniger schlimm ausfallen. Das psychische "Down" bleibt aber vermutlich. Sorgen würde ich mir an Achims Stelle nur machen, wenn er nicht von allein scharf drauf wird, seine eigene Bestzeit zu knacken, nachdem die Schmerzen erstmal verflogen sind... In dem Sinne :-)
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