Achilles' Ferse Höhentraining in Thailand

Wald, Wiesen, Wasser: Nicht immer gleicht die persönliche Laufstrecke dem Idealbild eines Jogging-Kurses. Doch hat das Laufen in der Großstadt nicht auch Vorteile? Wirkt es vielleicht sogar wie ein Höhentrainingslager? Das Achilles-Team weiß Rat.


Lieber Achim,
zur Sommer- und Ferienzeit ist es ja – wie du selbst am eigenen Leib erfahren hast - nicht einfach, sein Trainingsprogramm aufrechtzuhalten. Gerade verbringe ich meinen Sommerurlaub in Thailand und frage mich, ob das alles richtig ist: Laufen kann ich nur im knöcheltiefen Sand, wobei sich jeder Schritt so anfühlt, als ob ich gerade die Sahara durchquere. Beim Schwimmen muss man ständig den Bojen aus Kindern und Eltern ausweichen – falls man nicht gleich deren Gliedmaße ins Gesicht gerammt bekommt. Beim Fahrradfahren kämpft man gegen 100.000 Mopeds und deren Abgase an. Meine Frage: Kann ich das alles als Ergänzungstraining ansehen? Den Sandlauf als Vorbereitung auf den Marathon de Sable, das Schwimmen als Realtraining für den Triathlonstart und die Fahrradtour durch Bangkok als Sauerstoffentzugstraining, vergleichbar mit einem Höhentraining im Himalaya?
Für Aufklärung dankbar, Euer Alex

Bergsteiger auf dem Cho Oyu: Sauerstoffentzug wie in Bangkok
AP

Bergsteiger auf dem Cho Oyu: Sauerstoffentzug wie in Bangkok

Lieber Alex,
offenbar bist du im öffentlichen Dienst beschäftigt und daher nicht ausgelastet. Es fängt schon damit an, im Sommer nach Thailand zu fahren. Dort tummelt man sich gemeinhin, wenn es hier kalt ist. Damit es richtig weh tut, würde ich die Disziplinen tauschen: Du läufst auf der Straße, was toll ist fürs Tempo, weil du nur auf der Flucht vor durchgeknallten Einheimischen bist. Du schwimmst im Sand, weil du dann noch mehr von der Hitze hast. Das ist gut für die Arm-Frequenz. Und dein Rad stellst du schultertief ins Wasser. Erstens ist Aqua-Cycling der neue Hit. Und zweitens wirst du dich über deine Bullenkräfte wundern, die du entwickelst, wenn ein Hai naht. "Black Tip" heißen die kleinen Racker mit der schwarzen Flossenspitze, die sehr, sehr hungrig sind und schnell obendrein.
Have fun, Achim

Liebes Achilles-Team,
Ende September möchte ich (33) meinen ersten Marathon in Berlin bestreiten und begab mich kürzlich aus diesem Grund zu einem Check-up in die Hände einer Kardiologin. Sie diagnostizierte eine leichte Mitralklappeninsuffizienz, beteuerte aber, dass ich den Marathon beruhigt laufen könne. Nun aber doch meine Frage an euch, ob ich etwas beim Training und beim Lauf selber beachten sollte. Erwähnt sei noch, dass ich bisher keinerlei Probleme mit Puls, Atmung oder dergleichen hatte, auch bei längeren Läufen.
Voller Optimismus, Ira

Liebe Ira,
in der Regel werden wir angeschrieben, weil die Kollegen ein Laufverbot erteilt haben und die Laufbegeisterten damit nicht einverstanden sind. In Ihrem Fall ist es genau umgekehrt. Es gibt in der Tat wenige Läuferinnen, die ihre Lauffähigkeit durch eine Fachärztin amtlich bestätigt bekommen haben. Trainieren Sie deswegen weiter ohne Sorgen.
Mit besten Grüßen, Ihr Dr. Fernando Dimeo

Liebe Ira,
immerhin hast du immer eine gute Ausrede, wenn die Lust mal fehlt.
Neidisch, Achim

Hallo Achim,
ich hatte ein ähnliches Problem wie Ingo: Nachdem ich mir die Nase bei einem Fahrradsturz zertrümmert hatte (ist wieder schön geheilt), habe ich immer nach dem Schwimmen eine monströse Erkältung bekommen. Warm anziehen hat überhaupt nichts geholfen. Es liegt wohl daran, dass die Öffnungen zu den Nebenhöhlen enger geworden sind. Durch eine minimale Schwellung verschließen sie sich, und sofort ist alles entzündet. Das tritt übrigens bei Salzwasser nicht auf. Die Lösung ist entweder eine Laser-Behandlung oder, wenn man nicht so oft schwimmt wie ich, ein Anti-Histamin (Aerius) einwerfen. Vielleicht hilft das auch dem Leidensgenossen.
Grüße und Gesundheit, Manuel

Lieber Bernd,
schlag nicht auf 'nen Aqua-Jogger ein, denn er könnt' auch Läufer sein. Mal im Ernst, davon abgesehen, dass Aqua-Jogging als Ausgleich zum Laufen (Doc Dimeo möge mir gegebenenfalls widersprechen) oder, wenn man zum Beispiel verletzungsbedingt nicht laufen kann, sinnvoll sein kann, blockieren Aqua-Jogger nicht das ganze Becken, sondern vielleicht zwei bis drei Bahnen, und das gerade mal 45 Minuten am Tag (zumindest in unserem Bad). Wer genau dann dort für den Triathlon trainieren will, ist selbst schuld. Wenn Nordic Walking auch nur einmal am Tag zu einer bestimmten Zeit stattfinden würde, würde sich kein Läufer über die Walker aufregen.
Stephan

Lieber Stephan,
ich bin selber ein begeisterter Aqua-Jogger. Achim wird möglicherweise versuchen, eine krumme Verbindung zu erstellen und diese Leidenschaft für meine Kurzsichtigkeit, meinen eingeschränkten Kopfhaarwuchs oder meine Bierunverträglichkeit verantwortlich zu machen. Aber das Aqua-Jogging ist eine hervorragende Trainingsform. Man muss jedoch bedenken, dass sie ganz anders als Laufen ist und deswegen bei ernsthaften LäuferInnen nur als Ergänzung benutzt werden sollte.
Mit besten Grüßen, Ihr Dr. Fernando Dimeo

Liebe Leute,
Aqua-Jogger haben bestimmt auch alle Platten von Tokio Hotel.
Gruss, Achim

Liebes Achilles-Triumvirat,
ich möchte auf die E-Mail vom zeckengezwickten Gerd antworten. Meine Hausapotheke enthält ausschließlich Pflaster, eine Vielzahl medizinischer Angelegenheiten empfinde ich als aufgebauscht. Aber diese Borreliose ist eine ernste Angelegenheit. Ich kenne Fälle, wo noch nach der eigentlich abgeschlossenen Behandlung plötzliche und willkürliche Schwindelanfälle auftreten und die Borreliose dauerhafte Allergien gegen an sich normales Essen (zum Beispiel Schweinefleisch) ausgelöst hat. Schon ob des glücksspendenden Dreiklangs aus Abendläufchen, isotonischen Nachsportbiers und Nackensteak würde ich ärztliche Hinweise strikt befolgen.
Herzliche Grüße von Birgit

Hallo Achim,
in Kürze starte ich (29, 185, 76) bei meinem zweiten Marathon in Berlin, Ziel sind fünf Minuten pro Kilometer, das heißt insgesamt 3:30 Stunden (Zeit 2006: 3:49 Stunden). Die bisherigen Ergebnisse 2007: 1:37 Stunden (Halbmarathon Hamburg) und 4:20 Minuten pro Kilometer (Stadtlauf über 17,8 Kilometer). Bislang habe ich einen Lauf über 30 Kilometer trainiert. Ansonsten dreimal die Woche Distanzen zwischen zehn bis fünfzehn Kilometern, auch mal 21 bis 25 Kilometer, seit sechs Wochen einmal pro Woche Intervalle. Meine Frage: Drei Wochen vor Berlin ist ein Halbmarathon geplant, welches Tempo ist da sinnvoll? Ich habe eine durchschnittliche Kilometerzeit von 4:30 Minuten geplant (ehrgeizig, sollte ich aber schaffen). Macht dieses Tempo Sinn oder sollte ich nicht eher mein geplantes Marathontempo (fünf Minuten pro Kilometer) laufen?
Vielen Dank für die Hilfe, Gregor

Hallo Gregor,
drei Wochen vor dem Marathon kannst du durchaus einen relativ voll gelaufenen Halbmarathon absolvieren. Wenn deine ehrgeizige Zeitvorstellung dafür nicht dazu führt, dass du völlig gefrustet aus dem Lauf herausgehst, wenn du die Zeit nicht ganz schaffst oder es sich viel zu hart anfühlt, dann kannst du es so angehen. Ich würde dir aber raten, es etwas leichter anzugehen mit 4:45 Minuten pro Kilometer. Dann ist dieser Halbmarathon nochmal ein guter intensiver Trainingslauf, der deine Zielstellung von einem 3:30-Stunden-Marathon gut untermauert.
Viel Erfolg in den letzten drei Wochen, Jens Karraß



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Paulizei, 11.04.2005
1. Thema gestorben?
Hallo liebe Laufsportfanatiker, Walker-Hasser oder -Anwälte, Spiegelleser oder sonstige Ehrgeizlinge! Hat diese herrliche Thema den Umzug ins neue Forum nicht überlebt oder seid Ihr in Woche 2 vor dem Olympus Marathon alle so intensiv im Lauftraining, dass keine Zeit mehr für weltliche Angelegenheiten wie das Internet bliebt? Es grüsst Euch Eure Startnummer 16781
seductive, 12.04.2005
2. Pillen-Anleitung
also, ich find ja den Beitrag von Achilles sehr lustig. Leider glauben echt viele Leute dran, dass das Zeug was hilft. Ich muss gestehen, einige Sachen muss ich auch nehmen, allerdings nach Anraten des Arztes. Dass Eisen stopft, hab ich selbst noch nie bemerkt. Magnesium gegen die Krämpfe - wenn ich das mal einige Wochen nicht nehme, weiß ich genau, dass ich beim Spitzentanz nach einigen Minuten wieder fiese Krämpfe in den Fußsohlen kriege, die mir schwerelose Drehungen und minutenlange Balance unmöglich machen. Vitamine etc. nehme ich mit der Nahrung genug auf, nur an Magnesium und Eisen fehlt es mir oft. dass die sich gegenseitig aufheben, ist klar. Zink gegen die Erkältung, das ist doch auch selbstverständlich. Man sollte nicht jedes Mittelchen verteufeln. Aber wahre Sportler greifen sowieso lieber zur altbekannten ACE-Mischung (Kenner wissen, was ich meine). Ob man dann evtl. weit vor der Zeit einen Herzkasperl kriegt und vielleicht mit 25 tot umfällt, ist ja egal - denn man trainiert ja effektiver...
Carmen Cienfuegos, 19.04.2005
3.
---Zitat von sysop--- Jogging, obwohl eine fast schon archaische Form des Fitnesstrainings, bleibt nach wie vor angesagt. Unser Kolumnist Achim Achilles ist ein Durchschnittssportler, aber einer mit Ambitionen. Er läuft, weil er will und muss. Er kämpft um Kondition und gegen die Bequemlichkeitsverfettung. Sind Sie auch ein "heimlicher Achim"? Wie halten Sie es mit dem Training? Joggen wie Achilles? Oder was ist Ihr Rezept gegen Bauch und Trägheit? ---Zitatende--- Dem Marathon Achim rate ich: Creme alle Koerperteile die wundlaufen oder heisslaufen koennen mit Calendula Babycreme ein. Lass die billige Vaseline weg. Keine Chemie oder Drogen schlucken. Doping ist fuer loser. Mental stark antreten. Hoer dir volle Lautstaerke per Headset die Musik: We are the Champions oder Like a rock oder Against the Wind etc. an. Harte Sohlen fressen (wie beim Auto) weniger Energie. Alles andere ist Gummizelleneffekt. Das Abrollen der Sohlen macht den Lauf weich, elegant und elastisch. Das kann man sich antrainieren. Viel Glueck und Willenstaerke.
robbatberlin 26.04.2005
4.
Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :)
Paulizei, 26.04.2005
5. Herzlichen Glückwunsch
---Zitat von robbatberlin--- Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :) ---Zitatende--- Ist doch normal, oder? Ich jedenfalls bin bisher zwar erst 2 Marathons gelaufen, falle danach aber offenbar immer in ein psychisches Loch. Spätestens bei Kilometer 30 kommt die Einsicht, wie schwachsinnig es ist, im dritten Jahrtausend noch 42km zu laufen. So schlimm sind die Benzinpreise nun auch wieder nicht. Nach Überschreiten der Ziellinie stand dann beide Male fest: Nie wieder! Wo ich letztes Mal noch in 48stündige Bewusstlosigkeit fiel, konnte ich diesmal nach einem langen heißen Bad wenigstens schon wieder ohne fremde Hilfe gehen, was mich zu dem Schluß wird, dass die körperlichen Konsequenzen von Mal zu Mal weniger schlimm ausfallen. Das psychische "Down" bleibt aber vermutlich. Sorgen würde ich mir an Achims Stelle nur machen, wenn er nicht von allein scharf drauf wird, seine eigene Bestzeit zu knacken, nachdem die Schmerzen erstmal verflogen sind... In dem Sinne :-)
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