Achilles' Ferse Kampf dem Hitzkopf!

Wenn das Haupt schon nach wenigen Metern glüht, hilft nur jede Menge Flüssigkeit. Oder der Gang ins Wasser. Außerdem diskutieren Achim Achilles und sein Team den Fluch und Segen der Pulsuhr und warnen eine Kämpfernatur vor dem tiefen Fall ins Formloch.

Kühles Köpfchen: Erfrischendes Nass wirkt Wunder
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Kühles Köpfchen: Erfrischendes Nass wirkt Wunder


Hallo Jens,
ich will meine bisherige Marathon-Zeit von 4:39 Stunden verbessern. Euer kostenloser Trainingsplan sieht unter anderem Intervallläufe vor. So weit, so gut. Mein Problem ist mein mangelndes Zeit- beziehungsweise Tempogefühl. Die Vorgabe lautet zum Beispiel, zwischen 5:30 bis 5:45 Minuten pro Kilometer zu laufen. Tatsächlich bewege ich mich im Bereich von 5:00 bis 5:30 Minuten pro Kilometer. Dementsprechend bin ich auch früher mit meinen Kräften am Ende. Ähnlich wie beim Dauerlauf in einem "angenehm fordernden Lauftempo" zwischen 6:10 und 6:20 Minuten pro Kilometer: Hier schaffe ich es genauso wenig, wie vorgegeben zu laufen. Meistens laufe ich schneller, aber mit dem Ergebnis, früher einzubrechen, dann nur noch zu traben, nach der Erholungsphase wieder Tempo aufzunehmen, zu schnell zu laufen und dann das Ganze wieder von vorn. Das Ergebnis: Ich laufe völlig unrund. Was ratet ihr mir?
Besten Dank im voraus, Stefan

Hallo Stefan,
du scheinst wirklich ein hartnäckiger Kämpfer zu sein. So wie du es schilderst, rennst du schon seit Wochen immer zu schnell los. Korrigierst mit Gehpausen, um dann wieder zu schnell zu laufen. Die Gefahr, dass du dich in den Keller rennst, ist sehr hoch. Wer ständig zu schnell rennt, deswegen sogar gehen muss, um ins Ziel zu kommen, der übernimmt sich. Wenn du das regelmäßig und als Normalfall tust, wirst du über kurz oder lang in einem tiefen Formloch landen. Also: Fange alle Läufe mit Absicht entspannt an. Sei doch einfach mal zehn Sekunden zu langsam pro Kilometer und steigere behutsam auf das vorgegebene Maß. So hast du den Lauf im Griff und wirst deinem Körper auch tatsächlich Training anbieten - und nicht Wettkampf und Abwirtschaften.
Viele herzliche Grüße, Jens Karraß

Hallo Achim,
beim Laufen bekomme ich nach einiger Zeit einen heißen Kopf. Dies ist dann ein Vorbote von Migräne, die mich häufig nach dem Training befällt. Was kann ich tun, um das zu vermeiden?
Vielen Dank, Olaf

Lieber Olaf,
langsamer laufen. Oder schwimmen. Auf jeden Fall viel trinken. Diese Tipps helfen dir dabei. Und mal ein Belastungs-EKG beim Doc machen.
Herzlich, dein Achim

Lieber Olaf,
das klingt schon etwas mysteriös. Läufst du vielleicht zu schnell? Wie lang ist deine Laufstrecke? Wie sieht es mit deinen Trinkgewohnheiten vor, während und nach dem Laufen aus? Alles Dinge, die du für dich klären solltest.
Beste Grüße, Dirk Pajonk

Hallo Doc,
ich fühlte mich gut und lief so vor mich hin. Dann kaufte ich mir eine Pulsuhr und stellte fest, dass ich auf meiner Hausstrecke (zehn Kilometer) mit 90 Prozent Maximalpuls unterwegs bin. Wenn ich trabe und 7:00 Minuten pro Kilometer laufe, bin ich bei 84 Prozent. Um bei den geforderten 60 bis 70 Prozent zu landen, müsste ich also Stöcke nehmen und walken. Messfehler kann ich mittlerweile ausschließen. Einen Marathon mit langsamen 4:36 Stunden habe ich schon hinter mich gebracht. Muss ich nicht längst schon tot sein? Warum habe ich den Puls eines alten Mannes?
Grüße, Hermann

Lieber Hermann,
Pulsuhren sind Terrorgeräte. Ich werde mich dazu alsbald äußern, auch wenn dann fininische Killer auf mich angesetzt werden.
Herzlich, Achim

Lieber Hermann,
zur Bestimmung der optimalen Trainingsfrequenz, solltest du eine Leistungsdiagnostik durchführen lassen. In der Tat laufen die meisten eher zu schnell.
Viel Spaß, Dirk Pajonk

Hallo Jens,
ich habe mit vorgenommen, den New-York-Marathon 2010 zu laufen. Ich gehe fast jeden Tag ins Sportstudio und fahre auch sonntags um die 40 Kilometer Fahrrad. Ich laufe sehr gerne und beginne meist mit einem lockeren Warm-up-Lauf vor dem Training, zwischen 20 und 30 Minuten. Nachdem ich beschlossen habe, mich mehr auf das Laufen zu konzentrieren, habe ich auch schon zwei Outdoor-Läufe gemacht und es ging mir auch ganz gut damit. Das Problem ist nur, dass ich aufgrund meiner unmöglichen Arbeitszeiten nur ganz früh am Morgen laufen kann. Nach zehn Minuten merke ich schon, dass meine Speicher leer sind. Gibt es da irgendeinen Tipp, der mir den Morgenlauf erleichtern könnte?
Ich danke Dir im voraus, liebe Grüße Anja

Liebe Anja,
du bist also schon zweimal draußen gelaufen? Das ist mehr als etwa 80 Prozent der Deutschen je an Sport vollbracht haben. Aber für New York ist das etwas wenig. Marathon bedeutet in den letzten drei Monaten etwa 60 bis 80 Kilometer, und in den anderen auch um die 50. Pro Woche übrigens. Hier findest du als Einstiegslektüre ein paar Trainingspläne. Aber unter uns: Marathon wird überbewertet. Verschwende deine Jugend, aber nicht an 42 Kilometer.
Grüße, Halbmarathoni Achim

Liebe Anja,
es geht nur zweitrangig ums Essen. Klar hast du leere Speicher, aber das ist nur ein Teil des Problems. Du musst abends mehr essen und auch tagsüber. Du arbeitest wahrscheinlich Vollzeit und dann gehst du jeden Tag ins Studio und gibst dir die Kante. Wenn du zu diesem wirklich vollen Programm jetzt noch morgens rennen gehen willst, kannst du nicht verlangen, dass sich das leicht anfühlt. Im Gegenteil, du bist schon in einer Art Marathontraining. Da ist es normal, dass beim Laufen nichts locker geht. Das liegt nicht an den Speichern, die du durch essen füllen könntest. Es ist eher der Hauptakku, der stark ist und funktioniert, aber keinen Extrabooster mehr hat, um dir fürs Laufen um halb sieben noch ein federleichtes Gefühl geben zu können. Strukturiere deine Woche. Laufe zwei Mal in der Woche anstelle der anderen Programme und du wirst sehen, dass es mit dem Laufen besser wird. Und besorge dir einen ordentlichen Trainingsplan.
Viele Grüße, Jens Karraß



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