Achilles' Ferse Kein Stress, kein Druck, keine Hast

Man hat die Lust am Laufen entdeckt, aber weiß nicht so richtig, wie es weiter geht. Achims Team hilft wie immer. Denn Laufeinsteiger sind sensibel - und diese Menschen unterstützt Achim bei ihren ersten sportlichen Schritten besonders gerne.


Hallo Herr Achilles,
ich bin im zarten Alter von 44 Jahren und habe seit Ewigkeiten keinen nennenswerten Sport mehr betrieben. Möchte jetzt aber anfangen zu laufen. Gewichtsmäßig haut es bei mir noch einigermaßen hin, trotz Rotwein und gutem Essen. Naja, vielleicht ein paar Kilo zu viel. Welche Schuhe und was für sonstiges Equipment brauche ich? Ist eine vorherige ärztliche Untersuchung sinnvoll?
Viele Grüße, Reinhardt

Läufer im Grünen: Die Sucht hat voll zugeschlagen
AP

Läufer im Grünen: Die Sucht hat voll zugeschlagen

Hallo Reinhardt,
ein paar gute Laufschuhe bekommst Du im Fachhandel. Eine nette Laufschuhfachkraft wird Dich gut beraten. Dazu eine kurze Hose und ein leichtes Hemd – fertig ist Deine Sommerausstattung. Nun drei Tage aussuchen, an denen Du Zeit hast und loslegst. Stopp! Immer ganz langsam und locker. Muss komplett Spaß machen, kein Stress, kein Druck, keine Hast. Um beim Training dann später doch mal auf die Pauke zu hauen und auch um des guten Gewissens wegen, solltest Du ein Belastungs-EKG machen lassen, damit du ganz sicher gehst.
Viele Grüße, Jens Karraß

Lieber Reinhardt,
eigentlich brauchst Du gar nichts außer Willen. Ein paar alte Turnschuhe wirst Du im Schrank haben, eine verwaschene Hose auch. Wenn Du es schaffst, 3 mal 3 Wochen lang je eine halbe Stunde rauszugehen und ein paar Minuten zu traben, dann kannst Du über die Anschaffung teurer Accessoires nachdenken. Fakt ist doch: Die meisten deutschen Laufschuhe fristen ein einsames Dasein in dunklen Schrank-Ecken, weil ihre Besitzer die Anschaffung der Geräte verwechselten mit der Ausübung des Sports.
Sei tapfer, Achim

Lieber Achim Achilles,
mit 25 Jahren will auch ich jetzt mit dem Laufen beginnen. Voriges Jahr habe ich mir vorsorglich auch schon Läufer-Lektüre besorgt: Dieter Baumanns "Laufen Sie mit!" Taugt der Trainingsplan vom Zahnpasten-Didi etwas? Oder anders gefragt: Mit welchem Trainingsplan sollte ein semi-sportlicher Neuläufer beginnen?
Grüße, Magnus

Hallo Magnus,
allen Zahnpasta-Theorien zum Trotz: Der Dieter ist 1992 Olympiasieger geworden und weiß, wie man läuft. Bei seinen Trainingsplänen bist Du gut aufgehoben, wenn Du Dir den raussuchst, der zu Deinem jetzigen Laufniveau passt. Wichtig ist es bei Dir als Neuläufer, dass die Anzahl der Läufe pro Woche bei mindestens drei liegt, wenn Du etwas erreichen willst.
Beste Grüße, Jens Karraß

Schönen guten Morgen,
bei mir hat die Sucht zugeschlagen. Ich bin seit sechs Monaten leidenschaftlicher Läufer, noch ohne gesundheitliche Probleme. Wie kann ich vorbeugen und meine Knie- und Fußgelenke beim Joggen schonen? Kann man versuchen, sich einen bestimmten Laufstil anzutrainieren?
Beste Grüße, Mark

Lieber Mark,
die Vorstellung, dass Laufen oder regelmäßige körperliche Aktivität automatisch zu Verschleißerscheinungen und Verletzungen der Gelenke führt, ist falsch. Wer richtig, also vernünftig trainiert, wird sehr selten seinem Halteapparat zu viel zumuten. Nach jeder angemessenen Belastung nehmen Leistungs- und Widerstandsfähigkeit der Gewebe zu. Übertriebene, zu starke Belastungen führen stattdessen zu kleinen Schäden, die sich bei wiederholten Überlastungen addieren und auf Dauer zu einer Verletzung führen. Der beste Weg, die Gelenke zu schonen, ist das Training im Voraus zu planen, das Pensum um nicht mehr als zehn Prozent pro Woche zu erhöhen und auf alle zusätzlichen Maßnahmen (Dehnung- und Kräftigungsübungen, geeignete Laufschuhe und Trainingsterrain) zu achten. Der Laufstil ist individuell und hängt vor allem von den Verhältnissen zwischen den verschiedenen Strukturen des Halteapparats ab. Deswegen ist es falsch, sich einen fremden Laufstil anzueignen, denn jeder Mensch ist anders gebaut. Eine Korrektur des Laufstils ist nur bei deutlichen Fehlern oder eventuell bei Beschwerden erforderlich.
Mit besten Grüßen, Ihr Dr. Fernando Dimeo

Lieber Achim,
ich bin noch am Anfang meiner Karriere als Läuferin, würde diese aber gern ausbauen. Allerdings habe ich Krampfadern und von mehreren Seiten gehört, dass man damit nicht laufen soll. Nun bin ich etwas verunsichert: Kann ich laufen und was muss ich beachten?
Mit verkrampften Grüßen, Katrin

Liebe Katrin,
die Krampfadern entstehen meistens wegen einer angeborenen Bindegewebsschwäche. Laufen ist nicht unbedingt venenfreundlich, aber Sie müssen beachten, dass auch Bewegungsmangel bei Menschen mit Krampfadern zu einer Zunahme der Beschwerden führen kann. Bei diesen Patienten ist regelmäßiger Ausdauersport eher zu empfehlen als zum Beispiel intensive Kraftbelastungen, die zu einer Überbelastung der Venen führt.

Aus diesem Grund ist eine individuelle Beratung bei einem Venenspezialisten (Phlebologen) empfehlenswert. Wer trotz Krampfadern laufen möchte, kann die Probleme durch ein paar Tricks verringern: Kompressions- oder Stützstrümpfe zum Beispiel unterstützen das schwache Bindegewebe der Venen. Auch die Anwendung von kaltem Wasser unmittelbar nach dem Training verbessert kurzfristig die Venenfunktion und reduziert die Schwellung. Und ganz einfach: Sich nach dem Training kurz auf den Rücken zu legen und die Beine hoch zu stellen, verbessert enorm den Rückfluss des Bluts aus den Beinen zum Körper.
Mit besten Grüßen,Ihr Dr. Fernando Dimeo

Sehr geehrter Herr Achilles,
derzeit bin ich mal wieder auf dem Trip, abnehmen zu wollen und zwar diesmal mit Sport, denn eine Diät bringts einfach nicht und ist öde. Allerdings wird die Vorfreude aufs Abnehmen durch Sport zutiefst getrübt durch das Lesen Ihrer Kolumne. Ich frage mich ernsthaft, ob es nicht besser wäre, zwar dick, aber verhältnismäßig gesund durchs Leben zu gehen, als mich masochistisch-einschränkend der Qual des Sports hinzugeben?
Mit freundlichen Grüßen, Alex

Lieber Alex,
"zwar dick, aber verhältnismäßig gesund" gilt nur für eine befristete Zeit. Übergewicht erhöht deutlich das Risiko von Bluthochdruck, Blutzuckerkrankheit, Fettstoffwechselstörungen und degenerativen Erkrankungen des Halteapparats. Es ist ein wenig wie das Rauchen: einige Jahre dürfen die Betroffenen glauben, es handle sich um ein Genussmittel, bis die Realität sie in Form eines Herzinfarktes, einer Beinamputation oder eines Lungenkrebs einholt. Gesund durch das Leben zu gehen ist sicherlich die beste von allen Optionen, aber Gesundheit ist ab einem bestimmten Alter nicht umsonst, sondern sie muss durch einen gesunden Lebensstil erkauft werden. Und wenn Sie glauben, Sport wäre eine masochistische-einschränkende Tätigkeit, fragen Sie die geschätzten 16 Millionen BundesbürgerInnen, die regelmäßig Sport treiben. Und zwar nicht heute, sondern in zwanzig Jahren und mitten im Walde, wo sie noch gesund und aktiv ihre Runde drehen während die heutigen Genießer ihre Zeit im Warteraum des Hausarztes verbringen.
Bis bald im Walde und fröhlich gelaunt, Ihr Dr. Fernando Dimeo

Lieber Alex,
Läufer jammern immer über irgendwas. Jeder jammert immer über irgendwas. Das darfst Du nicht so ernst nehmen. Vergiss einfach mal meine kaputte Wade, die ruinierte Ehe, all die unnützen Ausgaben, die Enttäuschungen, verschwendete Zeit und Verletzungen. Dann ist Laufen wirklich toll.
Gruß, Achim

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Seite 1
Paulizei, 11.04.2005
1. Thema gestorben?
Hallo liebe Laufsportfanatiker, Walker-Hasser oder -Anwälte, Spiegelleser oder sonstige Ehrgeizlinge! Hat diese herrliche Thema den Umzug ins neue Forum nicht überlebt oder seid Ihr in Woche 2 vor dem Olympus Marathon alle so intensiv im Lauftraining, dass keine Zeit mehr für weltliche Angelegenheiten wie das Internet bliebt? Es grüsst Euch Eure Startnummer 16781
seductive, 12.04.2005
2. Pillen-Anleitung
also, ich find ja den Beitrag von Achilles sehr lustig. Leider glauben echt viele Leute dran, dass das Zeug was hilft. Ich muss gestehen, einige Sachen muss ich auch nehmen, allerdings nach Anraten des Arztes. Dass Eisen stopft, hab ich selbst noch nie bemerkt. Magnesium gegen die Krämpfe - wenn ich das mal einige Wochen nicht nehme, weiß ich genau, dass ich beim Spitzentanz nach einigen Minuten wieder fiese Krämpfe in den Fußsohlen kriege, die mir schwerelose Drehungen und minutenlange Balance unmöglich machen. Vitamine etc. nehme ich mit der Nahrung genug auf, nur an Magnesium und Eisen fehlt es mir oft. dass die sich gegenseitig aufheben, ist klar. Zink gegen die Erkältung, das ist doch auch selbstverständlich. Man sollte nicht jedes Mittelchen verteufeln. Aber wahre Sportler greifen sowieso lieber zur altbekannten ACE-Mischung (Kenner wissen, was ich meine). Ob man dann evtl. weit vor der Zeit einen Herzkasperl kriegt und vielleicht mit 25 tot umfällt, ist ja egal - denn man trainiert ja effektiver...
Carmen Cienfuegos, 19.04.2005
3.
---Zitat von sysop--- Jogging, obwohl eine fast schon archaische Form des Fitnesstrainings, bleibt nach wie vor angesagt. Unser Kolumnist Achim Achilles ist ein Durchschnittssportler, aber einer mit Ambitionen. Er läuft, weil er will und muss. Er kämpft um Kondition und gegen die Bequemlichkeitsverfettung. Sind Sie auch ein "heimlicher Achim"? Wie halten Sie es mit dem Training? Joggen wie Achilles? Oder was ist Ihr Rezept gegen Bauch und Trägheit? ---Zitatende--- Dem Marathon Achim rate ich: Creme alle Koerperteile die wundlaufen oder heisslaufen koennen mit Calendula Babycreme ein. Lass die billige Vaseline weg. Keine Chemie oder Drogen schlucken. Doping ist fuer loser. Mental stark antreten. Hoer dir volle Lautstaerke per Headset die Musik: We are the Champions oder Like a rock oder Against the Wind etc. an. Harte Sohlen fressen (wie beim Auto) weniger Energie. Alles andere ist Gummizelleneffekt. Das Abrollen der Sohlen macht den Lauf weich, elegant und elastisch. Das kann man sich antrainieren. Viel Glueck und Willenstaerke.
robbatberlin 26.04.2005
4.
Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :)
Paulizei, 26.04.2005
5. Herzlichen Glückwunsch
---Zitat von robbatberlin--- Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :) ---Zitatende--- Ist doch normal, oder? Ich jedenfalls bin bisher zwar erst 2 Marathons gelaufen, falle danach aber offenbar immer in ein psychisches Loch. Spätestens bei Kilometer 30 kommt die Einsicht, wie schwachsinnig es ist, im dritten Jahrtausend noch 42km zu laufen. So schlimm sind die Benzinpreise nun auch wieder nicht. Nach Überschreiten der Ziellinie stand dann beide Male fest: Nie wieder! Wo ich letztes Mal noch in 48stündige Bewusstlosigkeit fiel, konnte ich diesmal nach einem langen heißen Bad wenigstens schon wieder ohne fremde Hilfe gehen, was mich zu dem Schluß wird, dass die körperlichen Konsequenzen von Mal zu Mal weniger schlimm ausfallen. Das psychische "Down" bleibt aber vermutlich. Sorgen würde ich mir an Achims Stelle nur machen, wenn er nicht von allein scharf drauf wird, seine eigene Bestzeit zu knacken, nachdem die Schmerzen erstmal verflogen sind... In dem Sinne :-)
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