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01. Februar 2008, 10:17 Uhr

Achilles' Ferse

Kinder- und Läuferparadies Dehnemark

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Kommt ja selten vor, darum freut sich das Achilles-Team umso mehr – Kinder, die sich für das Laufen interessieren. Doch auch für den Nachwuchs gilt: Nichts überstürzen. Vor allem Dehnübungen sind wichtig, auch wenn manche Experten davon gar nichts halten.

Hallo Herr Achilles,
ich bin 14 Jahre alt und im vergangenen Schuljahr das erste Mal bei einem Schullauf gestartet. Obwohl ich vor dem Lauf praktisch nicht trainiert habe, bin ich vom Bundesland Salzburg in meiner Altersklasse Zweiter geworden und habe mich damit für das Finale qualifiziert. Wegen einer Verletzung konnte ich für das Finale nicht wirklich trainieren, bin aber trotzdem Vierter in ganz Österreich geworden. Und es fehlten mir nur 3,7 Sekunden zum Sieg. Jetzt hat mich der Ehrgeiz gepackt, und ich würde gerne richtig fürs nächste Jahr trainieren. Nur weiß ich nicht wie. Die Distanz beträgt 2100 Meter. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie mir helfen könnten.
Florian aus Österreich

Sportler: Zeigt her eure Beine, zeigt her eure Schuh
REUTERS

Sportler: Zeigt her eure Beine, zeigt her eure Schuh

Lieber Florian,
was für eine Freude! Ein 14-Jähriger, der Spaß am Laufen hat und auch noch dran bleiben will. Bitte melde dich einfach bei uns. Wir werden sehr gerne mit dir ein Training beginnen, dich kostenfrei mit Trainingsplänen betreuen, wenn wir gemeinsam zu dem Schluss kommen, dass du 2008 gewinnen könntest. Generell rate ich dir zu drei Trainingseinheiten in der Woche. Erstens; ein Lauf über acht Kilometer locker (Puls 144 bis 150). Zweitens: ein flotter Lauf von vier bis fünf Kilometern (Puls 164 bis 170). Und Drittens: ein Tempotraining mit fünf Mal 500 Meter oder drei Mal 1000 Meter. Dazwischen gute Pausen einhalten, sowie vor- und nachher etwas lockeres Traben.
Viel Erfolg, Jens Karraß

Hallo Experten,
meine Mädels (fünf und sieben Jahre alt) möchten unbedingt joggen - weiß der Himmel warum. Im Prinzip habe ich nichts dagegen, habe aber als Asthmatikerin und überzeugte Nordic Walkerin vom sinnvollen Aufbau eines Lauftrainings für Kinder null Ahnung. Ich weiß nur, was ich nicht möchte: dass sie nach wenigen Minuten mit knallroter Birne röchelnd in der Pampa stehen und das Thema Joggen final abhaken. Also, wie fange ich's an?
Danke im Voraus, Susanne aus Eichstätt

Hallo Susanne,
Laufen ist toll – auch für Kinder. Aber es darf kein Lauftraining sein, wie wir es für Erwachsene kennen: Kilometer fressen, hechelnd Kilos wegschwitzen und solche Absonderlichkeiten. Konkurrenzbetont wiederum darf es sein, abwechslungsreich und spielerisch auch. Am allerbesten ist es, wenn du dich nach einem Leichtathletikverein umschaust, in dem es auch um Hochsprung, Hürdenlauf und Sprinttraining geht. Deine beiden Mädels werden sich so wunderbar austoben können, eine sehr gute Grundlage in Koordination, Kraft, Schnelligkeit erhalten, um später dann mal "stupide" Läufe durchzuziehen. Noch ein Vorteil: Sie lernen gleichgesinnte und ebenso fitte Freundinnen kennen.
Viel Spaß wünscht Jens Karraß

Hallo Achim,
in früheren Beratungen wurde häufiger darauf hingewiesen, wie wichtig Dehnübungen sind. Ich bin ein 51-jähriger Jogger (75 Kilogramm verteilt auf 179 Zentimeter), laufe seit zwölf Jahren drei bis vier Mal wöchentlich und habe schon diverse Marathons (Zeiten zwischen 3:30 und 4:00 Stunden) und Halbmarathons hinter mir. Bisher hielt ich nicht allzu viel von dem ganzen Dehnkram. Nun ist mir kürzlich beim Laufen der Muskel an der Wade im Übergang zur Achillessehne gerissen - ziemlich schmerzhaft. Den Orthopäden habe ich gefragt, ob das mit mangelndem Dehnen zusammenhängen kann. Er erzählte mir, dass man auch mit Dehnen nach einer genügenden Einlaufphase keinen Muskelriss verhindern kann. Im Gegenteil: Untersuchungen der Majo-Klinik in den USA hätten gezeigt, dass Sportler, die regelmäßig ihre Dehnübungen absolvieren, häufiger Muskelfaserrisse hätten als Sportler, die das nicht tun. Erzählt mir mein Orthopäde nun Döntjes (norddeutsch für unterhaltsame, aber nicht immer ganz wahre Begebenheiten; die Red.) oder stimmt das? Wozu soll ich dann also dehnen? Ging ja fast zwölf Jahre gut! Oder brauchen die Muskeln mit zunehmendem Alter doch zwischendurch ein paar Dehnungen?
Gruß, Gerd

Lieber Gerd,
kaum ein Sportler, ob Profi oder Gelegenheitsjogger, verzichtet auf die Prozedur: Vor und nach dem Training werden einige Minuten lang die Muskeln gedehnt. Diese Zeit könne man sich sparen, urteilten Forscher der Universität Sydney in Australien. Egal ob die Muskeln vor, während oder nach dem Sport durch Stretching gedehnt werden – dies alles hat demnach keine signifikanten Auswirkungen auf das Verletzungsrisiko oder auf die Stärke des Muskelkaters, folgerten die Forscher aus einer Analyse von fünf Studien zu Stretching. So pauschal kann man dies jedoch nicht sagen, finde ich. Schließlich gibt es auch genug Studien, die das Gegenteil belegen. Stretching, das heißt die Muskeln werden langsam gedehnt und die Dehnung wird lange gehalten. Dies vermindert den Muskeltonus (Spannungszustand des Muskels, die Red.). Damit bringen die Muskeln zwar nicht mehr die maximale Kraft, das Verletzungsrisiko sinkt jedoch ebenfalls. Wer in den Wettkampf geht, darf vorher nicht stretchen, sonst reduziert er damit seine Siegeschancen, für Hobbysportler ist Stretching aber prima. Dehnen hilft jedoch nicht gegen Muskelkater. Wenn nach dem Sport bereits Mikrorisse in den Muskelfasern bestehen, können sie durch Dehnen vergrößert werden. Solche Mikrorisse, die zu Muskelkater führen, können auch dann entstehen, wenn Muskeln beim Dehnen vor dem Sport noch kalt sind. Deswegen erst Lockerungsübungen, dann Stretching.
Viele Grüße, Jens Karraß

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