Achilles' Ferse Kippen, Klippen, Walker-Zicken

Läufer streiten sich ja gerne. Das beste Training, die tollsten Schuhe - da gibt es regelmäßig heiße Debatten. In einer Sache sind sich die Athleten aber oftmals einig: Walker sind eine Seuche. Das Problem: Was hilft dagegen?


Hallo Achim,
heute Morgen beim Aldi: Nordic-Walking-Ausrüstungen frisch auf dem Wühltisch. Vor mir an der Kasse ein Sportsfreund mit genau zwei Artikeln: Walking-Fleece-Shirt und eine Packung Kippen. Kein Kommentar. Haben nur noch die Dominosteine gefehlt.
Sportliche Grüße, Ralf

Guten Tag Achim Achilles,
ich bin erst heute auf Ihre interessante Anti-Walker-Seite gestoßen und beim Lesen ist mir folgende Frage gekommen: In meinem Bekanntenkreis befinden sich einige dieser Stocklauf-Fetischisten, und bei denen fällt mir in letzter Zeit auf, dass immer mehr unter einem Fersensporn leiden. Ist hier möglicherweise ein direkter Zusammenhang zwischen Nordic Walking (falsche Lauftechnik und ungeeignetes Schuhwerk) und Fersensporn zu sehen? Oder ist dieses zunehmende Erscheinungsbild reiner Zufall?
Heinz

Zigarettenkippen: Hinterlassenschaften einer Walkerhorde
DPA

Zigarettenkippen: Hinterlassenschaften einer Walkerhorde

Lieber Achim,
wir wohnen nun seit etwa einem Jahr an einer Straße, die direkt zum Wald führt. Es ist unglaublich, was hier jeden Tag an Walkern vorbeispaziert. Mal mit den Stöcken den Gehsteig pieksend, mal die Stöcke nachschleifend oder einfach lose in der Hand getragen. Meistens darf ein Patronengurt Energy-Riegel und Drinks nicht fehlen - am Wald endet schließlich die Zivilisation und soviel reden macht durstig. Nun, neulich hatten wir Gartenarbeit, ich schob den Schubkarren voll Erde die Straße hinauf, um ihn weiter oben auszuleeren. Zur gleichen Zeit lief eine Gruppe Hightech-Walker die gleiche Strecke den Berg hinauf. Erheiternd der Ausruf eines Walkers: "Guckt mal, der ist mit Schubkarren und Erde schneller als wir." (Und ich hatte es nicht eilig.)
Der Blumengärtner

Lieber Achim,
einfach köstlich! Treffender könnte man diesen Trend-Schwachsinn nicht beschreiben. Ich bin seit vielen Jahren aktiver Bodybuilder und kann aus langer Erfahrung ein Lied singen, wie schwer, anstrengend und deprimierend eine Diät zur Verminderung von Körperfett sein kann. Mit diesem Mode-Gehopse namens Nordisch-Walken klappt das garantiert nicht, denn nur wer sich wirklich anstrengt und beinahe schindet, kann in Verbindung mit einer gezielten Diät dem Körperfett zu Leibe rücken. Bei diesem Blödsinn passiert rein körperlich so gut wie gar nichts, außer der Gewissheit, dass auf der Couch herumliegen noch schlimmer wäre und man so wenigstens was von der Umgebung sieht.
Klaus

Lieber Achim,
die Organisatoren des Mittelrhein-Marathons fragen sich nach den Gründen für den Teilnehmerschwund auf der Distanz über 42 Kilometer. Ich kenne ihn: Es sind die Walker. Ich habe letztes Jahr am Mittelrhein-Marathon teilgenommen und bin bei Kilometer 21 auf die Walker aufgelaufen. Danach war der Spaß vorbei. Drei rücksichtslose Walker reichen aus, um die Bundesstraße für die Läufer unpassierbar zu machen. Keine Reaktion auf Zurufe, kein Ausweichen, nichts. Der Läufer kommt aus dem Rhythmus, aus der Puste und ist frustriert. Ich werde an keinem Lauf mehr teilnehmen, der auf derselben Strecke mit Walkern organisiert wird. Ich habe übrigens bis jetzt keinen sportlichen Walker getroffen. Alle waren Spaziergänger mit Sportartikelkram.
Georges

Sehr geehrter Herr Achilles,
endlich hat sich ein Publizist geopfert, meine Schimpfkanonaden schwarz auf weiß zu bestätigen. Wenn mir auf gerader, spiegelglatter Strecke plötzlich die von der Skiausrüster-Industrie verdummten Nordic Walker mit ihren Stöcken in einem Gehstil zwischen Gebrechlichkeit und geheuchelter Sportlichkeit begegnen, möchte ich am liebsten die Staatsbürgerschaft ändern (noch ist sie Deutsch).
Helmut

Lieber Achim,
ich bin dein Jahrgang, 1963, und du besitzt alle meine Walker-Hasser-Sympathien. Ich wohne seit 17 Jahren in Finnland und schäme mich dafür, dass in meinem jetzigen Heimatland das Nordic Walking erfunden wurde. Aber was heißt schon erfinden? Hat man das Gehen erfunden? Nachdem ich mir nach meinem letzten Marathon (Paavo-Nurmi-Marathon in Turku) eine leichte Zerrung in der Wade zugezogen hatte, begleitete ich meine Frau mit ihren Marimekko-Design-Stöcken beim Nordic Walking. Mein Fazit: Eine große Blase an der Innenseite der rechten Ferse (meine erste Blase seit Jahren!) und einen total unbefriedigten Bewegungsdrang. Seit diesem Tag weiß ich: Walken ist töricht, unnütz und gefährlich.
Peter aus Vaasa, Finnland

Verehrter Achim,
den Verdrängungskampf gegen die Stockmenschen können wir wohl nicht mehr gewinnen. Wenn der Trend so anhält, wird bald kein Platz mehr für Läufer sein. Deshalb mein Tipp: Gehe in die Nische und nutze die Schwäche des Gegners! Ich habe das schon selbst praktiziert. Da ich neben Läufer auch Mountainbiker bin, konnte ich beobachten, dass sich der gemeine Nordic Walker nicht in Gebieten mit Steigungen über fünf Prozent aufhält. Spätestens bei zehn Prozent hast du deine Ruhe. Hier im Rheintal laufe ich deshalb bevorzugt in den Weinbergen, ist auch ein schönes Intervalltraining, immer hoch und runter. Für die Leute an der Küste: Auf der Deichkrone laufen. Die Stockis werden dort kaum hinaufkommen.
Hochachtungsvoll, Lars

Lieber Achim,
was mich wirklich wahnsinnig macht, ist der Hang der Walker, Dreier- und Viererketten zu bilden. Selbst ein freundliches "Entschuldigung" in den Rücken der Walkerkette gerufen, bringt nichts. Gefährlich wird die Überholaktion, versucht man durch geschicktes Ausweichen ins Unterholz, den mit Schwung nach hinten geführten Stöcken zu entgehen. Nicht selten sind hierbei schon zarte Läuferwaden in arge Mitleidenschaft gezogen worden. Ein Selbstversuch mit Laufen entgegen der allgemeinen Laufrichtung ergab, dass der gemeine Kettenwalker selbst einen Frontalzusammenstoß einem schmerzfreien Ausweichen vorzieht.
Resignierte Grüße aus Wiesbaden, Sabine

Hallo Achim und Team,
leider hat mich auch dieses Jahr die typische Wiesn/Oktoberfest-Erkältung heimgesucht. Nicht weiter schlimm, nur ärgerlich, da sieben Tage vor dem München-Marathon. Und weil man ja nicht laufen soll, wenn die Nase läuft, habe ich mein Vorhaben abgesagt. Dafür möchte ich Ende Oktober in Frankfurt an den Start gehen. Da ich die vergangenen zwölf Wochen nach einem Plan trainiert habe, der genau den 14. Oktober als Marathon-Termin vorsah, habe ich jetzt praktisch eine Lücke von zwei Wochen. Wie ist diese zusätzliche Zeit zu nutzen? Ausruhen, trainieren, beides und wenn wieviel und welche Einheiten? Meine erwartete Zeit für den Marathon ist rund 3:20 Stunden.
Danke, Andreas

Lieber Andreas,
gratuliere zur gesunden Einstellung, den München-Marathon abzusagen und gleichzeitig ein "Du Hornochse!". Immer wieder ereilen austrainierte Marathonis die Infekthexen auf der Zielgeraden. Eigentlich müsste man dir sagen: "Das haste nun davon!". Am wichtigsten ist jetzt das vollkommene Auskurieren, keine Rückstände, die würden sich in Frankfurt bitter gegen Ende des Rennens rächen. Wenn du komplett fit bist, empfehle ich dir noch zwei bis drei Läufe zwischen 20 und 24 Kilometern als Ausdauerläufe, zwei bis drei Einheiten im Intervall-Modus mit Zwei- und Vier-Kilometer-Wiederholungen im Tempo fünf Minuten pro Kilometer. Der Rest ist tatsächlich abwarten, lockere und kürzere Dauerläufe, Vorfreude und mit Kraft an die Linie treten.
Viel Erfolg, Jens Karraß



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Paulizei, 11.04.2005
1. Thema gestorben?
Hallo liebe Laufsportfanatiker, Walker-Hasser oder -Anwälte, Spiegelleser oder sonstige Ehrgeizlinge! Hat diese herrliche Thema den Umzug ins neue Forum nicht überlebt oder seid Ihr in Woche 2 vor dem Olympus Marathon alle so intensiv im Lauftraining, dass keine Zeit mehr für weltliche Angelegenheiten wie das Internet bliebt? Es grüsst Euch Eure Startnummer 16781
seductive, 12.04.2005
2. Pillen-Anleitung
also, ich find ja den Beitrag von Achilles sehr lustig. Leider glauben echt viele Leute dran, dass das Zeug was hilft. Ich muss gestehen, einige Sachen muss ich auch nehmen, allerdings nach Anraten des Arztes. Dass Eisen stopft, hab ich selbst noch nie bemerkt. Magnesium gegen die Krämpfe - wenn ich das mal einige Wochen nicht nehme, weiß ich genau, dass ich beim Spitzentanz nach einigen Minuten wieder fiese Krämpfe in den Fußsohlen kriege, die mir schwerelose Drehungen und minutenlange Balance unmöglich machen. Vitamine etc. nehme ich mit der Nahrung genug auf, nur an Magnesium und Eisen fehlt es mir oft. dass die sich gegenseitig aufheben, ist klar. Zink gegen die Erkältung, das ist doch auch selbstverständlich. Man sollte nicht jedes Mittelchen verteufeln. Aber wahre Sportler greifen sowieso lieber zur altbekannten ACE-Mischung (Kenner wissen, was ich meine). Ob man dann evtl. weit vor der Zeit einen Herzkasperl kriegt und vielleicht mit 25 tot umfällt, ist ja egal - denn man trainiert ja effektiver...
Carmen Cienfuegos, 19.04.2005
3.
---Zitat von sysop--- Jogging, obwohl eine fast schon archaische Form des Fitnesstrainings, bleibt nach wie vor angesagt. Unser Kolumnist Achim Achilles ist ein Durchschnittssportler, aber einer mit Ambitionen. Er läuft, weil er will und muss. Er kämpft um Kondition und gegen die Bequemlichkeitsverfettung. Sind Sie auch ein "heimlicher Achim"? Wie halten Sie es mit dem Training? Joggen wie Achilles? Oder was ist Ihr Rezept gegen Bauch und Trägheit? ---Zitatende--- Dem Marathon Achim rate ich: Creme alle Koerperteile die wundlaufen oder heisslaufen koennen mit Calendula Babycreme ein. Lass die billige Vaseline weg. Keine Chemie oder Drogen schlucken. Doping ist fuer loser. Mental stark antreten. Hoer dir volle Lautstaerke per Headset die Musik: We are the Champions oder Like a rock oder Against the Wind etc. an. Harte Sohlen fressen (wie beim Auto) weniger Energie. Alles andere ist Gummizelleneffekt. Das Abrollen der Sohlen macht den Lauf weich, elegant und elastisch. Das kann man sich antrainieren. Viel Glueck und Willenstaerke.
robbatberlin 26.04.2005
4.
Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :)
Paulizei, 26.04.2005
5. Herzlichen Glückwunsch
---Zitat von robbatberlin--- Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :) ---Zitatende--- Ist doch normal, oder? Ich jedenfalls bin bisher zwar erst 2 Marathons gelaufen, falle danach aber offenbar immer in ein psychisches Loch. Spätestens bei Kilometer 30 kommt die Einsicht, wie schwachsinnig es ist, im dritten Jahrtausend noch 42km zu laufen. So schlimm sind die Benzinpreise nun auch wieder nicht. Nach Überschreiten der Ziellinie stand dann beide Male fest: Nie wieder! Wo ich letztes Mal noch in 48stündige Bewusstlosigkeit fiel, konnte ich diesmal nach einem langen heißen Bad wenigstens schon wieder ohne fremde Hilfe gehen, was mich zu dem Schluß wird, dass die körperlichen Konsequenzen von Mal zu Mal weniger schlimm ausfallen. Das psychische "Down" bleibt aber vermutlich. Sorgen würde ich mir an Achims Stelle nur machen, wenn er nicht von allein scharf drauf wird, seine eigene Bestzeit zu knacken, nachdem die Schmerzen erstmal verflogen sind... In dem Sinne :-)
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