Achilles' Ferse Laufen statt rauchen

Gesundheit kann so einfach sein: Weg mit den Glimmstängeln, ran an die Laufschuhe und schon ist der erste Schritt auf dem Weg zum Seelenfrieden gegangen. Wenn es dann allerdings mal in den Beinen zwickt, haben sie Glück, dass Achims Doc PECH hat.


Hallo an Achim und das ganze Team,
ich trainiere seit neun Monaten relativ intensiv (Laufen, Radfahren, Schwimmen). Letzte Woche war ich in den Bergen unterwegs, seitdem schmerzen meine Schienbeine höllisch beim Gehen. Was kann ich für eine möglichst schnelle Heilung tun? Ich möchte demnächst bei meinem ersten Marathon starten.
Hoffnungsvoll, Frida aus Leipzig

Elvis-Imitatoren beim Marathon in San Diego: Fit durchs Laufen
AP

Elvis-Imitatoren beim Marathon in San Diego: Fit durchs Laufen

Liebe Frida,
bei akuten Verletzungen verwendet man das PECH-Prinzip, das auf diesen Seiten bereits vorgestellt wurde. PECH steht für Pause, Eis, Kompression und Hochlagern. Pause bedeutet in diesem Fall nicht komplette Trainingsabstinenz, sondern alle Belastungen zu unterlassen, die zu Schmerzen führen. Dadurch werden Sie den Teufelskreis von Überbelastung, Entzündung, Schmerz und geringer Belastbarkeit durchbrechen.

Sie müssen sich deswegen die kommenden Tage auf Trainingsformen konzentrieren, die schonend für den Halteapparat sind. Sie haben in der Tat Glück, dass für Sie Radfahrern und Schwimmen keine fremden Fortbewegungsarten sind. Aber planen Sie kein allzu intensives Marathontraining, solange Sie sogar beim Gehen Beschwerden haben. Eine zu plötzliche Aufnahme des Lauftrainings kann zu einer echten Verletzung und dadurch zu einer längeren Trainingspause führen.
Mit besten Grüßen, Ihr Dr. Fernando Dimeo

Liebes Achilles-Team,
ich (28) rauche seit acht Wochen nicht mehr und habe angefangen zu laufen. Ich wiege 51 Kilogramm bei 1,65 Meter, möchte zwei Kilo abnehmen und es meinem Freund beweisen. Inzwischen schaffe ich sieben Kilometer, habe aber seit einem Lauf vor zwei Wochen Schmerzen im oberen, äußeren Teil der rechten Wade. Schonen half nichts, also laufe ich mit leichten Schmerzen wieder. Ist das okay? Wie kann ich verhindern, dass so etwas wieder passiert?
Langsam an meinem Körper verzweifelnd, Karoline

Liebe Karoline,
zuerst gratuliere ich Ihnen herzlich zu den erfolgreichen Schritten: Aufhören zu rauchen und Anfangen zu laufen gehört im Sinne der Gesundheit zum Besten, was Sie für sich tun können. Aber Sie sollten an Ihrem Körper nicht verzweifeln, denn Sie haben ihm in der Tat viel zugemutet: von null auf sieben Kilometer innerhalb von sechs Wochen ist eigentlich ein Husarenstück. Sie brauchen offensichtlich eine längere Zeit, bis Sie eine so lange Strecke ohne Unterbrechung laufen können. Grundsätzlich ist es falsch, durch Schmerzen hindurch weiter zu trainieren, aber manchmal lassen sich leichte Unannehmlichkeiten nicht vollständig vermeiden. Als Faustregel gilt: Wenn die Beschwerden nach zehn bis 15 Minuten abnehmen, ist ein weiteres Training bei leichter Intensität möglich. Wenn die Schmerzen nach Ende des Trainings oder am Tag danach deutlich stärker sind, ist eine Pause oder eine andere Trainingsform erforderlich.
Mit besten Grüßen, Ihr Dr. Fernando Dimeo

Liebe Karoline,
ich verzweifele an meinem Körper, seitdem ich ihn kenne. Das ist wie in jeder langjährigen Ehe und bei Läufern völlig normal. Fröhlich verzweifelt, Achim

Hallo Achim,
seit sieben Monaten laufen wir, knapp Ü50-Läuferinnen, dreimal wöchentlich, mittlerweile sechs bis acht Kilometer. Nach Jahren der körperlichen Schonung haben wir dadurch zwölf Kilogramm (jede) abgenommen. Wir laufen eine Stunde locker im Flachen, haben aber nun arge Probleme am Berg, da hier im Sauerland das Flachland doch recht knapp ist. An jeder Steigung gehen wir fürchterlich in die Knie, der Puls steigt über maximal; trotz häufiger Versuche wird es einfach nicht besser. Wir bitten dich nun um den ultimativen Bergziegentipp.
Liebe Grüße, Sibille und Marlies

Hallo ihr zwei,
gönnt Euch einen konzentrierten Berglauftag in der Woche: Nach eingehender Erwärmung tummelt ihr Euch am Berg. Ihr lauft eine Strecke von 300 Metern zügig bergauf und locker zur Erholung wieder herunter. Macht so viele Wiederholungen, wie ihr das Gefühl habt, den Berg im Griff zu haben. Diese Bergläufe sind zwei Dinge auf einmal: Kräftigung der für den Berg benötigten Muskulatur und eine hervorragende Tempo-Trainingseinheit. Beides wird Euch helfen, den Dauerlaufberg besser und besser zu bestehen.
Viele Grüße, Jens Karraß

Mädels!
Klemmbrett hat Recht. Berge bringen's. Die ersten Versuche sind fürchterlich, aber man spürt deutliche Verbesserungen mit der Zeit. Tut halt weh. Immerhin billiger als S/M-Studio.
Gruß Achim

Hi Achim,
nach dem Marathon sind meine Bewegungen etwas eckig. Meine Freunde rufen mich schon Bein-Godik. Wie lange dauert es, bis sie meine Leistung anerkennen? Und wann darf ich endlich diese blöde Medaille abhängen?
Pat

Lieber Pat,
trägst Du auch noch dieses debile Grinsen im Gesicht? Keine Sorge, völlig normal. Das vergeht nach etwa zehn Tagen. Nur bei Dr. Strunz ist es aus irgendwelchen Gründen einfach geblieben. Kann aber auch von den T-Trägern unter der broilerbraunen Gesichtshaut stammen. Deine Freunde werden nie irgendwas anerkennen, weil sie dich für bekloppt halten. Oder sie sind neidisch. Die Medaille darfst du abhängen, wenn du dir deine Endzeit irgendwo aufs Bein hast tätowieren lassen. Du bist ein Held.
Gruß, Achim



insgesamt 1475 Beiträge
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Seite 1
Paulizei, 11.04.2005
1. Thema gestorben?
Hallo liebe Laufsportfanatiker, Walker-Hasser oder -Anwälte, Spiegelleser oder sonstige Ehrgeizlinge! Hat diese herrliche Thema den Umzug ins neue Forum nicht überlebt oder seid Ihr in Woche 2 vor dem Olympus Marathon alle so intensiv im Lauftraining, dass keine Zeit mehr für weltliche Angelegenheiten wie das Internet bliebt? Es grüsst Euch Eure Startnummer 16781
seductive, 12.04.2005
2. Pillen-Anleitung
also, ich find ja den Beitrag von Achilles sehr lustig. Leider glauben echt viele Leute dran, dass das Zeug was hilft. Ich muss gestehen, einige Sachen muss ich auch nehmen, allerdings nach Anraten des Arztes. Dass Eisen stopft, hab ich selbst noch nie bemerkt. Magnesium gegen die Krämpfe - wenn ich das mal einige Wochen nicht nehme, weiß ich genau, dass ich beim Spitzentanz nach einigen Minuten wieder fiese Krämpfe in den Fußsohlen kriege, die mir schwerelose Drehungen und minutenlange Balance unmöglich machen. Vitamine etc. nehme ich mit der Nahrung genug auf, nur an Magnesium und Eisen fehlt es mir oft. dass die sich gegenseitig aufheben, ist klar. Zink gegen die Erkältung, das ist doch auch selbstverständlich. Man sollte nicht jedes Mittelchen verteufeln. Aber wahre Sportler greifen sowieso lieber zur altbekannten ACE-Mischung (Kenner wissen, was ich meine). Ob man dann evtl. weit vor der Zeit einen Herzkasperl kriegt und vielleicht mit 25 tot umfällt, ist ja egal - denn man trainiert ja effektiver...
Carmen Cienfuegos, 19.04.2005
3.
---Zitat von sysop--- Jogging, obwohl eine fast schon archaische Form des Fitnesstrainings, bleibt nach wie vor angesagt. Unser Kolumnist Achim Achilles ist ein Durchschnittssportler, aber einer mit Ambitionen. Er läuft, weil er will und muss. Er kämpft um Kondition und gegen die Bequemlichkeitsverfettung. Sind Sie auch ein "heimlicher Achim"? Wie halten Sie es mit dem Training? Joggen wie Achilles? Oder was ist Ihr Rezept gegen Bauch und Trägheit? ---Zitatende--- Dem Marathon Achim rate ich: Creme alle Koerperteile die wundlaufen oder heisslaufen koennen mit Calendula Babycreme ein. Lass die billige Vaseline weg. Keine Chemie oder Drogen schlucken. Doping ist fuer loser. Mental stark antreten. Hoer dir volle Lautstaerke per Headset die Musik: We are the Champions oder Like a rock oder Against the Wind etc. an. Harte Sohlen fressen (wie beim Auto) weniger Energie. Alles andere ist Gummizelleneffekt. Das Abrollen der Sohlen macht den Lauf weich, elegant und elastisch. Das kann man sich antrainieren. Viel Glueck und Willenstaerke.
robbatberlin 26.04.2005
4.
Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :)
Paulizei, 26.04.2005
5. Herzlichen Glückwunsch
---Zitat von robbatberlin--- Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :) ---Zitatende--- Ist doch normal, oder? Ich jedenfalls bin bisher zwar erst 2 Marathons gelaufen, falle danach aber offenbar immer in ein psychisches Loch. Spätestens bei Kilometer 30 kommt die Einsicht, wie schwachsinnig es ist, im dritten Jahrtausend noch 42km zu laufen. So schlimm sind die Benzinpreise nun auch wieder nicht. Nach Überschreiten der Ziellinie stand dann beide Male fest: Nie wieder! Wo ich letztes Mal noch in 48stündige Bewusstlosigkeit fiel, konnte ich diesmal nach einem langen heißen Bad wenigstens schon wieder ohne fremde Hilfe gehen, was mich zu dem Schluß wird, dass die körperlichen Konsequenzen von Mal zu Mal weniger schlimm ausfallen. Das psychische "Down" bleibt aber vermutlich. Sorgen würde ich mir an Achims Stelle nur machen, wenn er nicht von allein scharf drauf wird, seine eigene Bestzeit zu knacken, nachdem die Schmerzen erstmal verflogen sind... In dem Sinne :-)
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