Achilles' Ferse Mick Jogger

Doping auf legale Art und Weise: Achilles-Fan Peter, alias luftbumb, ist ausgewiesener Rockmusik-Jogger. Led Zeppelin, AC/DC und Co. haben einen positiven Einfluss auf seine Trainingsleistungen bei Dauerläufen - mit Jerry Lee Lewis bringt er den Stadtpark zum Beben.

Rocksänger Jagger: Ideal fürs Tempotraining
DDP

Rocksänger Jagger: Ideal fürs Tempotraining


Sport und Kultur haben auf den ersten Blick wenig Schnittpunkte. Das zeigt sich beispielsweise in einer Zeitungsredaktion: Wer den gemeinhin eher feingliedrigen Feuilletonredakteur dem knorrigen Sportreporter gegenüberstellt, weiß, was ich meine. In Zeiten Epo-chaler Debatten über Doping bekommt das Thema aber einen neuen Dreh: Die positive Beeinflussung der Trainingsleistung von Dauerläufern mittels brachialer Rockmusik.

Als ausgewiesener Rockmusik-Jogger (sozusagen als "Mick Jogger"), der auch die popeligste Fünf-Kilometer-Runde nicht ohne MP3-Player absolviert, kann ich all denen ein paar Tipps geben, denen bei der Zugabe von Eigenblut schwarz vor Augen wird. Und wenn am Start beim Volkslauf die ausgemergelten Sportpuristen angesichts der Ohrstöpsel pikiert die Nase rümpfen, muss man nur mit bierernster Miene versichern: Nein, das ist keine Musik, sondern die Stimme der Angetrauten, die fein im Laufrhythmus vorsagt "rechts, links, rechts, links". Der Gesichtsausdruck des Gegenübers ist denkwürdig.

Also: Epo und andere ominöse Mittelchen müssen nicht sein, knallige Rock-Kracher aus der guten alten Zeit tun's auch. "Rock'n'Roll" von Led Zeppelin beispielsweise macht aus dem Unterkörper des Hobbyläufers eine nimmermüde Dampfmaschine. Ideal fürs Tempotraining. Einziger Nachteil: Wenn man beim "Uuh-Yeah" im Schlussteil gerade so richtig schön am Abfliegen ist, hört der Song relativ humorlos auf, und man läuft sofort ein bisschen bedröppelt durch die Gegend. Da hilft nur die "Repeat"-Taste. Oder "Roll over Beethoven" in der Version vom Electric Light Orchestra. Nach dem Motto Elo statt Epo.

Da bebt im Stadtpark die Eiche

"See see Rider" in der Version von den Animals hat ähnliche Qualitäten und AC/DCs "Whole Lotta Rosie" bringt, zweimal hintereinander gehört, auf zehn Kilometer glatte zwei Minuten. Risikolose Tempomacher sind auch alle alten Rock'n'Roll-Titel, à la "Whole lotta shakin' going on" von Jerry Lee Lewis. Da bebt im Stadtpark die Eiche.

Für längere, etwas gemütlichere Dauerläufe sind die Dire Straits gut geeignet: "Twisting by the pool" und "Walk of life" beispielsweise. Da swingt das Hüftgelenk! Wer in der Marathonvorbereitung bei den langen 30-Kilometer-Läufen zu dem Schluss kommt, inzwischen sei jeder Gedanke schon gedacht, ist dankbar für solch lebensbejahende Lyrik. Und sogar für die obligatorischen Steigerungen gibt's etwas: das legendäre "Child in time" von Deep Purple. Die ersten Minuten langsam angehen und dann einfach auf Ritchie Blackmores Gitarre mitlaufen - der Gute macht ganz schön Beine!

Ach ja und für Nordic Walker hätte ich auch etwas: Wie wär's mit der "Unchained Melody" von den Righteous Brothers? Den Schmachtfetzen kriegen sie eventuell noch gebacken, ohne sich im Stöckchen zu verheddern.



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