Achilles' Ferse Motivation für den Gouda-Westfalen

Der Kummerkasten von Achims Team läuft fast über. Da sind Leute vom Marathon-Virus befallen, obwohl sie diese Qualen hassen. Einer darf beim Lauf aller Läufe mitrennen - und stürzt im Schnee. Und seltsamerweise verursacht das Training mancherorts schlaflose Nächte.


Hallo Achim,
ich habe den Nürnberg-Marathon-Wahnsinn überlebt. Es war mein vierter Lauf über diese Distanz. Obwohl ich nach dem ersten sicher war, keine mehr folgen zu lassen. So sicher. Noch beim Laufen rief ich meinen Freunden zu, sie sollen mich erschießen, wenn ich das noch mal machen würde. Keine Ahnung, woher damals die Luft zum Rufen kam. Jedenfalls drohen sie noch heute, meinen Wunsch zu erfüllen. Aber es ist wie bei Beziehungen. Das Negative verblasst, das postitiv Verklärte bleibt. Vielleicht ist in die Durstlöscher am Wegesrand etwas reingemischt, das abhängig macht?
Nach dem Marathon ist vor dem Marathon, Dietmar

Marathonläufer (in Hamburg): Das Negative verblasst
DPA

Marathonläufer (in Hamburg): Das Negative verblasst

Ach Dietmar,
alter Sportphilosoph, so wahre, so tiefe, so schöne Worte.
Schluchzend, Achim

Hallo Herr Marathon-Mann,
ich habe mich vor einigen Wochen für den New-York-Marathon angemeldet. Ich bin seit dem Schulsport nicht mehr auf Zeit gelaufen. Angemeldet habe ich mich aus einer Bierlaune heraus: am Mittwochmorgen, nach fünf dauerdurchzechten Kölner Karnevalstagen. Mein Plan ist, einfach so oft, so lange und so schnell wie möglich rennen. Nun habe ich mich beim Skiurlaub auf den Hosenboden gelegt, aber nicht, ohne mich dabei komplett um mein linkes Knie herumzudrehen. Die Laufvorbereitung läuft, aber nun habe ich stechende Schmerzen in besagtem Knie und warte auf einen Termin beim Sportarzt im Uniklinikum (holländische Wartelisten im Gesundheitssystem). Meine Mutter versucht, mir ins Gewissen zu reden: "Junge, das ist unvernünftig!" Aber wenn ich immer nur das gemacht hätte, was meine Mutter für vernünftig hält, wäre ich heute sicherlich noch Jungfrau. In diesem speziellen Fall aber beginne ich selber zu zweifeln: Beißen oder Schwanz einziehen?
Daniel (Westfale in Maastricht)

Hi Daniel,
schade, dass ausgerechnet einer wie Du eine Startnummer für New York bekommen hat. Weil New York etwas ganz besonderes ist. Da meldet man sich nicht aus einer Bierlaune an, wickelt dann auch nicht sein Knie leichtsinnig beim Skiurlaub um sich selbst. Mann, New York ist rar! Das nimmt man ernst! Und nun mach es, Du Beißer! Es wird das Beste, was Du je gemacht hast! Grüße und wir sehen uns im Central Park!
Jens Karraß

Lieber Daniel,
"Westfale in Maastricht", das sagt alles. Die sind schmerzfrei. Wenn es einer schafft, dann Dirty Dan, der Gouda-Westfale. Du bist Deutschland.
Wir glauben an Dich, Achim

Lieber Achim,
ich bin den Halbmarathon in 1:44 Stunden (Chiba, Japan) gelaufen, den Marathon in 4:22 (Tokyo Arakawa, Japan). Dazwischen ein paar 35-Kilometer-Läufe. Wie geht es jetzt weiter? Aufgeben gilt nicht, Triathlon ist zu lang; wie motiviert man sich jetzt für den Unter-Vier-Stunden-Marathon?
Gruß, Stefan aus Yokohama

Lieber Stefan,
motivieren ist weniger das Problem als Beschleunigen. Du bist zu langsam, Du brauchst Tempotraining. Fang an mit einmal die Woche fünfmal 1000 Meter in etwa vier Minuten. Wenn das klappt, steigere Umfänge, Tempo und verkürze die Pausen. Trainiere ansonsten so weiter. In einem halben Jahr bist Du unter vier Stunden.
Jens Karraß

Lieber Achim,
mein Freund und ich trainieren seit einigen Monaten wacker und brav. Mein Problem: Nach unseren langen Läufen (25 Kilometer und länger) bin ich körperlich total alle: erstmal hinlegen und Beine hoch. Nach kurzer Zeit bin ich dann aber mental so wach, dass ich oft nicht vor zwei Uhr morgens schlafen kann. Was läuft da physiologisch ab - und wie bekomme ich die Ruhe, die ich brauche?
Schlaflos in Hamburg, Cathryn

Hi Cathryn,
verlege den langen Lauf auf das Wochenende und laufe vormittags, dann wirst du sicher auch abends schlafen können.
Jens Karraß

Hallo Achim,
ich bin nicht mehr jung und Weintrinkerin. Ein Freund hat mich für den Berlin-Marathon im Herbst motiviert. Meine Frage: Spricht mehr dafür oder mehr dagegen, es zu versuchen? Wenn es tatsächlich so schlimm ist, wie Du schreibst, steige ich aus, denn Masochismus liegt mir nicht.
Christiane

Liebe Christiane,
das Problem ist nicht der Marathon, sondern es sind die Monate davor. Viermal die Woche, nicht unter 50 Kilometer, besser 70. Dann kann Dir auf der Strecke nichts passieren. Versuch es mal einen Monat lang und entscheide dann. Die effektivsten Pläne macht übrigens unser Klemmbrett-Karraß.
Gruß, Achim

Lieber Achim,
der Volkssport Marathon treibt leider noch ganz andere Blüten. Durch diverse Staffelwettbewerbe gibt es immer häufiger die Möglichkeit, Fünf- oder Zehn-Kilometer-Abschnitte zu laufen. Das Ärgerliche für alle Marathoni dabei: Man (Publikum und Läufer) sieht es den Säcken nicht an, dass sie nach maximal zehn Kilometern wieder aussteigen. Man muss sich immer häufiger blöde Sprüche anhören nach dem Motto "Boa kuck ma, wie der den stehen lässt." Es ist zum Heulen. Ich meine, man sollte Staffelläufer wirklich erkennbarer als solche kennzeichnen. Wie können wir wahren Sportsmänner das Problem in den Griff kriegen?
Sportliche Grüße, Ralf

Lieber Ralf,
einfach nicht mitmachen, bei den Mädchen.
Stolz, Achim

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insgesamt 1475 Beiträge
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Seite 1
Paulizei, 11.04.2005
1. Thema gestorben?
Hallo liebe Laufsportfanatiker, Walker-Hasser oder -Anwälte, Spiegelleser oder sonstige Ehrgeizlinge! Hat diese herrliche Thema den Umzug ins neue Forum nicht überlebt oder seid Ihr in Woche 2 vor dem Olympus Marathon alle so intensiv im Lauftraining, dass keine Zeit mehr für weltliche Angelegenheiten wie das Internet bliebt? Es grüsst Euch Eure Startnummer 16781
seductive, 12.04.2005
2. Pillen-Anleitung
also, ich find ja den Beitrag von Achilles sehr lustig. Leider glauben echt viele Leute dran, dass das Zeug was hilft. Ich muss gestehen, einige Sachen muss ich auch nehmen, allerdings nach Anraten des Arztes. Dass Eisen stopft, hab ich selbst noch nie bemerkt. Magnesium gegen die Krämpfe - wenn ich das mal einige Wochen nicht nehme, weiß ich genau, dass ich beim Spitzentanz nach einigen Minuten wieder fiese Krämpfe in den Fußsohlen kriege, die mir schwerelose Drehungen und minutenlange Balance unmöglich machen. Vitamine etc. nehme ich mit der Nahrung genug auf, nur an Magnesium und Eisen fehlt es mir oft. dass die sich gegenseitig aufheben, ist klar. Zink gegen die Erkältung, das ist doch auch selbstverständlich. Man sollte nicht jedes Mittelchen verteufeln. Aber wahre Sportler greifen sowieso lieber zur altbekannten ACE-Mischung (Kenner wissen, was ich meine). Ob man dann evtl. weit vor der Zeit einen Herzkasperl kriegt und vielleicht mit 25 tot umfällt, ist ja egal - denn man trainiert ja effektiver...
Carmen Cienfuegos, 19.04.2005
3.
---Zitat von sysop--- Jogging, obwohl eine fast schon archaische Form des Fitnesstrainings, bleibt nach wie vor angesagt. Unser Kolumnist Achim Achilles ist ein Durchschnittssportler, aber einer mit Ambitionen. Er läuft, weil er will und muss. Er kämpft um Kondition und gegen die Bequemlichkeitsverfettung. Sind Sie auch ein "heimlicher Achim"? Wie halten Sie es mit dem Training? Joggen wie Achilles? Oder was ist Ihr Rezept gegen Bauch und Trägheit? ---Zitatende--- Dem Marathon Achim rate ich: Creme alle Koerperteile die wundlaufen oder heisslaufen koennen mit Calendula Babycreme ein. Lass die billige Vaseline weg. Keine Chemie oder Drogen schlucken. Doping ist fuer loser. Mental stark antreten. Hoer dir volle Lautstaerke per Headset die Musik: We are the Champions oder Like a rock oder Against the Wind etc. an. Harte Sohlen fressen (wie beim Auto) weniger Energie. Alles andere ist Gummizelleneffekt. Das Abrollen der Sohlen macht den Lauf weich, elegant und elastisch. Das kann man sich antrainieren. Viel Glueck und Willenstaerke.
robbatberlin 26.04.2005
4.
Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :)
Paulizei, 26.04.2005
5. Herzlichen Glückwunsch
---Zitat von robbatberlin--- Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :) ---Zitatende--- Ist doch normal, oder? Ich jedenfalls bin bisher zwar erst 2 Marathons gelaufen, falle danach aber offenbar immer in ein psychisches Loch. Spätestens bei Kilometer 30 kommt die Einsicht, wie schwachsinnig es ist, im dritten Jahrtausend noch 42km zu laufen. So schlimm sind die Benzinpreise nun auch wieder nicht. Nach Überschreiten der Ziellinie stand dann beide Male fest: Nie wieder! Wo ich letztes Mal noch in 48stündige Bewusstlosigkeit fiel, konnte ich diesmal nach einem langen heißen Bad wenigstens schon wieder ohne fremde Hilfe gehen, was mich zu dem Schluß wird, dass die körperlichen Konsequenzen von Mal zu Mal weniger schlimm ausfallen. Das psychische "Down" bleibt aber vermutlich. Sorgen würde ich mir an Achims Stelle nur machen, wenn er nicht von allein scharf drauf wird, seine eigene Bestzeit zu knacken, nachdem die Schmerzen erstmal verflogen sind... In dem Sinne :-)
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