Achilles' Ferse Oh, du sündige Pause!

Das Jahr hat 365 Tage, aber jeder Läufer lechzt ab und zu nach einer kleinen Auszeit. Auch Achim & Co. geben diesen Rat, warnen aber vor den Tücken: Wer zu lange pausiert und zuviel sündigt, darf sich nicht über eine frisch erworbene Gewichtszunahme wundern.


Lieber Achim,
Anfang letzten Jahres habe ich (34 Jahre, 1,91 Meter, 90 Kilogramm) mit dem Rauchen aufgehört und angefangen zu laufen. Recht schnell konnte ich mich auf ein wöchentliches Pensum von drei Läufen à neun beziehungsweise sonntags 14 Kilometer steigern. Jetzt folgte im 14-tägigen Mallorca-Finca-Urlaub die völlige Aufgabe der Askese und des Trainings, und nach kulinarischen Kollateralschäden ist mein Bauch wieder gewachsen. Das warf folgende Frage auf: Wie muss ich trainieren, um wirklich effizient Körperfett (vor allem das nach vorne wachsende) abzubauen? Gibt es einen individuellen Pulswert, der einem das Bäuchlein schrumpfen lässt? Wenn ich normal laufe, liegt mein Puls um die 165 Schläge.
Freue mich über eine Profi-Antwort, Michael aus Krefeld

Pausierender Nachwuchsläufer: Völlige Aufgabe der Askese
AP

Pausierender Nachwuchsläufer: Völlige Aufgabe der Askese

Lieber Michael,
zuerst gratulierte ich Ihnen zum großen und richtigen Schritt, mit dem Rauchen aufzuhören. Bei körperlichen Belastungen wird immer eine Mischung von Kohlenhydraten und Fetten verbrannt. Man kann in der Tat durch eine Untersuchung namens Spiroergometrie den Bereich herausfinden, in dem der maximale Fettkonsum pro Zeiteinheit stattfindet. Die meisten sportmedizinischen Institute, auch die Charite (www.charite.de/sportmedizin) sind im Stande, eine solche Untersuchung durchzuführen. Es genügt jedoch nicht, den optimalen Pulsbereich zu kennen, um schlanker zu werden. Viel wichtiger, als in einem idealen Pulsbereich zu trainieren, ist es, überhaupt zu trainieren. Wenn Sie ausreichende Kilometer pro Woche abspulen, werden Sie abnehmen, und es ist dabei ziemlich belanglos, ob Sie bei idealem Fettverbrennungspuls laufen oder ein wenig langsamer/schneller. Wenn Sie mehr essen, als was sie an Energie verbrauchen, werden sie unweigerlich zunehmen, egal bei welcher Geschwindigkeit Sie trainieren.
Mit besten Grüßen, Ihr Dr. Fernando Dimeo

Lieber Michael,
der Doc hat recht. Es gibt keine Abkürzung zum Waschbrettbauch. Wärest Du in Malle jeden Morgen zehn Kilometer gelaufen, dann hättest Du reinhauen können wie Reiner Calmund. Es gilt die Regel: Wer sündigt, muss bestraft werden. Also: Lauffreie Tage dürfen nur auf Tage folgen, an denen Du entweder nur Salat gegessen und/oder weder Alkohol noch Süßes zu Dir genommen hast. Berichte uns von Deinen Gewichtsverlusten.
Gruß, Achim

Lieber Achim,
ich (1,82 Meter, 78 Kilogramm) laufe seit fünf Jahren regelmäßig. In den letzten Jahren habe ich es jeweils auf vier Wettkampfmarathons gebracht und etwa 1300 Kilometer trainiert. Meine Bestzeit stammt aus dem letzten Frühjahr und liegt bei 3:26:40 Stunden. Ich bin eigentlich schon jahrelang nicht laufbedingt krank gewesen. Doch kürzlich hat mich ein Lauffreund mit der Notwendigkeit einer größeren Regenerationsphase konfrontiert. Er würde jedes Jahr vier bis acht Wochen pausieren. Ist das zu empfehlen?
Martinius

Hallo Martinius,
ja, das empfehle ich auch. Der Zeitraum muss nicht so lang sein, aber vier Wochen Abstinenz ist sehr zu empfehlen, weil sich Speicher wieder füllen und auch mit mehr Elan an neue Laufabenteuer gegangen werden kann. Also trau' Dich, es wird Dir letztendlich mehr Leistung ermöglichen.
Jens Karraß

Lieber Martinius,
klingt alles schlau, aber totale Abstinenz halte ich für gefährlich. Plötzlich entdeckt man, wie toll das Leben ohne laufen ist und verpasst den Wiedereinstieg. Zweimal die Woche solltest Du auch in der Regeneration raus, aber sehr entspannt.
Regenerations-Profi Achim

Hallo Achim und Team,
ich, 31, habe Ende Oktober mein erstes Marathonrennen ohne körperliche Beschwerden geschafft (3:49 Stunden). Ende April plane ich, meinen nächsten Marathon in Angriff zu nehmen. Nur, wie bekomme ich die schwer angeschwitzte Form über die Winterzeit? Im Dezember habe ich meinem Körper eine Auszeit gegönnt, da ich 2006 ungefähr 1500 Kilometer gelaufen bin. Genügen nun zwei bis drei 15-Kilometer-Läufe pro Woche, um das Grundtempo aufrecht zu erhalten, bevor ich das Marathontraining im Februar starte? Außerdem würde ich gern meine Zeit verbessern. Ist das angesichts der Winterpause realistisch?
Alexander aus dem Rheinland

Hallo Alexander,
der Plan mit Deinen 15-Kilometer-Läufen ist passabel. Vor allem, wenn es Dir Spaß macht. Der ist wichtig. Die Pause im Dezember kann auch nicht schaden. Jedoch ist es of schwer, im Frühjahrsmarathon eine neue Bestzeit aufzustellen, wenn man schon relativ austrainiert ist und schon einige gute Marathons absolviert hat. Es ist ganz einfach komplizierter, in der kälteren Jahreszeit, bei widrigen Bedingungen dieselbe gute Qualität zu trainieren wie bei sommerlicher Wärme. Die europäischen Profis bereiten ihre Marathons allesamt in der Wärme und Höhe Afrikas vor. Wenn Dein Training trotz Kälte und Dunkelheit dennoch etwas tempoorientierter sein kann als in 2006, wirst Du auch Deine 3:49 Stunden unterbieten können.
Besten Gruß, Jens Karraß



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.