Achilles' Ferse Schienbeinschmerzen zum Davonlaufen

Viele Läufer plagen sich mit Knieschmerzen. Weit verbreitet sind auch Probleme mit den Schienbeinen. In der heutigen Beratung widmet sich das Achilles-Team darum ausschließlich dem Schienbein. Eines ist sicher: Selbst beinharte Typen können in die Knie gehen.


Lieber Achim,
seit gut anderthalb Jahren betreibe ich das Laufen als ambitionierter Freizeitsportler. Momentan laufe ich zweimal in der Woche: am Wochenende ein langer Lauf von einer Stunde in hügliger Umgebung, dienstags 35 bis 45 Minuten auf ebener Strecke. Dabei bin ich in einem Tempo unterwegs, das so um die fünf Kilometer pro Stunde liegen dürfte. Außerdem mache ich Krafttraining und Rückengymnastik. Nun zum Problem: Bei meinem Dienstagslauf im Flachen bekomme ich nach einigen Minuten immer krampfartige Schmerzen in den Schienbeinen, bei den Hügelläufen nie. Ich walke und dehne dann, bis es besser wird, was nicht immer gelingt. Das rechte Schienbein tut meist mehr weh. Kann das daher kommen, dass ich beinahe fünf Jahre, dank einer Fehldiagnose, im rechten Schuh eine Einlage trug, um eine angebliche Beinlängendifferenz von 0,5 Zentimetern auszugleichen? Was kann ich tun? Ich hoffe, du kannst mir Rat geben.
Grüße, Daniela

Läufer (an der Kieler Förde): Gottseidank fit wie ein Turnschuh
AP

Läufer (an der Kieler Förde): Gottseidank fit wie ein Turnschuh

Hallo Daniela,
die Beinlängendifferenz von 0,5 Zentimetern benötigt definitiv keine Einlage. Bis zu anderthalb Zentimeter werden in den meisten Fällen vernachlässigt. Deine Schienbeinprobleme könnten daher rühren, dass du die Zehen beziehungsweise den Fuß beim Laufen zu sehr nach oben ziehst. Dadurch könnte es zu einer Überlastung der Fußheber kommen. Überprüfe das bitte. Sollten Probleme und Schmerzen weiter bestehen, wirst du einen Arzt aufsuchen müssen.
Alles Gute, Jens Karraß

Hallo Achim,
ich laufe seit drei Jahren, mittlerweile regelmäßig zweimal in der Woche circa 45 Minuten durch einen Berliner Stadtpark. Die Fitness hat sich deutlich verbessert, die Strecke habe ich immer wieder ein kleines Stück verlängert. Seit vier Wochen quälen mich nun aus heiterem Himmel nach etwa der Hälfte der Strecke Schmerzen im Schienbeinmuskel. Sie klingen ab, wenn ich unterbreche und sind nach dem Laufen relativ schnell wieder verschwunden. Neue Schuhe brachten keine Abhilfe. Ein Termin beim Internisten ist schon eingetragen, weil Familienmitglieder gleich Durchblutungsstörungen vermuten. Gibt es aus euren Erfahrungen und ärztlichen Erkenntnissen auch angenehmere Erklärungen?
Dank und Gruß, Christoph

Hallo Christoph,
auch bei dir könnte es an der Fehlhaltung der Füße liegen. Anstatt den Fuß locker, aber aktiv in eine Abrollbewegung zu bringen, ziehst du vielleicht den Fuß vorn extrem nach oben, was du leicht am übertriebenen Aufsetzen des Fußes auf der Ferse erkennen kannst. Solltest du diese Fehlhaltung nicht praktizieren, liegt es vielleicht am erhöhten Laufpensum, dann wird es sich nach einigen Behandlungen mit Eis (Kälte) und direkter durchblutungsfördernder Selbstmassage wieder normalisieren, wobei du die schmerzende Muskulatur ziemlich stark bearbeiten darfst. Danach vorsichtiger mit der Steigerung der Kilometerleistungen umgehen. Wenn es weiter besteht, gehst du bitte unbedingt zum Arzt.
Gute Besserung, Jens Karraß

Liebes Team,
ich bin nun in der Blüte meines Lebens (24) und laufe seit etwas über einem Jahr regelmäßig. Durch einige Verletzungen in den vergangenen Jahren bin ich körperlich nicht 100-prozentig auf der Höhe. Normalerweise laufe ich drei Tage hintereinander (je sechs bis zehn Kilometer) und mache dann einen Tag Pause. Vor drei Wochen erhöhte ich auf vier Tage. Es stellten sich erste Schmerzen ein: punktuell an der Innenseite des linken Schienbeins, aber erst einige Stunden nach dem Training. Daraufhin habe ich das Laufen wieder gedrosselt – ohne Erfolg. Die Schmerzen bleiben. Aufgrund der Tatsache, dass ich gefühlte fünf Jahre meines Lebens in Arztpraxen oder in der Reha verbracht habe und oftmals keine befriedigende beziehungsweise richtige Diagnose bekam, suche ich sehr ungern einen Fachmann auf. Haben Sie einen Rat für mich?
Danke, Sascha

Liebe Daniela,
lieber Christoph,
lieber Sascha,
ehrlich: Euer Vertrauen ehrt mich sehr. Ich musste mich vor einigen Jahren selber lange mit Schmerzen herumplagen und das Laufen über einige Zeit vollständig einstellen. Zu diesem Zeitpunkt wäre ich für jeden Tipp dankbar gewesen. Ich besuchte mehrere Kollegen, die auch keinen Rat wussten, bis ein befreundeter Arzt die richtige Ursache der Beschwerden gefunden hat und damit eine passende Behandlung empfehlen konnte. Deswegen kann ich euch gut verstehen. Aber ein virtueller Doktor hat ganz klare Grenzen. Eine Diagnose zu stellen, ohne euch zu untersuchen und die Befunde von Untersuchungen zu kennen, ist nicht nur unmöglich, sondern auch gesetzwidrig. Die Beschwerden am Schienbein können sehr unterschiedliche Ursachen haben: eine Muskelverletzung, eine Knochenhautentzündung, eine Durchblutungs- oder Blutabflussstörung, ein Ermüdungsbruch oder sogar die Ausstrahlung von Schmerzen, die an einer anderen Stelle entstehen. Wie ihr seht, habe ich es aus der Ferne nicht einfach. Deswegen ist der Rat für euch: Wenn die Ursache der Beschwerden nicht offensichtlich ist (etwa neue Schuhe oder Rennen auf unebenem Profil), sie länger als wenige Tage anhalten und trotz konservativer Behandlung (Schonung) nicht besser werden, ist ein Besuch beim Arzt sehr ratsam.
Mit besten Grüßen, Dr. Fernando Dimeo

Liebe Schienbein-Geplagte,
ich hatte das auch eine Weile und ich bin sicher, dass das Schienbein nach dem Knie das am meisten nervende Laufgerät ist. Bei mir war immer Überbelastung im Spiel. Lauf-ABC, Abwechslung wie Barfußlauf auf Sand oder Rasen oder Radfahren bringen Linderung. Was garantiert nicht hilft: mehr laufen.
Besten Gruß, Achim

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Paulizei, 11.04.2005
1. Thema gestorben?
Hallo liebe Laufsportfanatiker, Walker-Hasser oder -Anwälte, Spiegelleser oder sonstige Ehrgeizlinge! Hat diese herrliche Thema den Umzug ins neue Forum nicht überlebt oder seid Ihr in Woche 2 vor dem Olympus Marathon alle so intensiv im Lauftraining, dass keine Zeit mehr für weltliche Angelegenheiten wie das Internet bliebt? Es grüsst Euch Eure Startnummer 16781
seductive, 12.04.2005
2. Pillen-Anleitung
also, ich find ja den Beitrag von Achilles sehr lustig. Leider glauben echt viele Leute dran, dass das Zeug was hilft. Ich muss gestehen, einige Sachen muss ich auch nehmen, allerdings nach Anraten des Arztes. Dass Eisen stopft, hab ich selbst noch nie bemerkt. Magnesium gegen die Krämpfe - wenn ich das mal einige Wochen nicht nehme, weiß ich genau, dass ich beim Spitzentanz nach einigen Minuten wieder fiese Krämpfe in den Fußsohlen kriege, die mir schwerelose Drehungen und minutenlange Balance unmöglich machen. Vitamine etc. nehme ich mit der Nahrung genug auf, nur an Magnesium und Eisen fehlt es mir oft. dass die sich gegenseitig aufheben, ist klar. Zink gegen die Erkältung, das ist doch auch selbstverständlich. Man sollte nicht jedes Mittelchen verteufeln. Aber wahre Sportler greifen sowieso lieber zur altbekannten ACE-Mischung (Kenner wissen, was ich meine). Ob man dann evtl. weit vor der Zeit einen Herzkasperl kriegt und vielleicht mit 25 tot umfällt, ist ja egal - denn man trainiert ja effektiver...
Carmen Cienfuegos, 19.04.2005
3.
---Zitat von sysop--- Jogging, obwohl eine fast schon archaische Form des Fitnesstrainings, bleibt nach wie vor angesagt. Unser Kolumnist Achim Achilles ist ein Durchschnittssportler, aber einer mit Ambitionen. Er läuft, weil er will und muss. Er kämpft um Kondition und gegen die Bequemlichkeitsverfettung. Sind Sie auch ein "heimlicher Achim"? Wie halten Sie es mit dem Training? Joggen wie Achilles? Oder was ist Ihr Rezept gegen Bauch und Trägheit? ---Zitatende--- Dem Marathon Achim rate ich: Creme alle Koerperteile die wundlaufen oder heisslaufen koennen mit Calendula Babycreme ein. Lass die billige Vaseline weg. Keine Chemie oder Drogen schlucken. Doping ist fuer loser. Mental stark antreten. Hoer dir volle Lautstaerke per Headset die Musik: We are the Champions oder Like a rock oder Against the Wind etc. an. Harte Sohlen fressen (wie beim Auto) weniger Energie. Alles andere ist Gummizelleneffekt. Das Abrollen der Sohlen macht den Lauf weich, elegant und elastisch. Das kann man sich antrainieren. Viel Glueck und Willenstaerke.
robbatberlin 26.04.2005
4.
Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :)
Paulizei, 26.04.2005
5. Herzlichen Glückwunsch
---Zitat von robbatberlin--- Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :) ---Zitatende--- Ist doch normal, oder? Ich jedenfalls bin bisher zwar erst 2 Marathons gelaufen, falle danach aber offenbar immer in ein psychisches Loch. Spätestens bei Kilometer 30 kommt die Einsicht, wie schwachsinnig es ist, im dritten Jahrtausend noch 42km zu laufen. So schlimm sind die Benzinpreise nun auch wieder nicht. Nach Überschreiten der Ziellinie stand dann beide Male fest: Nie wieder! Wo ich letztes Mal noch in 48stündige Bewusstlosigkeit fiel, konnte ich diesmal nach einem langen heißen Bad wenigstens schon wieder ohne fremde Hilfe gehen, was mich zu dem Schluß wird, dass die körperlichen Konsequenzen von Mal zu Mal weniger schlimm ausfallen. Das psychische "Down" bleibt aber vermutlich. Sorgen würde ich mir an Achims Stelle nur machen, wenn er nicht von allein scharf drauf wird, seine eigene Bestzeit zu knacken, nachdem die Schmerzen erstmal verflogen sind... In dem Sinne :-)
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