Achilles' Ferse So legen Sie den inneren Schweinehund an die Kette

Gute Vorsätze sind nur dann auch wirklich gut, wenn man diese umsetzt. Wenn nicht, ist der Frust sehr groß. Im Interview mit Achim-Achilles.de erklärt der Motivationsexperte Gerhard Huhn, wie man aktiv bleibt, Krisen meistert und durchhält.

Frage: Herr Huhn, vielen Menschen nehmen sich gerade für das neue Jahr besonders viel vor. Warum gelingt es uns so selten, unsere Vorsätze umzusetzen?

Huhn: Ein wichtiger Grund besteht darin, dass die Vorsätze, die gefasst werden, meist zu allgemein sind. Also: gesünder leben, mehr Sport, weniger rauchen. Diese grob gefassten Vorstellungen führen nicht dazu, dass man sich anders verhält.

Frage: Warum ist das so?

Huhn: Verhaltensänderungen setzen immer sehr klare, emotional bewegende Bilder des erwünschten Zustandes voraus. Man sollte sich also nicht vornehmen, im neuen Jahr ein anderer Mensch zu werden, sondern sehr konkret ein, zwei Bereiche wählen, in denen man sich verändern will.

Frage: Soll das heißen, man muss sich nur ein Bild machen und dann realisiert sich dieses?

Huhn: Nein, das reicht nicht. Das anspornende Bild ist die Voraussetzung. Aber das realisierende Handeln muss selbstverständlich hinzukommen - am besten gleich heute. Es kommt auf jeden Tag an. Sobald ein Mensch beginnt, jeden einzelnen Tag sehr ernst zu nehmen und sich auf das konzentriert, was im jeweiligen Moment - jetzt gerade - geschieht und was wirklich wichtig ist, hat er keine Probleme mehr, seine Vorhaben umzusetzen.

Frage: Was tun, wenn man seine Vorsätze nicht einhalten kann?

Huhn: Viele nehmen sich in so einem Fall vor, in der nächsten Woche und im nächsten Monat noch mehr zu schaffen. Ein Beispiel: Jemand scheitert in seinem Vorhaben, innerhalb eines Monats ein Kilogramm abzunehmen. Und im nächsten Monat nimmt er sich vor, anderthalb oder zwei abzunehmen. Das führt zu noch größerer Frustration.

Frage:Und dann?

Huhn: Wer den ersten Schritt nicht schafft, sollte sich als zweiten einen kleineren vornehmen. Und wenn der wiederum misslingt, muss man ihn noch mal verkleinern, bis es gelingt, das Vorhaben umzusetzen. Durch solch ein Erfolgserlebnis steigt das Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten, sich zu verändern. Schritt für Schritt kann man dann die Anforderungen an sich steigern, aber gegebenenfalls bei weiteren Rückschlägen auch wieder vermindern.

Frage: Gerade jetzt nach den Feiertagen fangen viele Leute mit Sport an. Was raten Sie denen?

Huhn: Man sollte sich genau überlegen: Was ist für mich der nächste Schritt? Für jemanden, der bisher nur auf der Couch lag, ist der Vorsatz unrealistisch, sich Anfang Januar Laufschuhe zu kaufen und sechs Kilometer durch den Wald zu rennen.

Frage:Wie sollten es die Neulinge machen?

Huhn: Der geschicktere Beginn ist es, sich erst einmal fünf bis zehn Minuten täglich in der Wohnung zu bewegen, Gymnastik zu machen. Und nach einer Woche geht man dann ins Sportgeschäft oder klickt die Anfänger-Rubrik der Achilles-Site an und informiert sich, wie man sinnvoll ein Lauftraining beginnt. Fortgeschrittene sollten sich nach dem soeben beschriebenen Prinzip neuen Herausforderungen stellen.

Frage: Was tun, wenn man nach ein paar Wochen Training die Lust verliert?

Huhn: Es gehört zum Leben dazu, immer mal wieder die Lust zu verlieren. Wir alle haben Bereiche unseres Lebens, in denen wir uns sicher und wohl fühlen. Und es gibt andere Bereiche, in denen wir uns nicht so sicher oder gar unwohl fühlen. Wenn wir etwas beginnen, das Spaß macht, zum Beispiel das Laufen, dann vergrößern wir den Wohlfühlbereich. Wenn wir jedoch längere Zeit nur das tun, worin wir uns sicher fühlen, geraten wir in einen Bereich von Routine und schließlich wird die Aktivität sogar langweilig. Wir verlieren die Lust.

Frage:Was sollte man an einem solchen Zeitpunkt tun?

Huhn: Das ist die Zeit, nach neuen Herausforderungen Ausschau zu halten: schneller laufen, weiter laufen, häufiger laufen, einen Wettkampf ansteuern. Sobald man diese Vorstöße ins Ungewohnte wagt, gerät man in einen Bereich, in dem man noch keine Sicherheit erworben hat, sich unwohl fühlt und möglicherweise den Elan verliert. Dieses unbekannte Terrain zu erobern gehört aber dazu, um sich kontinuierlich zu verbessern und die Motivation zu erhalten.

Frage: Im Zusammenhang von Sport und Motivation ist immer vom "inneren Schweinehund" die Rede. Was verbirgt sich hinter dem Begriff?

Huhn: Der "innere Schweinehund" ist ein Anteil in uns, der uns von etwas abhalten will, das uns nicht bekommt. Es lohnt sich, diese innere Instanz mal näher anzuschauen, denn unsere unguten Gefühle bestehen nie nur aus Trägheit und fehlender Disziplin. Es kann zum Beispiel durchaus sein, dass jemand kein Interesse am Laufen hat, aber durchaus am Schwimmen, Reiten oder Tennis spielen.

Frage: Wie findet man das heraus?

Huhn: Indem man sich die Fragen beantwortet: Was ist mir wichtig und warum will ich es tun? Will ich besser aussehen, will ich etwas für die Gesundheit tun, will ich Leute kennen lernen? Es kann ganz unterschiedliche Antriebe geben. Wenn diese klar sind, wird der "innere Schweinehund" kleiner.

Die Fragen stellte Wendelin Hübner.

Das Interview in voller Länge können auf der Achilles-Site nachlesen. Auf www.Achim-Achilles.de  finden Sie auch weitere Tipps zum Laufen.

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