Achilles' Ferse Uschi an der Nuckelflasche

Man soll ja trinken, wenn man bei Hitze läuft. Schön und gut. Aber was ist, wenn man ständig alles verschüttet? Und diese Trinkgürtel lächerlich aussehen? Und auch noch Durchfall droht? Achims Männer haben dazu einiges zu sagen.


Hallo Achim,
ab welcher Streckenlänge sollte man eigentlich beim Laufen wieder Flüssigkeit zu sich nehmen? Was empfiehlst du?
Danke, Maik

Läuferin beim Trinken: Notwendige Zutat
DDP

Läuferin beim Trinken: Notwendige Zutat

Hallo Maik,
also ich empfehle meinen Athleten bei Läufen bis zu zwei Stunden und Temperaturen unter 24 Grad auf Trinkverpflegung verzichten zu können, wenn im Wochenverlauf davor ausreichend getrunken wurde. Geht man natürlich nach einer angezechten Nacht sonntags morgens an den langen Lauf, wäre es gut, schon nach einer Stunde etwas Wasser zu trinken. Bei längeren Läufen als zwei Stunden ist es auf jeden Fall angebracht, darauf zu achten, ausreichend Flüssigkeit zuzuführen.
Prost! Jens Karraß

Lieber Achim,
ich habe neulich gelesen, dass 2003 eine Frau beim Marathon in Boston und eine in Washington gestorben ist. Sie haben sich totgetrunken, kein Witz, und seither ist die Wissenschaft eifrig hinterher. Das Phänomen nennt sich Hyponatremie. Was ist darunter zu verstehen?
Thomas

Lieber Thomas,
die Hyponaträmie (oder einfach Salzmangel) ist ein bekanntes und erforschtes Phänomen. Beim Schwitzen verliert man nicht nur Flüssigkeit, sondern auch wertvolle Mineralien, vor allem Natrium. Wenn man die Verluste ausschließlich mit Wasser kompensiert, kann es zu einer "Blutverdünnung" mit einem Natriummangel kommen. Diese Störung kann erhebliche neurologische Probleme verursachen. Das Phänomen ist besonders relevant an sehr warmen Tagen, bei denen die Marathonis und Marathonias sehr viel schwitzen. Deswegen kommt es häufiger vor bei den Stadtmarathons in Boston und New York, die häufig bei sommerlichen Temperaturen ausgetragen werden, als in Hamburg oder Berlin. Das Problem lässt sich denkbar einfach vermeiden, indem man bei sehr starkem Schwitzen eher zu Elektrolytgetränken oder noch einfacher zu verdünnter Apfelsaftschorle als zu reinem Wasser greift.
Beste Grüße, Dr. Fernando Dimeo

Lieber Thomas,
ich höre immer wieder, dass ein paar Krümel Salz im Drink nicht schaden. Grundsätzlich glaube ich aber, dass man mit zuviel Gehampel rund um die Trinkflasche einfach Zeit und Nerven verschwendet.
Gruss, Achim

Lieber Achim,
stimmt es, dass Frauen beim Laufen einen geringeren Flüssigkeitsbedarf haben als Männer, weil sie weniger schwitzen und außerdem kleinere Blutplasmadepots haben (die entsprechend früher wieder voll sind, wenn so viel getrunken wird)?
Schöne Grüße, Thomas aus München

Lieber Thomas,
nein, es ist ein Märchen. Männer und Frauen sind Alice Schwarzer zum Trotze sehr unterschiedlich, aber die physiologischen Grundfunktionen sind bei beiden gleich. Obwohl Frauen weniger rote Blutkörperchen und dadurch weniger Plasma als Männer haben, gibt es gibt keine Plasmadepots, die aufgefüllt werden können.
Mit besten Grüßen, Dr. Fernando Dimeo

Lieber Achim,
bin ich der einzige, der während des Laufens zu blöd zum Trinken ist? Mindestens 30 Prozent verschütte ich (davon 15 Prozent während des Laufens, weil die Flaschen nicht dicht sind und 15 Prozent während des Trinkens), bei 20 Prozent verschlucke ich mich - damit hätte ich mir 50 Prozent Trinkgewicht also sowieso schon sparen können. Und die restlichen 50 Prozent sind a) nach den ersten Kilometer schon getrunken; b) verursachen Seitenstechen; c) muss ich im Stehen trinken. Was tun?
Jens aus München

Hallo Jens,
zu blöd sind anfangs alle, die während des Trinkens Eile haben. Ganz klar, dass bei 12 bis 15 Stundenkilometer einiges auf dem Ärmel hängen bleibt, wenn man nicht bremst. Und bei der erhöhten Atmung kommt Verschlucken schnell vor. Also gibt es zwei Dinge für Dich zu tun: Erstens üben! Es wird besser. Und zweitens einfach etwas mehr den Gang rausnehmen kurz vor dem Trinken. Betrachte das Trinken als notwendige Zutat zu einem guten Laufergebnis, bremse schon mal 30 Sekunden vor dem Trinken und, wenn nötig, geh ein paar Schritte dabei. Du bleibst trocken, verschluckst Dich nicht, bekommst genug, weil alles im Mund landet und wirst einen super Lauf haben, weil Du ganz einfach gut hydriert bist. Zu den undichten Flaschen: Versuche doch einfach mal, sie vor dem Wettbewerb ordentlich zu schließen.
Liebe Grüße, Jens Karraß

Lieber Jens,
Klemmbrett hat Recht. Bremsen, Trinken, Weiterlaufen. Die verplemperten Sekunden holst Du locker wieder rein.
Gruß, Achim

Sehr geehrter Achim Achilles,
nun, ich muss mich wohl als Uschi outen, da ich immer mit Nuckelflaschengürtel durch die Gegend renne. Aber mal ehrlich - wie soll man denn die langen Trainingseinheiten ohne Wasser laufen? Ich hatte mal den Versuch gestartet, mir Wasserflaschen hinter Bäume zu hängen, damit ich in der Sommerhitze nicht eingehe - eine Flasche wurde immer hartnäckig geklaut, die andere - gefüllt mit Leitungswasser - hat mir nach 10 Tagen des nicht Erneuerns einen kräftigen Durchfall beschert. Also doch lieber mit Nuckelfläschchen.
Robert

Hi Robert,
wenn Du im Normalo-Leben auch ständig gut an Wasserflaschen nuckelst, kannst Du bei Läufen bis zu zwei Stunden getrost auf diesen Gürtel verzichten. Auch sonst gibt es Möglichkeiten, dieses grausame Wald- und Stadtbild der Gürtelträger zu umgehen. Ich hatte meine Getränke immer im Auto deponiert und kehrte zu den richtigen Zeitpunkten immer kurz am Auto ein. Freies Laufen ohne Ballast – kurz ran, schnell ein paar Schlucke, und weiter. Bei entspannteren Läufen kann man auch bei der Tankstelle auf dem Weg einkehren. In Berlin gibt es am Grunewald einige, die sich schon auf Läufer spezialisiert haben. Der gesamte Prozess von Getränkauswahl, bezahlen und trinken bewegt sich innerhalb von neunzig Sekunden. Nicht schlecht. Keinen Gürtel, volkswirtschaftlicher Umsatz, sozialer Kontakt und leckere gekühlte isotonische Drinks, für die sich das Laufen doch erst lohnt!
Liebe Grüße, Jens Karraß

Lieber Robert,
Trinkflaschengürtel sind abzulehnen, weil sie peinlich aussehen, meistens einschneidende Verletzungen verursachen und auf die Dauer echt unbequem sind. Neulich habe ich allerdings ein Modell gesehen, das wahnsinnig flach am Körper lag und unter dem Hemd kaum zu sehen war. Da passt dann allerdings auch nur ein Fingerhut voll rein.
Denke immer dran: Das Auge läuft mit.
Gruß vom Chef-Ästheten, Achim

Mehr zum Thema


insgesamt 1475 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Paulizei, 11.04.2005
1. Thema gestorben?
Hallo liebe Laufsportfanatiker, Walker-Hasser oder -Anwälte, Spiegelleser oder sonstige Ehrgeizlinge! Hat diese herrliche Thema den Umzug ins neue Forum nicht überlebt oder seid Ihr in Woche 2 vor dem Olympus Marathon alle so intensiv im Lauftraining, dass keine Zeit mehr für weltliche Angelegenheiten wie das Internet bliebt? Es grüsst Euch Eure Startnummer 16781
seductive, 12.04.2005
2. Pillen-Anleitung
also, ich find ja den Beitrag von Achilles sehr lustig. Leider glauben echt viele Leute dran, dass das Zeug was hilft. Ich muss gestehen, einige Sachen muss ich auch nehmen, allerdings nach Anraten des Arztes. Dass Eisen stopft, hab ich selbst noch nie bemerkt. Magnesium gegen die Krämpfe - wenn ich das mal einige Wochen nicht nehme, weiß ich genau, dass ich beim Spitzentanz nach einigen Minuten wieder fiese Krämpfe in den Fußsohlen kriege, die mir schwerelose Drehungen und minutenlange Balance unmöglich machen. Vitamine etc. nehme ich mit der Nahrung genug auf, nur an Magnesium und Eisen fehlt es mir oft. dass die sich gegenseitig aufheben, ist klar. Zink gegen die Erkältung, das ist doch auch selbstverständlich. Man sollte nicht jedes Mittelchen verteufeln. Aber wahre Sportler greifen sowieso lieber zur altbekannten ACE-Mischung (Kenner wissen, was ich meine). Ob man dann evtl. weit vor der Zeit einen Herzkasperl kriegt und vielleicht mit 25 tot umfällt, ist ja egal - denn man trainiert ja effektiver...
Carmen Cienfuegos, 19.04.2005
3.
---Zitat von sysop--- Jogging, obwohl eine fast schon archaische Form des Fitnesstrainings, bleibt nach wie vor angesagt. Unser Kolumnist Achim Achilles ist ein Durchschnittssportler, aber einer mit Ambitionen. Er läuft, weil er will und muss. Er kämpft um Kondition und gegen die Bequemlichkeitsverfettung. Sind Sie auch ein "heimlicher Achim"? Wie halten Sie es mit dem Training? Joggen wie Achilles? Oder was ist Ihr Rezept gegen Bauch und Trägheit? ---Zitatende--- Dem Marathon Achim rate ich: Creme alle Koerperteile die wundlaufen oder heisslaufen koennen mit Calendula Babycreme ein. Lass die billige Vaseline weg. Keine Chemie oder Drogen schlucken. Doping ist fuer loser. Mental stark antreten. Hoer dir volle Lautstaerke per Headset die Musik: We are the Champions oder Like a rock oder Against the Wind etc. an. Harte Sohlen fressen (wie beim Auto) weniger Energie. Alles andere ist Gummizelleneffekt. Das Abrollen der Sohlen macht den Lauf weich, elegant und elastisch. Das kann man sich antrainieren. Viel Glueck und Willenstaerke.
robbatberlin 26.04.2005
4.
Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :)
Paulizei, 26.04.2005
5. Herzlichen Glückwunsch
---Zitat von robbatberlin--- Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :) ---Zitatende--- Ist doch normal, oder? Ich jedenfalls bin bisher zwar erst 2 Marathons gelaufen, falle danach aber offenbar immer in ein psychisches Loch. Spätestens bei Kilometer 30 kommt die Einsicht, wie schwachsinnig es ist, im dritten Jahrtausend noch 42km zu laufen. So schlimm sind die Benzinpreise nun auch wieder nicht. Nach Überschreiten der Ziellinie stand dann beide Male fest: Nie wieder! Wo ich letztes Mal noch in 48stündige Bewusstlosigkeit fiel, konnte ich diesmal nach einem langen heißen Bad wenigstens schon wieder ohne fremde Hilfe gehen, was mich zu dem Schluß wird, dass die körperlichen Konsequenzen von Mal zu Mal weniger schlimm ausfallen. Das psychische "Down" bleibt aber vermutlich. Sorgen würde ich mir an Achims Stelle nur machen, wenn er nicht von allein scharf drauf wird, seine eigene Bestzeit zu knacken, nachdem die Schmerzen erstmal verflogen sind... In dem Sinne :-)
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.