Achilles' Ferse Vorleben statt nacheifern

Selbst ist der Mann: Statt die bessere Hälfte zum Laufen zu überreden, raten Wunderläufer Achilles und sein Team dazu, als begeistertes Beispiel vorneweg zu marschieren. Außerdem wissen unsere Experten: Keine Ausreden, nur Training bringt Erfolge!


Moin,
von meiner Gestalt her bin ich (44, Nichtraucher) eher Sprinter als Langläufer. Wegen drastischem Übergewicht (1,75 Meter, 95 Kilogramm) habe ich angefangen, circa zweimal pro Woche zu laufen. Zwischendurch muss ich immer wieder Gehpausen machen, weil mir die Luft wegbleibt. Nach drei Monaten stelle ich zwar einen gewissen Trainingseffekt in den Beinen fest, aber bei Kurzatmigkeit und Übergewicht tut sich nichts. Wann kann ich mit Fortschritten rechnen?
Carsten

Paar beim Laufen: Keine zu hohen Erwartungen
DDP

Paar beim Laufen: Keine zu hohen Erwartungen

Hallo Carsten,
drastisch Übergewicht hast du nicht, Sprinter bist du auch nicht. Walker willst du nicht sein. Aber irgendwo in der Mitte aller Dinge liegt dein Problem. Nimm' dich selbst ernst und fange jetzt dort an, wo du bist: Mit 44 Jahren, ziemlich unfit. Erkläre nicht alles schon vorher, sondern mach' einfach, solange dir nicht die Knie knirschen oder du Herzrasen bekommst. Geh' einfach raus und erst 90 Minuten später wieder heim.
Liebe Grüße, Jens Karraß

Lieber Carsten,
die Angabe "circa zweimal pro Woche" übersetze ich als einmal die Woche, gelegentlich noch einmal mehr. Sie können mit Fortschritten rechnen, sobald Sie anfangen, regelmäßig zu trainieren. Damit meine ich mindestens dreimal die Woche etwa 40 Minuten. Noch deutlichere Fortschritte merken Sie, wenn Sie häufiger und länger trainieren.
Mit besten Grüßen, Ihr Dr. Fernando Dimeo

Lieber Carsten,
der Doc hat wie immer recht. Drei Stunden die Woche solltest du in Bewegung sein, wenn du noch zu Lebzeiten spürbare Verbesserungen feststellen willst. Es gilt noch immer: Qualität kommt von Qual.
Besten Gruß, Achim

Guten Tag,
ich laufe seit einigen Jahren ohne besondere Ambitionen in Sachen Strecke und Tempo. Meine Frau treibt nun schon längere Zeit der Gedanke um, dass sie doch auch mit dem Laufen anfangen könnte. Ich denke, dass Claudia (1,76 Meter, 63 Kilogramm, seit ewigen Zeiten Aerobic, Stepp, BOP, Spinning und jetzt auch noch Gerätetraining für den Rücken) keine Probleme haben wird.

Sie hat aber als Allergikerin mit starkem Heuschnupfen (wird behandelt) und leichtem Asthma (wird nicht behandelt) ein bisschen Bammel, zumal Sie früher den 800-Meter-Lauf bei Bundesjugendspielen auch schon mal wegen Atemnot abbrechen musste. Nun haben doch bestimmt schon ganz andere am Anfang Ihrer Laufkarriere nach 400 Metern die ersten Gehpausen eingelegt und mit ein bisschen Training können doch dann auch bei Asthmatikern 4000 Meter und dann 40 Kilometer daraus werden, oder? Gebt mir bitte Recht, dann kann ich Claudia demnächst am Sonntagmorgen in die einsamen Ratinger Wälder entführen.
André

Boah André,
noch besser, du nimmst mal selbst Fahrt auf und besorgst dir irgendwo Ambitionen für dich selbst. Arbeite auf ein Ziel hin, lass' es Claudia wissen und wenn sie sieht, wie sehr dir das Spaß macht, wenn du nur für dich durch die Gegend hetzt, vielleicht, aber nur vielleicht, wird sie neugierig. Aber baue da nicht drauf, erwarte nichts. Eventuell wirst du überrascht von ihr. Und wenn es nur ein tolles Weihnachtsgeschenk ist. André rennt – Claudia coacht!
Liebe Grüße, Klemmbrett-Karraß

Lieber André,
wenn Sie Ihrer Frau mehr Raum für die eigenen Entscheidungen und die eigene Entfaltung geben, wird sie möglicherweise auch mehr Luft bekommen. Wenn es soweit ist, kann sie selber entscheiden, ob sie ein Trainingsprogramm aufnimmt.
Mit besten Grüßen, auch an Ihre Frau, Dr. Fernando Dimeo

Lieber André,
meine beiden Vorredner sind leider Opfer der Emanzipationsbewegung und trauen sich nicht, die Wahrheit zu sagen. Machen wir uns nichts vor: Uns nerven diese Trauma-Geschichten von ganz früher unendlich (Asthma bei den Bundesjugendspielen, Hamster versehentlich ins Klo gespült, Kondom kaputt), mit denen auch 40 Jahre später jede Trägheit, jede Verklemmung und viel anderer Mist gerechtfertigt werden, bei Männern wie Frauen gleichermaßen.

Insofern geht es beim Überzeugen des Partners häufig gar nicht um Atmen oder Bewegen, sondern eher um ein anstrengendes Psychospiel, dem fast immer irgendeine tiefwurzelnde Panik zu Grunde liegt. Daher bedeutet Laufen-Anfangen auch immer Angst-Überwinden. Aus einem locker-harmonischen Trab durch die rheinische Einöde wird vorerst also nichts. Stattdessen behutsame Therapie-Gespräche. Kann aber auch lustig sein.
Viel Kraft wünscht Achim

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Paulizei, 11.04.2005
1. Thema gestorben?
Hallo liebe Laufsportfanatiker, Walker-Hasser oder -Anwälte, Spiegelleser oder sonstige Ehrgeizlinge! Hat diese herrliche Thema den Umzug ins neue Forum nicht überlebt oder seid Ihr in Woche 2 vor dem Olympus Marathon alle so intensiv im Lauftraining, dass keine Zeit mehr für weltliche Angelegenheiten wie das Internet bliebt? Es grüsst Euch Eure Startnummer 16781
seductive, 12.04.2005
2. Pillen-Anleitung
also, ich find ja den Beitrag von Achilles sehr lustig. Leider glauben echt viele Leute dran, dass das Zeug was hilft. Ich muss gestehen, einige Sachen muss ich auch nehmen, allerdings nach Anraten des Arztes. Dass Eisen stopft, hab ich selbst noch nie bemerkt. Magnesium gegen die Krämpfe - wenn ich das mal einige Wochen nicht nehme, weiß ich genau, dass ich beim Spitzentanz nach einigen Minuten wieder fiese Krämpfe in den Fußsohlen kriege, die mir schwerelose Drehungen und minutenlange Balance unmöglich machen. Vitamine etc. nehme ich mit der Nahrung genug auf, nur an Magnesium und Eisen fehlt es mir oft. dass die sich gegenseitig aufheben, ist klar. Zink gegen die Erkältung, das ist doch auch selbstverständlich. Man sollte nicht jedes Mittelchen verteufeln. Aber wahre Sportler greifen sowieso lieber zur altbekannten ACE-Mischung (Kenner wissen, was ich meine). Ob man dann evtl. weit vor der Zeit einen Herzkasperl kriegt und vielleicht mit 25 tot umfällt, ist ja egal - denn man trainiert ja effektiver...
Carmen Cienfuegos, 19.04.2005
3.
---Zitat von sysop--- Jogging, obwohl eine fast schon archaische Form des Fitnesstrainings, bleibt nach wie vor angesagt. Unser Kolumnist Achim Achilles ist ein Durchschnittssportler, aber einer mit Ambitionen. Er läuft, weil er will und muss. Er kämpft um Kondition und gegen die Bequemlichkeitsverfettung. Sind Sie auch ein "heimlicher Achim"? Wie halten Sie es mit dem Training? Joggen wie Achilles? Oder was ist Ihr Rezept gegen Bauch und Trägheit? ---Zitatende--- Dem Marathon Achim rate ich: Creme alle Koerperteile die wundlaufen oder heisslaufen koennen mit Calendula Babycreme ein. Lass die billige Vaseline weg. Keine Chemie oder Drogen schlucken. Doping ist fuer loser. Mental stark antreten. Hoer dir volle Lautstaerke per Headset die Musik: We are the Champions oder Like a rock oder Against the Wind etc. an. Harte Sohlen fressen (wie beim Auto) weniger Energie. Alles andere ist Gummizelleneffekt. Das Abrollen der Sohlen macht den Lauf weich, elegant und elastisch. Das kann man sich antrainieren. Viel Glueck und Willenstaerke.
robbatberlin 26.04.2005
4.
Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :)
Paulizei, 26.04.2005
5. Herzlichen Glückwunsch
---Zitat von robbatberlin--- Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :) ---Zitatende--- Ist doch normal, oder? Ich jedenfalls bin bisher zwar erst 2 Marathons gelaufen, falle danach aber offenbar immer in ein psychisches Loch. Spätestens bei Kilometer 30 kommt die Einsicht, wie schwachsinnig es ist, im dritten Jahrtausend noch 42km zu laufen. So schlimm sind die Benzinpreise nun auch wieder nicht. Nach Überschreiten der Ziellinie stand dann beide Male fest: Nie wieder! Wo ich letztes Mal noch in 48stündige Bewusstlosigkeit fiel, konnte ich diesmal nach einem langen heißen Bad wenigstens schon wieder ohne fremde Hilfe gehen, was mich zu dem Schluß wird, dass die körperlichen Konsequenzen von Mal zu Mal weniger schlimm ausfallen. Das psychische "Down" bleibt aber vermutlich. Sorgen würde ich mir an Achims Stelle nur machen, wenn er nicht von allein scharf drauf wird, seine eigene Bestzeit zu knacken, nachdem die Schmerzen erstmal verflogen sind... In dem Sinne :-)
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