Achilles-Leser berichten Hinauf, die Gipfel rufen!

Achilles-Fan Knut Knorpel ist ein zufriedener Läufer. Bis er erfährt, dass man nicht nur weit und schnell, sondern auch hoch laufen kann. Als ihn eine eigenwillige Power-Laufuhr fast auf das Niveau des Mount Everest bringt, wird er stutzig. Das ist doch die Höhe!


Schneller, weiter, höher - das sind die sportlichen Ziele jeden Mannes. Schneller hatte ich geschafft: Zehn Kilometer in knapp über 47 Minuten waren für mich und meine Altersklasse (M45) okay. Weiter - ebenfalls kein Problem: 25 Kilometer lief ich ohne Probleme am Stück.

Bergläufer: Viele Höhenmeter, viel Stress
DPA

Bergläufer: Viele Höhenmeter, viel Stress

Nur höher hatte ich bislang nicht auf der Rechnung. Warum auch? Schließlich bin ich Läufer und kein Bergsteiger. Bis ich bei einem Lauftreff auf den Geschmack in Sachen Höhenmeter kam.

Die Erfahrung, die Laufstrecke nicht nur in der Länge, sondern auch in der Höhe zu vermessen, war für mich ebenso neu wie faszinierend. Denn was ist ein Halbmarathon auf ebenem Grund gegen einen kurzen Traininglauf, der über 250 Höhenmeter führt? Genau: nichts. Zumal die Umsetzung kinderleicht war: Im Sportuhrenangebot eines mir bekannten Herstellers gab es eine Laufuhr mit integriertem Höhenmesser.

Problem Nummer eins: Das gute Stück sollte über 300 Euro kosten. Problem Nummer zwei: Mein Wohnort liegt 54 Meter über dem Meeresspiegel, die höchste Erhebung auf meiner Stamm-Laufstrecke beträgt 132 Meter. Höhenmeter waren da nur in begrenztem Maße zu sammeln.

Andererseits war ich jetzt angefixt - und außerdem wäre es obercool gewesen, beim Läufer-Stammtisch nicht nur mit Längenangaben, sondern auch mit Höhen-Höchstleistungen zu strunzen. Blieb also nur die Finanzierung.

Es war ein Wink des Schicksals, dass nur wenige Tage später in einem Läuferforum das gebrauchte Modell meines favorisierten Höhenmessers angeboten wurde. 150 Euro wollte der Vorbesitzer haben, ein Läufer, der bislang in alpinen Regionen gelebt hatte, nun ins Flachland umziehen musste und sich das Leben nicht mit fehlenden Bergangaben vermiesen wollte.

Ich erstand meine Super-Power-Laufuhr mit drei integrierten Trainingsprogrammen, 99-facher Rundenzeitmessung, automatischer Pulsüberwachung, digitalem Fahrradcomputer, Auswertung am PC - und besagtem Höhenmesser.

Die Gebrauchsanleitung war dick wie ein Telefonbuch. Nachdem ich mich in die Geheimnisse der Programmierung und Kalibrierung eingelesen hatte, konnte ich tatsächlich zum ersten Berg- und Tallauf starten. Ich hätte nie gedacht, dass das Laufen mit integriertem Höhenmesser so spannend sein könnte. Und vor allem so schmerzhaft. Mit festem Blick auf das Display stolperte ich gleich beim ersten Auslauf zweimal über Wurzeln und landete im Schlamm. Nicht weiter schlimm, die Uhr war wasserdicht.

Probleme bereitete die Auswertung der Trainingsprogramme. Ich arbeite Zuhause auf einem Mac, die Uhr korrespondiert aber ausschließlich mit PC. Unter Protest meines Jüngsten okkupierte ich daher seinen PC, spielte meine Daten auf und freute mich über 178 Höhenmeter bei meinem ersten Probelauf.

Was dann folgte, sprengte jedoch alle meine Vorstellungen über Zeit, Raum und vor allem Höhe. Denn kurz nach dem Privatverkauf (keine Garantie, ist ja klar) verabschiedete sich bei meiner Wunderuhr die korrekte Kalibrierung, also der automatische Höhenabgleich.

Die Folge waren sportliche Leistungen auf höchstem, ach was, allerhöchstem Niveau. So startete ich meinen nächsten Trainingslauf in der angezeigten Höhe von 7235 Metern und erreichte nach nicht mal einer Stunde auf sensationellen 8167 Metern Höhe das Ziel - eine echte Leistungsexplosion.

Damit hatte ich leichtfüßig alle hochalpinen Regionen dieser Erde verlassen und war läuferisch in Bereiche vorgestoßen, in denen einem höchstens Reinhold Messner mit Eispickel oder ein nordic-walkender Yeti begegnen konnte. Kurz: Der Höhenmesser war komplett im Eimer.

Glücklicherweise konnte der Service, an den ich die Uhr schickte, das Teil reparieren. Ich war wieder auf der Höhe. Was dagegen gar nicht funktionierte, war die elektronische Auswertung des Lauftrainings. Das lag aber nicht an der Uhr, sondern an mir.

Schon beim zweiten Überspielen der Daten auf den PC kamen mir die Ergebnisse merkwürdig vor: Für meine Altersklasse war ich erheblich zu langsam (minus 50 Prozent gegenüber dem Durchschnitt), deutlich zu schwer (angeblich 40 Prozent Übergewicht) und beim Puls kurz vorm Hirnschlag. Und das, obwohl ich seit Jahren laufe, mich einigermaßen gesund ernähre.

Hatte mich die Midlife-Crisis plötzlich auch körperlich ausgezehrt? Ich traute mich kaum noch, beim Lauftraining die Wunderuhr umzuschnallen - angesichts der niederschmetternden Ergebnisse am Computer.

Die Lösung dieses sportlichen Rätsels nahte, als ich die Gebrauchsanleitung erneut zur Hand nahm und die Rubrik "persönliche Daten eintragen" genauer las. Siehe da: In meiner Uhr waren noch die persönlichen Daten des Vorbesitzers gespeichert. Der war Anfang 20 und wog zehn Kilogramm weniger. Kein Wunder also, dass ich auf dieser Grundlage zumindest rechnerisch zum Laufgreis mutierte.

Inzwischen ist einige Zeit vergangen. Die persönlichen Daten wurden aktualisiert, der Höhenmesser kalibriert. Und mittlerweile bin ich da angelangt, wo ich schon vorher war: ein mittelalter Läufer mit allen Höhen und Tiefen.

Mehr Leser-Geschichten auf Achim-Achilles.de.

Mehr zum Thema


insgesamt 1475 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Paulizei, 11.04.2005
1. Thema gestorben?
Hallo liebe Laufsportfanatiker, Walker-Hasser oder -Anwälte, Spiegelleser oder sonstige Ehrgeizlinge! Hat diese herrliche Thema den Umzug ins neue Forum nicht überlebt oder seid Ihr in Woche 2 vor dem Olympus Marathon alle so intensiv im Lauftraining, dass keine Zeit mehr für weltliche Angelegenheiten wie das Internet bliebt? Es grüsst Euch Eure Startnummer 16781
seductive, 12.04.2005
2. Pillen-Anleitung
also, ich find ja den Beitrag von Achilles sehr lustig. Leider glauben echt viele Leute dran, dass das Zeug was hilft. Ich muss gestehen, einige Sachen muss ich auch nehmen, allerdings nach Anraten des Arztes. Dass Eisen stopft, hab ich selbst noch nie bemerkt. Magnesium gegen die Krämpfe - wenn ich das mal einige Wochen nicht nehme, weiß ich genau, dass ich beim Spitzentanz nach einigen Minuten wieder fiese Krämpfe in den Fußsohlen kriege, die mir schwerelose Drehungen und minutenlange Balance unmöglich machen. Vitamine etc. nehme ich mit der Nahrung genug auf, nur an Magnesium und Eisen fehlt es mir oft. dass die sich gegenseitig aufheben, ist klar. Zink gegen die Erkältung, das ist doch auch selbstverständlich. Man sollte nicht jedes Mittelchen verteufeln. Aber wahre Sportler greifen sowieso lieber zur altbekannten ACE-Mischung (Kenner wissen, was ich meine). Ob man dann evtl. weit vor der Zeit einen Herzkasperl kriegt und vielleicht mit 25 tot umfällt, ist ja egal - denn man trainiert ja effektiver...
Carmen Cienfuegos, 19.04.2005
3.
---Zitat von sysop--- Jogging, obwohl eine fast schon archaische Form des Fitnesstrainings, bleibt nach wie vor angesagt. Unser Kolumnist Achim Achilles ist ein Durchschnittssportler, aber einer mit Ambitionen. Er läuft, weil er will und muss. Er kämpft um Kondition und gegen die Bequemlichkeitsverfettung. Sind Sie auch ein "heimlicher Achim"? Wie halten Sie es mit dem Training? Joggen wie Achilles? Oder was ist Ihr Rezept gegen Bauch und Trägheit? ---Zitatende--- Dem Marathon Achim rate ich: Creme alle Koerperteile die wundlaufen oder heisslaufen koennen mit Calendula Babycreme ein. Lass die billige Vaseline weg. Keine Chemie oder Drogen schlucken. Doping ist fuer loser. Mental stark antreten. Hoer dir volle Lautstaerke per Headset die Musik: We are the Champions oder Like a rock oder Against the Wind etc. an. Harte Sohlen fressen (wie beim Auto) weniger Energie. Alles andere ist Gummizelleneffekt. Das Abrollen der Sohlen macht den Lauf weich, elegant und elastisch. Das kann man sich antrainieren. Viel Glueck und Willenstaerke.
robbatberlin 26.04.2005
4.
Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :)
Paulizei, 26.04.2005
5. Herzlichen Glückwunsch
---Zitat von robbatberlin--- Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :) ---Zitatende--- Ist doch normal, oder? Ich jedenfalls bin bisher zwar erst 2 Marathons gelaufen, falle danach aber offenbar immer in ein psychisches Loch. Spätestens bei Kilometer 30 kommt die Einsicht, wie schwachsinnig es ist, im dritten Jahrtausend noch 42km zu laufen. So schlimm sind die Benzinpreise nun auch wieder nicht. Nach Überschreiten der Ziellinie stand dann beide Male fest: Nie wieder! Wo ich letztes Mal noch in 48stündige Bewusstlosigkeit fiel, konnte ich diesmal nach einem langen heißen Bad wenigstens schon wieder ohne fremde Hilfe gehen, was mich zu dem Schluß wird, dass die körperlichen Konsequenzen von Mal zu Mal weniger schlimm ausfallen. Das psychische "Down" bleibt aber vermutlich. Sorgen würde ich mir an Achims Stelle nur machen, wenn er nicht von allein scharf drauf wird, seine eigene Bestzeit zu knacken, nachdem die Schmerzen erstmal verflogen sind... In dem Sinne :-)
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.