Achilles' Spezial Werdet Kroaten!

Deutschland soll Weltmeister werden. Findet Achim Achilles. Damit Lehmann und Co. den Titel holen können, muss Brasilien patzen. Darum heißt es heute Abend: Daumen drücken für Kroatien. Das mit Bundesliga-Legionären gespickte Team trifft auf den Titelverteidiger.


Für den Fan der deutschen Nationalelf tritt die WM heute in die situativ-opportunistische Phase. Denn erstmals spielt unser wahrscheinlicher Finalgegner: Brasilien. Sie werden es heute Abend um 21 Uhr in Berlin (Liveticker SPIEGEL ONLINE) mit ehrlichen Handwerkern zu tun bekommen. Die lieben Kroaten werden der Samba-Truppe gleich mal mitteilen, dass jetzt Schluss ist mit Copacabana und Übersteiger. Robuste Verteidiger wie Tudor und Kovac, Simunic und Simic sind nicht dafür bekannt, dass sie albernem Angriffsgetänzel lange zuschauen.

Kroatischer Fan: Gutmütiger Geselle, stabil gebaut
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Kroatischer Fan: Gutmütiger Geselle, stabil gebaut

Gut so. Gewinnen unsere sympathischen europäischen Mitbürger mit den rot-weiß karierten Hemden, dann würde Brasilien nur Gruppenzweiter, und müsste im Achtelfinale wohl gegen Italien ran. Dann sind wir Italiener.

Aber jetzt sind wir erst einmal Kroatien. Ein völlig neues Nationalgefühl. Wie mag er sein, unser vorübergehender Landsmann? Offenbar ist der Kroate ein gutmütiger Geselle, rauflustig, sangesfroh und stabil gebaut. Der Bayer des Balkans, der die Hitze am Mittag gern mit einem Kaltgetränk auf Whisky-Cola-Basis kontert.

So jedenfalls praktiziert es seit Tagen die kroatische Großreisegruppe, die im Fan-Gewühl der Hauptstadt die Rankestraße besetzt hat. Alles, was in Gelb des Weges kommt und mithin nach Brasilien aussieht, wird von den gutgelaunten Balkan-Buben niedergebrüllt, und wenn es der Briefträger ist.

Rankestraße, Rankestraße? Da war doch was, denkt der Fußballfreund. Recht hat er. Das an sich unspektakuläre Sträßchen beginnt an der Gedächtniskirche und endet am Café King, ein weltberühmter kroatischer Treffpunkt. Denn von hier griffen Kroaten beherzt in internationale Finanzströme ein. Wir erinnern uns: Im Café King verkehrte die Wettmafia, die den Schiri-Tölpel Hoyzer bestochen hat.

Kann man sich gar nicht vorstellen. Alles nette Leute hier, mit tollen Frauen in knappen Röcken, deren lange Fingernägel im Farbton passend zu den breit bereiften Luxuskarren lackiert sind, die auf dem Gehsteig parken. Schiedsrichter der Partie ist übrigens einer aus Mexiko. Der Mann braucht bestimmt noch einen Flachbildschirm.



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