Achilles' Verse Die besten Trainingspläne der Welt

Schockierendes Geständnis: Achim Achilles unterscheidet Läufer in zwei Kategorien. Typ A ruht in sich und ist mit wenig zufrieden, Typ B kennt seinen Trainingsplan besser als die Ehefrau. Achims bittere Erkenntnis nach fünf Jahren Laufen: Er ist Typ AB.

Es gibt zwei Sorten von Läufern. Typ A wackelt seit Jahren auf der immer gleichen Strecke im immer gleichen Tempo, ohne viel Schwitzen, aber mit sehr viel Reden. Er, und vor allem sie, betrachten Laufen als geselliges Kreislaufprogramm. Typ A verspürt keinerlei Ehrgeiz, schätzt aber frische Luft und das gute Gefühl, den Körper außerhalb geschlossener Räume zu spüren. Millionenfach bewegen sich A-Typen am Wochenende rudelweise in Deutschlands Grüngürteln. Beneidenswert. Diese Läufer ruhen in sich. Uhren tragen sie selten, Pulsmesser schon gar nicht. Zeit ist ihnen egal, Wettbewerb macht ihnen Angst. Selbst hochwertige kostenlose Trainingspläne  ignorieren sie.

Typisch Läufer: Am Wochenende rudelweise in Deutschlands Grüngürteln

Typisch Läufer: Am Wochenende rudelweise in Deutschlands Grüngürteln

Foto: dpa

Typ B läuft exakt gegenteilig. Jeder Schritt wird protokolliert, jeder Atemzug analysiert und abgeglichen mit der gestrigen Leistung. Typ B schlüpft in die Laufschuhe, um sein Restleben zu kompensieren. Im Job, in der Partnerschaft, überall herrscht Stillstand. Nur auf der Zehn-Kilometer-Strecke ist noch Luft nach oben. Verbessert Typ B seine Bestzeit um fünf Sekunden, dann fühlt er sich tagelang wie ein Olympiasieger. Bleibt er allerdings eine Zehntel darunter, ist die Laune auf Wochen ruiniert. Während Typ A sich zu fröhlicher Ambitionslosigkeit bekennt, ist Typ B zerfressen von Ehrgeiz. Jeden anderen Läufer betrachtet er als Feind.

Die schlimmsten allerdings sind die AB-Typen. Und zu genau so einem habe ich mich in fünf Jahren aufopferungsvoller Lauferei entwickelt. Nichts fühlte sich schöner an als eine gute Zeit, nichts erschien mir zugleich peinlicher, als Sekundenhunger zuzugeben. Ich trainierte nach Plänen, zumindest die Teile, die mir sinnvoll erschienen - kontrolliert wird ja eh nicht. Wellness-Laufen ist eine prima Idee, aber völlig realitätsfremd. Soll ich zusehen, wie Kuddel immer schneller wird, während mir die 1000 Meter immer länger vorkommen?

Andererseits: Sollte ich jeden Trainingsabend im Mommsenstadion den Laufkrieg gegen Kuddel anzetteln? Warum eigentlich nicht? Mit den Jahren allerdings zerfrisst es den AB-Typen von innen: "Zeiten sind mir völlig egal", sagt der Hybrid, aber er meint: "Nichts ist mir wichtiger als ein Erfolg. Aber ich traue mich nicht, es zuzugeben. Ich könnte ja an meinen großen Zielen scheitern - und dann lachen alle über mich, vor allem die vielen anderen Bs."

Es war im Frühjahr, als Klemmbrett-Karraß mal wieder mit mir schimpfte. "Entscheide dich endlich, was du willst", grollte der Coach, "richtig laufen oder spielen." Wir hatten diese Debatte in den vergangenen fünf Jahren praktisch wöchentlich. Und immer hatte ich mich entwunden. Diesmal sagte ich: "Na gut, diese Saison mal richtig.." Klemmbrett guckte: "Ernst?" Ich antwortete: "Ernst."

Drei Monate später kann ich mein Glück nicht fassen: Bestzeiten beim Laufen , beim Triathlon, aber ohne härter als sonst trainiert zu haben. Nach fünf Jahren mit allerlei verschiedenen Trainingsplänen steht fest: Online-Training mit Klemmbrett-Karraß funktioniert, für mich jedenfalls, am besten. Der Rest geht aber auch.

P.S.: Vergangene Woche schrieb Achilles über die Zumutungen durch verschwitzte Müffelläufer. Jetzt hat die Achilles-Community ihre öligsten Schweißfotos  geschickt.

Platz 1 - JKrunning - nicht ganz billig, aber effektiv

1. JKrunning

Wie geht das? Der Athlet gibt jede Woche an, an welchen Tagen er wie lange trainieren möchte. Urlaub, Dienstreise, Verletzung, Elternabend - alles wird berücksichtigt. Fragen werden beantwortet, Zweifel zerstreut. In drei Städten (Berlin, München, Cottbus) Möglichkeit zum Bahntraining. An jedem größeren Lauf in Deutschland nimmt eine JK-Gruppe teil.

Vorteil: Die individuelle Trainingsplanung entspricht den Bedürfnissen des gestressten Multitasking-Menschen. Surreale Ziele (Marathon in drei Monaten) werden mit der Realität in Einklang gebracht.

Nachteile: Keine Ausreden mehr. Nicht ganz billig.

Kosten: Etwa ein Euro am Tag.

Platz 2 - Peter Greif - Mit Schleif-Greif schneller werden

2. Peter Greif

Wie geht das? Der böse alte Mann des deutschen Laufsports hat viele Bestzeiten seiner Athleten aufzuweisen. Schleif-Greif ist der Ausbilder Schmidt unter den Trainern und versendet neben Monatsplänen auch Schuhe, Pillen, Atemtrainer und Laufreisen. Längere Läufe begleitet er auf dem Klapprad, was der Motivation besonders dienlich ist. Das System einmal begriffen, stellt man eine gewisse Unoriginalität fest.

Vorteil: Wer heil durchkommt, wird tatsächlich schneller. Und wer sich gern anschnauzen lässt, hat ebenfalls seine Freude.

Nachteil: Verletzungsgefahr durch ziemlich hohe Anforderungen; nichts für Einsteiger oder Menschen mit einem Leben neben der Tartanbahn. Kaum Raum für Individualisierung.

Kosten: 120 Euro im Jahr für standardisierte Pläne, die man nach drei Monaten selbst fortschreiben kann.

Platz 3 - Herbert Steffny - Der Golf unter den Trainern

3. Herbert Steffny

Wie geht das? Steffnys Höhepunkt war das Marathon-Coaching von Moppel Fischer. Nach den Plänen in Steffnys Marathon-Buch haben Tausende von Einsteigern ihr Training gestaltet und tatsächlich in ordentlichen Zeiten gefinished. Das spricht für sich. Steffny ist der Golf unter den Trainern: zuverlässig, praktisch, unspektakulär.

Vorteil: Nicht so paramilitärisch wie bei Greif.

Nachteil: ziemlich humorlos und langweilig. Typische Planwirtschaft eben.

Kosten: ein Steffny-Buch.

4. Platz - Dubiose Versprechen - Sicher ins Lazarett

4. Diverse Versprechen wie "Mit vier Stunden Training die Woche in drei Monaten zum Marathon unter zwei Stunden"

Wie geht das? Gar nicht. Aber der Versuch wird immer wieder unternommen, meist, indem die Umfänge von null auf zwölf Stunden die Woche erhöht werden. Der sicherste Weg zur lang anhaltenden Sportverletzung.

Vorteil: hohe pädagogische Wirkung. Wer's überlebt und nach fünf Monaten Reha trotzdem dabei bleibt, liebt das Laufen wirklich.

Nachteil: Schürt den Mythos vom schnellen Glück.

Kosten: drei Klicks im Internet.

5. Platz - Do it yourself - Auf zur multiplen Persönlichkeit

5. Selbstgestricktes Programm

Wie geht das? Nach Lektüre aller Bücher und Web-Seiten bildet sich der Hobby-Athlet ein, er habe nun alles verstanden und malt sich seinen eigenen Plan. Im Prinzip möglich, aber realitätsfremd. Das Schwein sagt dem Metzger ja auch nicht, wo er zuerst hinpieken soll. Der Blick von außen ist nicht zu ersetzen.

Vorteil: Man erlebt sich als multiple Persönlichkeit (Athlet/Trainer).

Nachteil: Man erlebt sich als multiple Persönlichkeit (Athlet/Trainer).

Kosten: Die gängigen Bücher. Aber die stehen ja eh schon im Schrank.

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