Gerichtsentscheidung zu mysteriösem Dopingfall Urinprobe von Geher Schwazer war wahrscheinlich manipuliert

Alex Schwazer wurde 2016 positiv getestet – doch bis heute vermutet der Italiener dahinter ein Komplott gegen ihn. Ein Gericht stellte nun ein Verfahren wegen Sportbetrugs gegen ihn ein.
Alex Schwazer gewann in Peking 2008 Gold (Archivbild)

Alex Schwazer gewann in Peking 2008 Gold (Archivbild)

Foto: OLIVIER MORIN/ AFP

Ein Zivilgericht in Bozen hat das Strafverfahren wegen Sportbetrugs gegen den italienischen Geher-Olympiasieger Alex Schwazer eingestellt. Richter Walter Pelino stellte kein Fehlverhalten des wegen Dopings gesperrten 36-Jährigen fest.

Pelino kritisierte stattdessen den Leichtathletik-Weltverband World Athletics und die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) für ihre angeblich »undurchsichtige« Vorgehensweise. Beide Organisationen hätten sehr selbstbezogen gearbeitet und keine Kontrolle von außen zugelassen. Das Gericht geht davon aus, dass die am 1. Januar 2016 von Schwazer abgegebene Urinprobe für ein positives Testergebnis manipuliert wurde, »um die Suspendierung und die Diskreditierung des Athleten zu erreichen«. Dafür lägen starke Beweise vor, hieß es.

Schwazer war 2012 kurz vor den Sommerspielen in London positiv auf Epo getestet worden. Damals hatte er das absichtliche Doping gestanden. Kurz nach Ablauf seiner vierjährigen Sperre wurde der Olympiasieger über 50 Kilometer Gehen von Peking 2008 jedoch 2016 erneut positiv getestet, dieses Mal wegen Testosteron. Noch verbüßt er die daraufhin verhängte Sperre von acht Jahren.

Wada ist entsetzt

Die Wada zeigte sich in einer Reaktion »entsetzt über die rücksichtslosen und grundlosen Anschuldigungen« durch den Richter. Man habe im Verfahren »erdrückende Beweise« vorgelegt, die von Experten bekräftigt worden seien.

In Schwazers Probe waren anabole Steroide nachgewiesen worden. Der Südtiroler Schwazer beteuerte stets seine Unschuld und behauptete, Opfer eines Komplotts  geworden zu sein. Womöglich, weil er 2015 in einem Dopingprozess als Kronzeuge ausgesagt hatte.

»Nach viereinhalb Jahren hat endlich die Gerechtigkeit gesiegt. Ich werde nicht all das vergessen können, was mir widerfahren ist«, sagte Schwazer nun: »Dieser Richterspruch ist jedoch eine Entschädigung für all das, was ich in diesen Jahren erlitten habe.«

ptz/sid/AP
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