Hörmann-Nachfolge Wer wird Deutschlands mächtigster Sportfunktionär?

Nach dem angekündigten Rücktritt des Präsidenten des Olympischen Sportbundes, Alfons Hörmann, streiten die Sportverbände über das Auswahlverfahren für einen Nachfolger. Womöglich wird es eine Überraschung geben.
Alfons Hörmann tritt im Dezember zurück. Aber wer wird sein Nachfolger?

Alfons Hörmann tritt im Dezember zurück. Aber wer wird sein Nachfolger?

Foto: Frank Rumpenhorst / picture alliance/dpa

Ingo Weiss, der Präsident des Deutschen Basketball-Bundes, wollte erkennbar demonstrieren, wie einig sich der Deutsche Sport ist. Am Dienstag trat der Sprecher der Spitzenverbände im Deutschen-Olympischen Sportbund (DOSB) vor die Presse, um zu erklären, wie es nach der Ära Alfons Hörmann weitergeht im Dachverband des Sports.

Denn der seit langem umstrittene Präsident hatte im Sommer angekündigt, nach acht Jahren seinen Posten zur nächsten Mitgliederversammlung in Dezember zu räumen. Auch Finanzchef Kaweh Niroomand tritt dann zurück.

Wochenlang hätten sich drei Arbeitsgruppen mit der Zukunft des DOSB befasst und etliche Vorschläge diskutiert, schilderte nun Weiss. Herausgekommen sei ein Plan zur Weiterentwicklung des Verbands. Vor allem aber hätten sich die Sportfunktionäre auf ein Verfahren geeinigt, wie der wichtige Posten im deutschen Spitzensport künftig besetzt werden soll.

Womöglich steht die nächste Peinlichkeit schon bevor

Helfen soll dabei neben einem Headhunter eine achtköpfige »Findungskommission«. Unter der Führung des ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff werde das Gremium, dem auch Weiss selber angehören soll, eine geeignete Persönlichkeit finden, die von allen getragen werde und für einen neuen Aufbruch der ramponierten Organisation stehe.

Denn in den vergangenen Monaten hatte der DOSB ein klägliches Bild abgegeben. Mitarbeiter hatten in einem offenen, anonymen Brief über eine »Klima der Angst« in der Zentrale in Frankfurt geklagt und vor allem Hörmann kritisiert.

Der Präsident wiederum wurde von der Entscheidung des IOC überrascht, die Olympischen Spielen 2032 nach Australien zu vergeben, ohne sich überhaupt näher mit dem Interesse des Ruhrgebiets an einer Austragung zu befassen. Und auch bei den Spielen in Tokio im Juli und August waren die deutschen Athleten weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben.

Doch womöglich steht die nächste Peinlichkeit schon bevor. Denn offensichtlich haben sich die Sportfunktionäre zu wenige Gedanken gemacht, welche Aufgaben die Findungskommission konkret haben soll.

Zweifel am Auswahlprozess

Am Freitag, drei Tage nach dem Presseauftritt, erreichte Weiss jedenfalls ein Protestbrief, unterzeichnet von neun Sportverbänden, darunter der besonders mitgliederstarke Leichtathletik-Verband und der Deutsche Turnerbund. Der »liebe Ingo«, schreiben die Funktionäre, möge bitte das »genaue Verfahren« zu Bewertung und Auswahl der Kandidaten definieren.

Es gehe jedenfalls nicht, dass Wulff und seine Kommission »durch vorherige Einschätzung der Kandidaten«, die Wahl der Delegierten auf der Mitgliederversammlung beeinträchtige. Ranglisten, Priorisierung oder anderweitige Bewertungen widersprächen einem demokratischen Auswahlprozess. Vielmehr dürfte das Gremium lediglich die prinzipielle Eignung für das Amt bewerten.

Das aber dürfte bei der Versammlung zu eine Kampfkandidatur zwischen mehreren Bewerbern führen. Weiss und der ebenfalls für das Verfahren zuständige Sprecher der Landessportbünde, Jörg Ammon, sowie die Sprecherin der Verbände mit besonderer Aufgabenstellung, Barbara Oettinger, hatten sich das wohl anders vorgestellt. Sie wollten den mächtigsten deutschen Sportfunktionärs in der Kommission hinter verschlossenen Türen auswählen.

Bei der Mitgliederversammlung in Weimar hätten die Delegierten dann nur noch die Auswahl bestätigt. Es hätte eine glanzvolle Inthronisation werden können.

Triathlon-Chef mit langem Atem

Tatsächlich hat sich bislang noch kein Kandidat öffentlich vorgewagt. Der Tischtennis-Funktionär Thomas Weikert gilt aber intern als sehr interessiert und würde wohl auch von Verbänden mitgetragen, die nun den Brief an Weiss unterzeichnet haben. Offensichtlich ist die Sorge groß, der Limburger Rechtsanwalt könne von der Kommission im Vorfeld aussortiert werden.

Dabei sieht die Satzung ohnehin vor, dass Kandidaten auch ganz unabhängig von einem Auswahlgremium bei der Versammlung im Dezember antreten können.

Das weiß auch Martin Engelhardt, Chef der Deutschen Triathlon Union, und einer der neun Unterzeichner. Engelhardt war einer der lautstärksten Hörmann-Kritiker. 2018 ist er bereits kurz entschlossen gegen Hörmann angetreten, verlor aber deutlich. Womöglich plant er, nun noch einmal anzutreten und will sich nicht von einem ehemaligen Staatsoberhaupt ausbremsen lassen.

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