Italienisches Milliardärsteam beim America's Cup Dann halt beim nächsten Mal

Milliardär Patrizio Bertelli hat als Herausforderer beim America's Cup bereits Hunderte Millionen Euro versenkt. Auch im fünften Anlauf schaffte es sein Team nicht zum Sieg. Ans Aufhören denkt er aber nicht.
Das italienische Team hielt den America's Cup lange offen, verlor aber am Ende

Das italienische Team hielt den America's Cup lange offen, verlor aber am Ende

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Chris Cameron / AP

Eigentlich weiß Patrizio Bertelli längst, wie man den America’s Cup erfolgreich bestreitet. Das Geheimnis, sagte der italienische Multimilliardär und Chef der Luxusmarke Prada bereits vor den Rennen, habe ihm der zweifache neuseeländische Gewinner Sir Peter Blake verraten: »So lange am Cup teilnehmen, bis man irgendwann gewinnt«.

Nun gleicht Bertellis persönliche Cup-Bilanz bereits jetzt der des historisch erfolglosen britischen Tee-Magnaten Sir Thomas Lipton. Der scheiterte Anfang des 20. Jahrhunderts fünfmal daran, den Cup zurück nach Europa zu holen. Vielleicht liegt es auch an diesen Aussichten, dass Bertelli kaum je lächelt.

Denn obwohl sein Team Luna Rossa in diesem Jahr gut mithielt, blieb es ebenfalls zum fünften Mal ohne Sieg. Dabei ließ das Team die in der fernen Heimat mitfiebernden Landsleute mit dem Gleichstand bis zum siebten Rennen gar auf eine Sensation hoffen.

Patrizio Bertolli wird dem Segelsport eher nicht den Rücken kehren

Patrizio Bertolli wird dem Segelsport eher nicht den Rücken kehren

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STEFANO RELLANDINI / REUTERS

Bertelli, der wegen der strikten neuseeländischen Quarantänevorschriften wohl selbst die Nächte vor dem Bildschirm verbrachte, war dem Sieg noch nie so nah. Doch später wurden die Neuseeländer ihrer Favoritenrolle gerecht. Sie segelten schneller, manövrierten besser und schafften es am vierten Tag mit ihrer Jacht zügiger zurück in den Flugmodus, obwohl nur noch der Hauch einer Brise ging. Der gute Start der Italiener um die beiden Steuermänner Jimmy Spithill und Francesco Bruni reichte nicht.

Millionenausgaben für die Segelkampagne

In der Endabrechnung sieht das Ergebnis von 3:7 nun nach einem Debakel aus, doch Bertelli hat schon Schlimmeres erlebt. Bei der ersten Teilnahme von Luna Rossa im Jahr 2000 setzte es – ebenfalls vor Auckland – ein 0:5. Bereits die damalige Kampagne kostete Bertelli wohl 50 Millionen Dollar . Inzwischen beträgt das offizielle Budget 95 Millionen Euro, tatsächlich dürfte der Milliardär laut Schätzungen drei- bis viermal so viel Geld in das diesjährige Rennen gesteckt haben.

Immerhin: Die Ausdauer des Tee-Magnaten Lipton machte seine Marke damals nachhaltig in Amerika bekannt, gewissermaßen lohnte sich die Investition. Es darf jedoch bezweifelt werden, dass Bertelli den Cup vordergründig als Werbemaßnahme versteht. Das geht allein aus seinem Privatvergnügen hervor. Denn neben dem Cup-Spektakel leistet sich der Unternehmer noch zwei Jachten der Zwölf-Meter-Klasse. Auf der »Kookaburra II« , die in den Achtzigerjahren selbst in Vorentscheiden zum Cup eingesetzt wurde, steuert er gelegentlich noch selbst .

Die sechs Renntage im neuseeländischen Hauraki-Golf dürfte Bertelli zudem als lohnendes Investment verbuchen. Das aktuelle Team scheint dem Milliardär nach der starken Leistung einen erneuten Versuch wert zu sein. Er sei sicher, sein Chef werde abermals antreten, sagte auch Steuermann Bruni nur Minuten nach der Niederlage.

Einer der reichsten Männer Italiens

Und an Mitteln für einen erneuten Anlauf dürfte es wohl auch in Zukunft nicht mangeln. Das Vermögen des Modezaren wird vom Magazin »Forbes« auf 5,2 Milliarden Dollar (rund 4,4 Milliarden Euro) geschätzt, Bertelli zählt zu den reichsten Männern Italiens. Dass ihn seine bisherigen Versuche bereits Unsummen gekostet haben, scheint sein Engagement nicht zu beeinflussen.

Bertellis Luna Rossa blieb bei der fünften Teilnahme ohne Sieg

Bertellis Luna Rossa blieb bei der fünften Teilnahme ohne Sieg

Foto: Fiona Goodall / Getty Images

Zu verbissen ist Bertelli, ob sportlich oder beruflich. Der einstige Lederfabrikant aus der Toskana kopierte die Designs von Prada der Legende nach so gut, dass die Enkelin des Firmengründers auf ihn aufmerksam wurde und ihn mit der Fertigung ihrer Designstücke beauftragte. Inzwischen ist Bertelli mit Miuccia Prada verheiratet, die beiden haben zwei Söhne. Sie designt weiterhin, er führt die Geschäfte – mitunter nicht ganz zimperlich. Mit Jil Sander soll er sich einst heftig gezofft haben.

Und auch der geliebte Segelsport brachte ihn bereits zur Weißglut. Weil ihm kurzfristigen Änderungen der Regeln für den America’s Cup 2017 zuwider waren, zog sich Bertelli trotz laufender Vorbereitungen aus dem Wettbewerb zurück. Bisweilen war nicht nur sein Blick grimmig.

Ändern dürfte sich das, sollte es wirklich einmal mit einem Sieg klappen. Bertelli wäre dann »der glücklichste Mensch der Welt«, sagte Teamchef Max Sirena  vor der diesjährigen Austragung. Und weil Bertelli bekanntlich das Geheimnis hinter dem Erfolg beim America's Cup kennt, wird er sich denken: Dann halt beim nächsten Mal.

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