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André Schürrle beendet überraschend seine Karriere "Ich brauche keinen Beifall mehr"

Mit 18 debütierte er in der Bundesliga, mit 23 wurde André Schürrle zum WM-Helden. Nun, mit gerade mal 29 Jahren, verabschiedet er sich aus dem Geschäft, das ihn reich, aber einsam machte.
aus DER SPIEGEL 30/2020
André Schürrle: "Damals war ich happy"

André Schürrle: "Damals war ich happy"

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Dominik Butzmann / DER SPIEGEL

Der ehemalige Nationalspieler André Schürrle beendet im Alter von 29 Jahren überraschend seine Karriere. "Die Entscheidung ist lange in mir gereift", erklärt der Weltmeister von 2014 im Gespräch mit dem SPIEGEL. Der gebürtige Ludwigshafener erzählt hier, wie es ihm im Fußballgeschäft gegangen ist. Er sei oft einsam gewesen, gerade als "die Tiefen immer tiefer wurden und die Höhepunkte immer weniger". Die Fußballbranche habe es ihm aber nicht erlaubt zu zeigen, wie er sich wirklich gefühlt habe: "Man muss ja immer eine gewisse Rolle spielen, um in dem Business zu überleben, sonst verlierst du deinen Job und bekommst auch keinen neuen mehr". Schürrle hat am Mittwoch seinen Vertrag mit Borussia Dortmund aufgelöst. Zuletzt war er an Spartak Moskau ausgeliehen.

Lesen Sie hier die ganze Geschichte:

Dieses "Bollern", immer wieder. Bis heute erinnern sie sich daran, die Nachbarn der Schürrles in Ludwigshafen am Rhein. Bei Länderspielen flog in der Halbzeitpause nebenan die Tür auf, und der kleine André rannte in den Garten und bollerte mit seinem Fußball gegen die Hauswand, um die Tricks zu kopieren, die er gerade bei den Nationalspielern beobachtet hatte, bei seinen Helden.

Sieben, acht Jahre war André Schürrle damals alt. Ein hellblonder schmächtiger Junge, der nur ein Spielzeug brauchte, um zufrieden zu sein: einen Ball.

15 Jahre später in Rio de Janeiro, Brasilien. Es ist die 113. Spielminute des WM-Finales gegen Argentinien. André Schürrle bekommt den Ball, sprintet los, flankt ihn in die Mitte, Mario Götze ist da und kürt Deutschland zum Weltmeister 2014.

Im Maracanã-Stadion jubeln die deutschen Fans, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel und der damalige Bundespräsident Joachim Gauck. Auf den Fanmeilen in Deutschland feiern Millionen Menschen. Die Stimme des TV-Kommentators überschlägt sich: "Schürrles Einsatz, Schürrles Laufweg bis auf die Grundlinie hat es möglich gemacht."

Der Junge aus Ludwigshafen – er selbst ist nun ein WM-Held.

Der Name Schürrle glich fortan einer Prophezeiung. Für die große internationale Karriere, ein neues deutsches Supertalent auf dem Rasen. Niemand ahnte, dass sich alles ganz anders entwickeln würde. Wie auch? Schürrles Aufstieg war kometenhaft: Mit gerade 18 Jahren spielte er erstmals in der Bundesliga. Fast 100 Millionen Euro Transfersummen haben Vereine bis heute für ihn bezahlt. Zuletzt stand Schürrle im Kader von Spartak Moskau, als Leihgabe von Borussia Dortmund.

Als vor Kurzem bekannt wurde, dass er Russland verlässt, wurde spekuliert, wohin es den ehemaligen Nationalspieler zieht. Nach China? In die Türkei?

Aus seinem Umfeld war dazu nicht viel zu hören. Nun aber meldet sich Schürrle selbst zu Wort, mit einer Antwort, die viele überraschen dürfte. Sie lautet: "Ich höre auf." Mit nur 29 Jahren verabschiedet sich der ehemalige Nationalspieler aus dem Fußballbusiness.

Es ist ein bemerkenswerter Schritt, auch weil er ihn weit vor der Zeit geht, in der Profis sich normalerweise zurückziehen. "Die Entscheidung ist lange in mir gereift", sagt er.

Besiegelt hat seinen Abschied ein Verwaltungsakt in dieser Woche, Schürrle und Borussia Dortmund haben sich auf eine Vertragsauflösung geeinigt. Über die Details wurde Stillschweigen vereinbart. Über alles andere muss Schürrle nun in seinem Leben nicht mehr schweigen – erstmals.

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