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Englands Viertelfinal-Aus: Drama im Elfmeterschießen

Foto: DANIEL ROLAND/ AFP

Aus im Viertelfinale Englands Elfmeterfluch gilt auch für Frauen

Elfmeter? Können die nicht. Trotz Trainings haben Englands Fußball-Frauen im WM-Viertelfinale bewiesen, dass den Briten vom ominösen Punkt regelmäßig die Nerven flattern. Frankreich freut sich, steht zum ersten Mal im Halbfinale und scheint nun für den ganz großen Triumph bereit.  

Bruno Bini ist ein eigenwilliger Mann. Es ist ihm ein Vergnügen, sich als eine Art Exot zu inszenieren, als Kämpfer für den Frauenfußball in Frankreich - und er hat ungewöhnliche Methoden. "Wie immer an Tagen nach Spielen mache ich morgen frei", sagte der französische Trainer nach dem 5:4-Sieg (1:1; 0:0) gegen England nach Elfmeterschießen.

Die Spielerinnen müssen natürlich arbeiten, Erholungsmaßnahmen stehen auf dem Sonntagsprogramm, und ein Nachmittagstraining ist nach dem Viertelfinalerfolg auch geplant. Bini hingegen erholt sich, er werde die Journalisten zu ein paar Drinks einladen, erwiderte er auf die Frage nach seinen Plänen, um schnell hinzuzufügen: "Aber kommt nicht alle, sonst bin ich pleite."

Die Kollegen, die die Einladung annehmen, werden ein paar lustige Stunden haben, denn Bini ist ein unterhaltsamer Typ. Aber er scheint auch ein guter Trainer zu sein. Jedenfalls hat er eine gute Frauenmannschaft geformt. Im bedeutungslosen Gruppenspiel gegen Deutschland überzeugte Frankreich zwar nicht, da hatte Bini aber auch einige seiner wichtigsten Spielerinnen geschont. In den anderen Partien spielte die Equipe Tricolore beeindruckend. "Frankreich war besser, wir hatten unsere Taktik, sind aber gar nicht zurecht gekommen", sagte Englands Trainerin Hope Powell anerkennend. Und dennoch waren auch die Briten ganz nah dran an einem Sieg.

Bei den Britinnen liefen die Tränen

Denn bis zur 88. Minute der regulären Spielzeit lagen sie 1:0 in Führung (Jill Scott, 59.). Fast schon verzweifelt wirkten die Französinnen, die hoch überlegen waren und viele Chancen vergeben hatten. "Ich hatte das Gefühl, im falschen Film zu sein, an diesem Abend bin ich um 20 Jahre älter geworden", sagte Bini. Selbst als alles überstanden war, klopfte er nervös mit den Fingernägeln auf seine Schneidezähne, alte Erinnerungen hatten ihn geplagt. Denn Frankreich war schon beim ersten Turnier unter seiner Leitung ziemlich unglücklich im Elfmeterschießen eines Viertelfinales ausgeschieden. Vor zwei Jahren war das, bei der EM gegen Holland.

Nun drohte sich ein ähnliches Schicksal zu wiederholen. Mit letzter Kraft rettete sich Frankreich durch einen Treffer von Elise Bussaglia in die Verlängerung, um dann im Elfmeterschießen erneut einem Rückstand hinterher zu laufen. Doch offenbar ist auch im Frauenfußball Verlass auf den englischen Elfmeterfluch. Nach drei Treffern versagten den letzten beiden Schützinnen von der britischen Insel (Claire Rafferty und Faye White) die Nerven. Besonders Kapitänin White war verzweifelt nach diesem Schock, die Tränen liefen, als sie einsam in die Kabine ging.

Es ist schon seltsam mit den Engländern und dem Elfmeterschießen, die Männernationalmannschaft musste dieses finale Entscheidungsspielchen bei großen Turnieren sechs Mal mitmachen, fünf Mal schlichen sie danach besiegt und gedemütigt vom Feld. Nun beendeten die Frauen ihr zweites Elfmeterschießen nach dem EM-Finale 1984 zum zweiten Mal als Verliererinnen. "Wir haben das trainiert, aber leider ist es schief gegangen", sagte Powell, "das ist ein ganz mieses Gefühl".

"Meinetwegen auch gegen die Nationalmannschaft vom Mond"

Die Französinnen hüpften hingegen ausgelassen durch die Katakomben der Leverkusener Arena, sie kreischten, und umarmten jeden, der sich ihnen in den Weg stellte. Es waren Momente des puren Glücks, denn sie hatten einen dieser Siege erspielt, die ganz besonders süß schmecken. Ein Erfolg, der enorme Energien freisetzen kann. Natürlich waren die Französinnen die klar bessere Mannschaft, aber sie hatten in den Abgrund der Niederlage geblickt. "Wir hatten Angst", sagte die Fehlschützin Abily, "aber wir haben einen Wettbewerbsgeist".

In der Tat ist diesen Französinnen auch weiterhin viel zuzutrauen. Von allen WM-Teilnehmerinnen spielen sie den besten Kombinationsfußball. Bislang hat niemand etwas von ihnen erwartet. "Unser Ziel bleibt die Qualifikation für die Olympischen Spiele", sagte Bini. Dazu müsste das Team diese WM als eine der beiden besten europäischen Mannschaften beenden. Und die finale Frage der Pressekonferenz beantwortete der Trainer dann auf seine ganz eigene Art. Natürlich erkundigte sich jemand nach dem Wunschgegner fürs Halbfinale, und Bini meinte: "Das ist mir völlig egal, meinetwegen spielen wir auch gegen die Nationalmannschaft vom Mond."

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