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Nachruf Ademola Okulaja, 46

aus DER SPIEGEL 21/2022
Foto:

imago sport / Camera 4 / IMAGO

Das Leben sei für ihn »wie eine Baumkrone, die aus tausend Zweigen besteht«, so hat er es in seiner ruhigen, höflichen Art einmal beschrieben; immer wieder komme er an Gabelungen, und oft könne er dann selbst entscheiden, ob er nach links oder nach rechts gehe. Als Sportler traf Ademola Okulaja dabei häufig die richtige Wahl. Geboren in Lagos, Nigeria, der Heimat seines Vaters, kam er als Kleinkind mit seiner Mutter nach West-Berlin, lernte auf den Freiplätzen der Großstadt Basketball, ging erst als Teenager in einen Verein und schaffte es doch bis zum Nationalspieler. Okulaja war Kosmopolit, lebte in den USA, in Spanien, Russland, doch seine erfolgreichste Zeit hatte er in seiner Heimat. Mit Alba Berlin gewann er 1995 den Korać-Cup, es war der erste Europapokalsieg einer deutschen Vereinsmannschaft. 172-mal spielte er für Deutschland, als »eigentlicher Chef im Schatten Dirk Nowitzkis«, wie der SPIEGEL schrieb; jahrelang war Okulaja Kapitän des Teams, auch 2002, als es WM-Dritter wurde, das bislang beste deutsche Ergebnis. Nur an der letzten Abzweigung seiner Laufbahn wurde Okulaja die Entscheidung abgenommen: 2008 entdeckten Ärzte einen Tumor an seinem siebten Brustwirbel, der ihn zum Karriereende bewegte. Dem Sport blieb er erhalten, er betreute als Berater deutsche Nachwuchs- und Topspieler, doch die Erkrankung ließ ihn nie los. »Ich habe ein Abkommen mit meinem Körper«, sagte er 2010; er passe auf den Krebs auf und der Krebs auf ihn. Ademola Okulaja starb am 17. Mai in Berlin.

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