NBA-Gastspiel in China Zwischen Jubel und Protest

Keine Pressekonferenz, keine Hymnen, keine Interviews: Die Gastspiele der NBA in China finden trotz des Streits der Vortage um den Hongkong-Konflikt zwar statt - aber nur unter ungewöhnlichen Begleitumständen.

LeBron James und die NBA balancieren nicht nur mit dem Ball
Uncreited DPA

LeBron James und die NBA balancieren nicht nur mit dem Ball


Vereinzelte Proteste vor der Arena, ein verstärktes Polizeiaufgebot, aber auch Jubelstürme für Superstar LeBron James: Nach der tagelangen Kontroverse zwischen China und der NBA hat das Testspiel zwischen den Brooklyn Nets und den Los Angeles Lakers in Shanghai stattgefunden. Auch das für Samstag angesetzte Re-Match in Shenzhen ist weiter geplant.

Bis zum Spieltag schien auch eine Absage der Auftritte der NBA-Stars möglich. Seit gut einer Woche herrscht Zwist um einen Twitter-Eintrag von Daryl Morey. Der General Manager der Houston Rockets hatte im Sozialen Netzwerk seine Unterstützung für die pro-demokratischen Demonstranten in Hongkong zum Ausdruck gebracht und damit in China für Entrüstung gesorgt.

Dies zeigte sich auch rund um den 114:111-Sieg der Nets, als vereinzelte Protestierer vor der Halle Banner mit der Aufschrift "Fuck you Morey" und "Fuck you Adam Silver" hochhielten. Silver ist der Boss der NBA, der zuletzt das Recht auf freie Meinungsäußerung betont hatte.

Maulkorb für die Spieler

Die Spieler der Nets und der Lakers bekamen gewissermaßen einen Maulkorb verpasst. Alle üblichen Interviewmöglichkeiten vor und nach der Partie wurden gestrichen, eine geplante Pressekonferenz mit Silver abgesagt. Zudem wurden keine Nationalhymnen gespielt. Vor der Begegnung wurden chinesische Fahnen an Zuschauer verteilt, viele Fans trugen Trikots der NBA-Teams.

Eindeutige Aussagen rund ums Spiel
AFP

Eindeutige Aussagen rund ums Spiel

Silver hatte noch am Dienstag in einer Mitteilung erklärt, dass Werte wie Gleichheit, Respekt und freie Meinungsäußerung die NBA seit langem bestimmten - und dies auch weiterhin tun würden. Die NBA werde nicht regulieren, was Spieler, Mitarbeiter oder Team-Eigentümer zu Themen sagen oder nicht sagen, zu denen Menschen in aller Welt unausweichlich unterschiedliche Standpunkte vertreten.

Er bezog sich damit auf die in China heftig kritisierten Äußerungen Moreys. Dieser hatte auf Twitter ein Bild mit den Worten "Fight for Freedom - Stand with Hong Kong" veröffentlicht: Kämpft für die Freiheit, unterstützt Hongkong.

Banner von der Arena entfernt

Als Reaktion auf Moreys Tweet beendete der chinesische Basketballverband die Zusammenarbeit mit den Rockets. Der chinesische Staatssender CCTV verzichtete auf die eigentlich geplante Übertragung der Partie. Chinesische Unternehmen beendeten ihre Geschäftsbeziehungen mit der NBA. Moreys Twitter-Beitrag wurde inzwischen entfernt.

Am Mittwochmorgen wurden dann in Shanghai von Arbeitern meterhohe Banner von den Außenseiten der Mercedes-Benz-Arena abmontiert. Auf den Werbefolien waren James, Anthony Davis und Kyrie Irving zu sehen, über eine mögliche Absage wurde spekuliert.

Doch James und Co. begeisterten schließlich das Publikum. Für Irving blieb es allerdings bei einem Kurzauftritt. Der Star der Nets musste erneut mit einer Gesichtsverletzung das Feld verlassen.

aha/sid/dpa



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Meckerameise 11.10.2019
1.
Tja, das liebe süße heißbegehrte Geld auf der einen Seite, persönliche Freiheit, Meinungsfreiheit, freie Entfaltung, Toleranz auf der anderen...für blutiges chinesisches Geld beugen sich Wirtschaftsunternehmen mitunter freiwillig sehr tief und vergessen gerne mal, wem sie es eigentlich zu verdanken haben, dass sie global agieren können - beschweren sich aber natürlich vehement, wenn der heimische Staat im Westen Ansätze zeigt, irgendetwas beschränken oder regulieren zu wollen, wenn sie selben Unternehmen eine Machtstellung missbrauchen. Während Spitzensport im Westen mit Slogans punktet wie "say no to racism", hält man in China schnell die Klappe.
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