"Permanentes Infektionsrisiko" Nach Teilnahme an Anti-Corona-Demo - Bundesligaklub kündigt Spieler fristlos

Joshiko Saibou nahm am Wochenende an Protesten gegen die Corona-Maßnahmen der Regierung teil. Die Telekom Baskets Bonn kündigten ihm nun. Saibou spricht von einem "Schlag ins Gesicht der Meinungsfreiheit".
Joshiko Saibou im Februar

Joshiko Saibou im Februar

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BEAUTIFUL SPORTS/ Mueller-Laschet/ imago images

Basketball-Bundesligist Telekom Baskets Bonn hat Nationalspieler Joshiko Saibou nach seiner Teilnahme an der Großdemonstration gegen die Anti-Corona-Maßnahmen fristlos gekündigt. Wie der Verein auf seiner Website mitteilte , seien Verstöße "gegen Vorgaben des laufenden Arbeitsvertrags als Profisportler" der Grund dafür.

Welche Verstöße das im Detail gewesen seien, wurde nicht gesagt. Stattdessen wurde Bonns Geschäftsführer Wolfgang Wiedlich so zitiert: "Die Vereine der BBL arbeiten gerade akribisch an Hygienekonzepten für die Zuschauer in der nächsten Saison und an speziellen Arbeitsschutzrichtlinien für die Aktiven. Deshalb können wir ein permanentes Infektionsrisiko, wie es der Spieler Saibou darstellt, weder gegenüber seinen Arbeitskollegen in unserem Team noch gegenüber anderen BBL-Teams im Wettkampf verantworten."

Saibou reagierte am Abend via Instagram . "Wenn ich eine polarisierende Meinung habe, ist Gegenwind verständlicherweise vorprogrammiert. Daraufhin jedoch meinen Job zu verlieren, ist totalitär und ein Schlag ins Gesicht der Meinungsfreiheit", schrieb der Basketballer: "Ich habe immer geglaubt, bei den Telekom Baskets steht Toleranz an oberster Stelle, aber jetzt wird mir hiermit das Gegenteil bewiesen."

Am vergangenen Wochenende hatte Saibou mit seiner Freundin, der Weitspringerin Alexandra Wester, an der Protestaktion in Berlin teilgenommen. Im Kern der Demo stand der Protest gegen die Maßnahmen der Bundesregierung zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Viele Demonstranten hatten sich nicht an die Hygieneregeln gehalten, weshalb die Veranstaltung vorzeitig beendet worden war.

Auch Saibous Freundin Wester steht im Fokus

Saibou habe "wiederholt auf Social-Media-Kanälen seine Haltung zur Pandemie oder zum Virus an sich geäußert und am vergangenen Wochenende bei einer Großdemonstration auch praktiziert, indem er vorsätzlich gegen die bekannten Schutzregeln verstieß", hieß es seitens der Baskets Bonn dazu.

Im Mai publizierte der 30-Jährige ein Instagram-Video, in dem er sich zu dem Kommentar "Blatt vor den Mund" einen Mund-Nasen-Schutz aufsetzte. Weitspringerin Wester war ebenfalls durch krude Thesen aufgefallen. Ob sie nun ebenfalls berufliche Konsequenzen fürchten muss, ist derzeit noch unklar. Wester, ehemals Deutsche Hallenmeisterin, startet für den ASV Köln. Deren Geschäftsführer Alexander Mronz betont aber gegenüber dem SPIEGEL, dass man keinen Zugriff auf die Weitspringerin habe - da seit Oktober 2019 kein Vertragsverhältnis mehr bestehe. "Wir hatten schon im letzten Jahr enorme Schwierigkeiten mit ihr, weil sie sich an keine Regeln gehalten hat", sagt Mronz. Wester sei wiederholt nicht bei Terminen auf der ASV-Anlage erschienen, etwa, wenn sie mit Vereinsmitgliedern trainieren oder bei einer Siegerehrung Präsenz zeigen sollte. Deshalb habe man sich im Herbst getrennt.

Aber: "Leider hat es Frau Wester am Ende des letzten Jahres versäumt, sich einem anderen Verein anzuschließen", teilt Mronz mit. "Um dem Fortgang ihrer sportlichen Karriere nicht zusätzlich Schwierigkeiten zu bereiten, haben wir ihren Namen auf der offiziellen Verbandsmeldeliste weiter geführt." Damit hätte Wester unter anderem bei den Deutschen Meisterschaften starten können, die am Wochenende in Braunschweig stattfinden – doch ihr Name fehlt auf der Startliste. Damit sei das Kapitel Alexandra Wester eh bald erledigt, meint Mronz, denn: "Wir werden sie nach dieser Saison aus der Mitgliederliste streichen." Zudem betont der Vereinsgeschäftsführer, dass sich "der ASV ausdrücklich von Frau Westers Aussagen distanziert!".

DLV will erst mit Wester sprechen

Der Deutsche Leichtathletik-Verband will keine Maßnahmen gegen Wester ergreifen. "Unsere Sportler können jederzeit an Demonstrationen teilnehmen, denn das ist ihr Grundrecht", sagte Cheftrainerin Anett Stein auf dpa-Anfrage. Allerdings erwarte der DLV, dass sie sich wie alle Teilnehmer an die Regeln halte. "Wir reden derzeit noch nicht über Konsequenzen, sondern werden zunächst mit ihr darüber sprechen, um ihren Auftritt bei der Demonstration besser einordnen zu können", erklärte Stein. "Wir möchten verstehen, wie sie selbst diesen Vorgang bewertet." Der DLV wisse nicht, ob sich Wester an die Anordnungen gehalten habe, "falls nein, wäre dies von unserer Seite aus nicht zu akzeptieren."

Gesundheitsminister Jens Spahn hatte zuletzt scharfe Kritik an der Durchführung von Protesten geübt. "Ja, Demonstrationen müssen auch in Corona-Zeiten möglich sein. Aber nicht so", schrieb der CDU-Politiker auf Twitter. Abstand, Hygieneregeln und Alltagsmasken dienten dem Schutz aller. Die Pandemie sei nur "mit Vernunft, Ausdauer und Teamgeist" zu meistern.

Zur Demonstration aufgerufen hatte unter anderem die Initiative "Querdenken 711", die bereits seit Wochen in Stuttgart demonstriert. Nach Angaben von Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) riefen auch verschiedene Neonazi-Organisationen zur Teilnahme auf.

Der Deutsche Basketball Bund (DBB) sieht von Konsequenzen ab. "Wir als Verband distanzieren uns davon", sagte DBB-Präsident Ingo Weiss: "Wir akzeptieren aber auch, dass unser Nationalspieler Joshiko Saibou eine andere Meinung hat." Anders als beim Klub in Bonn haben die Spieler im Kreise der Nationalmannschaft aber auch nur unregelmäßig Kontakt.

mon/tne/ptz/sid/dpa
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