LA Lakers vor dem Start der NBA-Saison Sie sind jetzt noch stärker

Meister des Upgrades: Die Los Angeles Lakers gehen als klarer Titelfavorit in die neue NBA-Saison – auch dank Zugang Dennis Schröder. Droht nun Langeweile an der Spitze?
Lakers-Neuzugang Dennis Schröder im Spiel gegen Clippers-Mann Patrick Beverly am 11. Dezember in Los Angeles

Lakers-Neuzugang Dennis Schröder im Spiel gegen Clippers-Mann Patrick Beverly am 11. Dezember in Los Angeles

Foto: Hans Gutknecht / imago images/ZUMA Wire

Als es vorbei war, nach 95 Tagen in Isolation, da nutzte LeBron James den Höhepunkt der NBA-Saison auch zum Frustablassen. »Wir wollen einfach nur Respekt«, sagte der 35-Jährige, im Arm die Meistertrophäe. »Der Coach will seinen Respekt. Die Fans wollen ihren Respekt. Und auch ich will meinen verdammten Respekt.«

Gerade waren James und die Los Angeles Lakers NBA-Champions 2020 geworden, unerwartet überlegen, mit einem unerwartet gut funktionierenden Kader. Nur elf Prozent der General Manager hatten in der jährlichen Liga-Umfrage auf diesen Ausgang getippt.

Jetzt, ein Jahr später, glauben 81 Prozent, dass die Lakers wieder Meister werden.

Die Ursache dürfte weniger James' ikonische Forderung sein als die Tatsache, dass die Lakers der klare Gewinner der aktuellen Transferphase sind. Neben den Superstars LeBron James und Anthony Davis, der Anfang Dezember einen neuen Mega-Deal über fünf Jahre und 190 Millionen Dollar unterschrieb, verfügen die Lakers nun über vier weitere Topleute. Allen voran: Dennis Schröder.

Der deutsche Point Guard hat sich in den vergangenen zwei Jahren in Oklahoma City exzellent entwickelt und stößt als gereifter und ligaweit respektierter Spielmacher zum Champion: Schröder ist explosiv, er schließt stark unterm Korb ab, hat dazu seine Verteidigung verbessert – und seinen Dreier. Im Vorjahr traf er hervorragende 41,4 Prozent seiner Distanzwürfe unmittelbar nach Pässen. Um neben dem balldominanten James auf dem Feld stehen zu können und Gegenspieler fern der Zone zu binden, ist diese Qualität essenziell.

Lakers-Superstar LeBron James ist 35 Jahre alt – aber immer noch einer der besten NBA-Spieler

Lakers-Superstar LeBron James ist 35 Jahre alt – aber immer noch einer der besten NBA-Spieler

Foto:

Mark J. Terrill/ AP

Wenn der King wiederum Pausen benötigt, wird Schröder als erster Ballführer die schnelle Lakers-Offensive orchestrieren. Wie er seine Rolle formell ausfüllen wird, als Starter oder Bankspieler, bleibt noch offen. Klar ist, dass er zu beidem fähig ist: Als Starter in Atlanta bewegte sich Schröder am Rande einer Allstar-Nominierung, als Bankspieler wurde er im Vorjahr Zweiter bei der Wahl zum »Sixth Man of the Year«. Geschlagen wurde er einzig von Montrezl Harrell. Harrell spielt nun ebenfalls bei den Lakers.

Der »Big Man« kommt vom Stadtrivalen, den Clippers, womit man nicht nur sich selbst stärkte, sondern auch einen großen Konkurrenten schwächte. Zwar litt Harrells Ruf in den zurückliegenden Play-offs stark, weil er defensiv gegen groß gewachsene Gegenspieler nahezu unbrauchbar und offensiv unproduktiv war. Doch das ändert nichts an der Tatsache, dass er weiterhin ein agiler Werfer aus dem Pick and Roll ist, einem Standardspielzug, bei dem der nicht ballführende Angreifer den Laufweg des Verteidigers blockt, der den Ballführer deckt. So ist dieser dann in einer guten Wurfposition. Im Zusammenspiel mit Schröder oder James dürfte Harrell hervorragend funktionieren.

Marc Gasol und der elitäre Basketball-IQ

Zu den beiden besten Bankspielern der Vorsaison gesellen sich mit Marc Gasol und Wesley Matthews zwei weitere starke Zugänge. Der Center Gasol, dessen Bruder Pau bereits zwei Meisterschaften mit den Lakers gewann (2009, 2010), ist dreimaliger Allstar (2012, 2015, 2017), ehemaliger »Defensive Player of the Year« (2019) und NBA-Champion mit den Toronto Raptors (2019). Mit bald 36 Jahren liegen seine besten Tage zwar hinter ihm – anders als beim 30 Tage älteren (!) LeBron James – doch sein Basketball-IQ bleibt an beiden Enden des Feldes elitär.

Der Guard Matthews wiederum ist ein zuverlässiger Verteidiger und Distanzschütze, der Prototyp des LeBron-James-Mitspielers. Er dürfte zu jenen gehören, die neben James noch besser wirken, als sie tatsächlich sind. 

Im Gegenzug für all diese Upgrades gaben die Lakers nur drei relevante Kräfte ab: Der alternde und zuletzt inkonstante Guard Danny Green wanderte im Tausch für Schröder nach Oklahoma, dazu ließ die Franchise die vertragslosen Rajon Rondo und Dwight Howard bereitwillig ziehen. Zwar dürften die Erfahrung und Persönlichkeiten der drei Veteranen in der Kabine fehlen, doch rein sportlich sind ihre Konterparts um ein Vielfaches stärker.

LeBron James (l.) bei der Ankunft in Los Angeles nach dem Gewinn des NBA-Titels im Oktober

LeBron James (l.) bei der Ankunft in Los Angeles nach dem Gewinn des NBA-Titels im Oktober

Foto: Gene Blevins / imago images/ZUMA Wire

Dass die Lakers eine derart erfolgreiche Einkaufstour hinlegen konnten, liegt nicht nur, aber auch am Standort und dem Glamour der Franchise: Als LeBron James 2018 vor der Wahl eines neuen Arbeitgebers stand, war das Team an einem historischen Tiefpunkt, eine Lachnummer für viele. Mannschaften wie Charlotte, Detroit oder Utah hatten bessere Bilanzen aufzuweisen als die Lakers – doch James heuerte bei »Purple and Gold« an, um das Erbe von Kobe Bryant anzutreten (und seine geschäftlichen Verbindungen nach Hollywood zu stärken). Im Jahr darauf folgte mit Anthony Davis der nächste Superstar-Coup – und nun verstärkte man das ohnehin schon gute Team mit gleich vier wertvollen Rollenspielern, die anderswo hätten mehr verdienen können: Harrell etwa unterschrieb bei den Lakers für zwei Jahre und 18 Millionen Dollar. Für einen amtierenden Sixth Man of the Year ist das ein Schnäppchen.

Drohen nun also Bayern-artige Zustände in der NBA?

Dynastische Verhältnisse wären jedenfalls nichts Neues: Zwischen 2008 und 2010 erreichten die Lakers dreimal in Folge die Finals, anschließend schafften dies die Miami Heat (2011-2014) vier und die Golden State Warriors (2015-2019) sogar fünfmal. Nicht zu vergessen LeBron James, der mit Miami, Cleveland und den Lakers gar in neun der vergangenen zehn Finals stand.

Es gibt aber auch schlagkräftige Konkurrenz: etwa die Brooklyn Nets mit Kevin Durant und Kyrie Irving – vielleicht sogar bald mit James Harden. Oder die Milwaukee Bucks mit MVP Giannis Antetokounmpo, der gerade seinen Vertrag verlängert hat. Oder der Stadtrivale, die L.A. Clippers, mit Kawhi Leonard und Paul George. Sie alle könnten die Lakers erfolgreich herausfordern.

Unterm Strich aber bleibt der »Repeat«, die Titelverteidigung der Lakers, das wahrscheinlichste Szenario. Die Furcht der Liga ist bereits zu spüren. Oder besser: der Respekt.

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