Basketballstar Stephen Curry Das Lebenselixier der NBA

Eine Dreier-Show nach der anderen: Mit 33 Jahren befindet sich Stephen Curry in der Form seines Lebens. Mit seiner spektakulären Spielweise inspiriert er eine ganze Generation.
Ein Wurf, ein Tanz, ein breites Grinsen: Stephen Curry vereint Treffsicherheit und Showelemente

Ein Wurf, ein Tanz, ein breites Grinsen: Stephen Curry vereint Treffsicherheit und Showelemente

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Santiago Mejia / San Francisco Chronicle via Getty Images

Wenn Stephen Curry heiß läuft, dann verändert sich etwas. Zwar bleibt der Ball, den er dribbelt, derselbe. Und der Korb, auf den er wirft, auch. Aber während um ihn herum Basketball gespielt wird, zelebriert Curry Basketball.

»Es ist wirklich Kunst. Etwas Wunderschönes liegt darin«, sagte Steve Kerr, Coach der Golden State Warriors, in der Nacht auf Dienstag über die Leistung seines Superstars. »Niemand in der Historie des Spiels hat je getan, was er gerade tut.«

49 Punkte erzielte Curry gegen die Philadelphia 76ers. Es war das elfte Mal in Folge, dass er auf mehr als 30 Zähler kam. Keinem NBA-Spieler über 33 Jahren ist das bisher gelungen. Auch seine fünf Spiele mit mindestens 40 Punkten binnen eines Monats sind in seinem Alter unerreicht. Curry, zweifacher MVP (2015, 2016) ist in der Form seines Lebens. Mehr noch: Derzeit ist er das Lebenselixier der NBA.

Der beste Werfer der Geschichte

Der Point Guard kann eines besser als alle anderen: werfen. Vorzugsweise aus der Distanz. Gegen die 76ers traf er zum 21. Mal in seiner Karriere mindestens zehn Dreier. Einsamer Rekord. Sein Teamkollege Klay Thompson folgt ihm auf Platz zwei – mit gerade einmal fünf Spielen.

Curry ist zweifellos einer der besten Distanzschützen der NBA-Geschichte, doch die »Faszination Curry« beschreibt das nur bedingt. Schließlich erzählt es nicht von der Leichtigkeit, mit der er spielt, seinen Tänzchen und Späßchen, seinem Flair, und vor allem: von der Ekstase, die er unter Fans und Mitspielern auslöst. Ausgerechnet in der NBA mit ihren Hünen ist Stephen Curry – 1,91 Meter »klein« – der unterhaltsamste Spieler. Und aktuell scheint er wichtiger denn je.

Stephen Curry ist der beste Distanzschütze der NBA-Historie

Stephen Curry ist der beste Distanzschütze der NBA-Historie

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Mary Holt / USA TODAY Sports / REUTERS

Die NBA ist eine Show-Liga, sie lebt von Stars und Spektakel. Derzeit aber hat sie Probleme: Nicht nur bleiben die Arenen coronabedingt weitgehend leer, es fehlen auch noch etliche Namen, die gewöhnlich für gute Einschaltquoten sorgen: LeBron James, Anthony Davis, Kevin Durant, James Harden, Jamal Murray, Jimmy Butler, Donovan Mitchell, Klay Thompson – alle verletzt. Und diese Starausfälle sind nur die Speerspitze einer verletzungsgeplagten Saison.

Nun, da die Playoffs bevorstehen (Start am 22. Mai) und viele Teams in den Kraftsparmodus wechseln, droht der ohnehin schon mit sinkenden Quoten kämpfenden Liga endgültig die Unterhaltungsdürre – wäre da nicht Stephen Curry, die laufende Highlight-Maschine.

Quotengarant Curry

Der 33-Jährige hat einen neuen Archetyp des Spielmachers etabliert, mit wesentlichen Stärken in Distanzwurf und Ballführung. Wird Curry an der Dreierlinie nicht eng genug bewacht, steigt er sofort zum Wurf hoch. Wird er wiederum intensiv gedeckt, nutzte er sein reiches Arsenal an Dribbling-Moves und Körpertäuschungen, um seine Verteidiger abzuschütteln und in Korbnähe abzuschließen.

Am vergangenen Sonntag fanden die Boston Celtics auf diesen Mix keine Antwort. Curry erzielte 47 Punkte, traf elf von 19 Dreiern, noch dazu einen Zirkuswurf von höchstem Schwierigkeitsgrad. Garniert wurde die Vorstellung mit der typischen Curry-Coolness: Tanzeinlagen, Jubelgesten, Witzeleien, breites Grinsen.

Dass die Warriors das Spiel knapp verloren (114:119), dürfte den Großteil der Zuschauer nicht interessiert haben. 2,49 Millionen sahen sich die Curry-Show an, der höchste Wert seit Anfang Februar. Damals spielten die Brooklyn Nets gegen: Curry und die Warriors.

Dreier-Boom in der NBA

Im aktuellen Monat kommt der Spielmacher auf 40,8 Punkte pro Spiel. Mehr als die Hälfte von ihnen erzielte er per Distanzwurf, seine Trefferquote bei Dreiern beträgt – trotz vieler schwerer Abschlüsse – 50,3 Prozent. Zur Einordnung: Der Liga-Durchschnitt liegt bei 36,7 Prozent.

Als Curry 2009 in die Liga kam, wurde der Dreier noch anders eingesetzt. Behutsamer. 18,1 Distanzwürfe wagte ein Team durchschnittlich pro Partie. Heute sind es fast doppelt so viele (34,6). Allein Curry »nahm«, wie die Basketballer sagen, bisher in diesem Monat 14,3 Dreier pro Spiel.

Stephen Curry ist schwer zu verteidigen

Stephen Curry ist schwer zu verteidigen

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John Bazemore / AP

Dass die Spieler immer mehr auf Distanzwürfe setzen, liegt nicht nur, aber auch an Curry. Er hat gezeigt, was möglich ist, wenn man das Spiel neu denkt. Wenn man mehr Dreier als sonstige Würfe nimmt, aus dem Dribbling, aus vollem Tempo oder von weit hinter der Dreipunktelinie. All diese Würfe galten lange als zu schwer, um effizient zu sein. Curry bewies das Gegenteil – und inspirierte damit eine ganz Generation.

Junge Stars wie Trae Young oder Luka Doncic, aber auch Altersgenossen wie James Harden oder Damian Lillard – und selbst LeBron James – tragen Elemente in ihrem Spiel, die Curry kultiviert hat.

Curry allein reicht den Warriors nicht

Currys Wert für die NBA ist immens. Er ist ein Basketballer, der Entertainment und Effektivität organisch vereint. Nichts wirkt erzwungen bei ihm, er folgt seinem Flow. Als Kevin Durant von 2017 bis 2019 für Golden State spielte – kein besserer Werfer, aber ein besserer Spieler –, rückte Curry ohne öffentliches Lamentieren ins zweite Glied. Die Saison 2019/2020 verpasste er verletzungsbedingt fast komplett. Nun ist er zurück – und spielt dominanter denn je.

Kürzlich überholte Curry die NBA-Legende Wilt Chamberlain, nun ist er der beste Scorer in der Franchise-Geschichte der Warriors. Mit 31,4 Punkten pro Spiel führt er die Liga überdies im Scoring an, noch dazu gilt er als heißer MVP-Kandidat. Nur der Teamerfolg dürfte ausbleiben: Die Warriors sind Neunter im Westen, abseits von Curry und ohne den verletzten Thompson fehlt Golden State das Talent.

Für die NBA ist selbst das gut. Denn aktuell sieht es danach aus, als würde Curry das neueste Projekt der Liga promoten: das Play-In-Tournament.

Ab diesem Jahr sind nur noch die ersten sechs Teams jeder Konferenz für die Playoffs qualifiziert. Dahinter streiten sich vier Mannschaften in einem K.-o.-Turnier um die verbliebenen zwei Tickets. Der neue Modus ist umstritten, aber klar ist: Wo Stephen Curry spielt, werden die Leute hinsehen.