NBA-Neustart in Disney World Im Haus der Maus

In Florida geht die NBA-Saison nach monatelanger Corona-Pause weiter - ohne Fans und Heimvorteil, dafür aber mit einigen Veränderungen. Vor allem einzelne Spieler haben mächtig an ihrer Form gearbeitet.
In Disney World stehen Hotels und Sportanlagen bereit

In Disney World stehen Hotels und Sportanlagen bereit

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Ashley Landis/ AP

Fast fünf Monate sind vergangen, seitdem in der NBA zuletzt Basketball gespielt wurde. In der Nacht geht es weiter mit der Saison 2019/2020, allerdings unter besonderen Umständen: 22 von 30 Teams wurden in Disney World bei Orlando, Florida einquartiert, um den Meister auszuspielen. Dazu gibt es zunächst acht Spiele, um die finalen Playoff-Plätze zu ermitteln. Wer in der regulären Saison oben stand, hat in der K.-o.-Phase Heimvorteil - zumindest wäre das normalerweise so.

In der NBA-Blase von Orlando sieht dieser Heimvorteil so aus: Auf dem Court klebt das eigene Logo, man spielt im Heimtrikot und überhaupt ist alles in den Klubfarben gehalten. Fans sind nicht zugelassen. Im Grunde findet die restliche Saison auf neutralem Boden statt.

Für einige Teams wird die sterile Umgebung ohne Zuschauer eine Schwächung sein. Die Houston Rockets 1995 sind bis heute der einzige Meister, der in keiner Playoff-Runde Heimvorteil hatte. 129 Mal ist es in den NBA-Playoffs zu einem entscheidenden, siebten Spiel gekommen, 103 Mal hat der Gastgeber gewonnen. Ohne Fans verschwindet der Heimvorteil, Überraschungen werden wahrscheinlicher. In der Fußball-Bundesliga häuften sich die Überraschungen sogar, obwohl die Teams immerhin noch im eigenen Stadion spielen durften.

Aktuell erinnert die Atmosphäre in der NBA-Blase von Orlando an ein Studentenwohnheim, wie die zahlreichen Foto- und Videoschnipsel der Profis in den sozialen Netzwerken zeigen. Es gab sogar schon Wettkämpfe im Bierdosenstechen . Jeder Spieler hat zwar ein Hotelzimmer als eigenes, kleines Reich, doch das gesamte Team wohnt entlang eines langen Flures. Bei Mahlzeiten, bei Corona-Tests, beim Angeln, am Swimmingpool - überall laufen sich Spieler über den Weg, auch von gegnerischen Teams.

Zeit für Veränderungen

Die Umgebung ist nicht die einzige Neuheit beim NBA-Neustart. Nach Monaten Spielpause, die sonst nur im Sommer zwischen den Saisons herrscht, gibt es jedes Jahr einige Spieler, die kaum wiederzuerkennen sind. Die "Offseason" ist die Zeit für Entwicklung und Veränderung in der NBA, deren 82-Spiele-Kalender kaum weitere Belastung über den Spielbetrieb hinaus zulässt. Also nutzen viele Profis den Sommer, um an sich zu arbeiten.

Einige feilen an spezifischen Facetten wie etwa dem Distanzwurf, meist junge Spieler nehmen Muskelmasse zu, ältere verlieren wiederum Gewicht, um langfristig ihre Knie und Knöchel zu schonen, wieder andere nutzen die freie Zeit, um ihre Ernährung oder den Schlafrhythmus umzustellen. Es kann natürlich auch andersrum laufen - und ein Spieler gerät im Sommer außer Form.

Das beste Beispiel ist der Center Nikola Jokic, der nicht gerade als Topathlet bekannt ist. Zu Saisonbeginn hatte der All-Star von den Denver Nuggets Übergewicht und zeigte schlechte Leistungen, erst nach ein paar Monaten spielte Jokic wieder auf dem gewohnten Niveau. Die Corona-Pause hat er offenbar auf dem Laufband verbracht.

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Jokic ist nicht der Einzige, der mit seiner neuen Statur Aufsehen erregt. Marc Gasol  von den Toronto Raptors und Carmelo Anthony  von den Portland Trailblazers sind nur zwei weitere Beispiele. Diese drei Spieler haben vor allem eines gemeinsam: Sie gehören zu den Spitzenverdienern ihrer jeweiligen Teams.

Nicht jeder hat ein eigenes Fitnessstudio

Während Stars auf ihren Anwesen häufig Krafträume oder sogar ganze Basketballplätze haben, mussten sich Liganeulinge, die zwar gut verdienen, aber keine Multimillionäre sind, andere Lösungen suchen. Monatelang waren durch die Pandemie die Einrichtungen der Teams und öffentliche Fitnessstudios geschlossen. Einige Spieler besaßen ihren Instagram-Posts zufolge nicht einmal einen Korb auf ihrer Auffahrt, um allein zu trainieren. Allzu groß werden die Unterschiede nicht sein, doch einige Spieler hatten es definitiv einfacher, in Form zu bleiben.

Die Profis, die es am schwersten hatten, waren wohl die mit einer Covid-19-Infektion - und das sind nicht wenige. Fast jedes Team hatte mindestens einen Corona-Fall, teilweise waren wichtige Leistungsträger betroffen wie auch Jokic, der sich in Serbien infiziert hatte. Deutlich an Gewicht verloren hatte Jokic aber schon vor der Infektion. Von den erkrankten Spielern haben einige für Disney World abgesagt, manche erholen sich erst noch von der Infektion, andere sind schon wieder in voller Fahrt.

In welcher Form die 22 Mannschaften aufeinandertreffen, ist kaum vorherzusagen. Die Favoriten dürften aber weiter die Mannschaften sein, die im März ganz oben standen. Im Osten waren das die Milwaukee Bucks. Im Westen waren das die beiden Teams aus Los Angeles, die Lakers und Clippers, die auch in der Nacht (3 Uhr, Stream: DAZN) antreten.