Mavericks-Star Doncic in den NBA-Playoffs Noch mehr Alleinunterhalter, als es Nowitzki je war

Dirk Nowitzki führte die Mavericks 2011 zu ihrem bis heute einzigen NBA-Titel. Nun könnte der zweite hinzukommen – dank Luka Doncic. Der 23-Jährige ist sogar dominanter als einst Nowitzki. Das könnte zum Problem werden.
Luka Doncic

Luka Doncic

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Ron Jenkins / Getty Images

Dirk Nowitzki will es gewusst haben.

»Was habe ich euch gesagt?«, schrie er freudestrahlend in Richtung einiger Spieler. Gerade hatte sein ehemaliges Team, die Dallas Mavericks, die Phoenix Suns besiegt und so die Conference Finals erreicht – erstmals seit dem Titelgewinn 2011. Wenige Augenblicke später hatte Nowitzki den überragenden Mann im Arm: Luka Doncic.

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Der herzliche Austausch zwischen dem ehemaligen und dem aktuellen Superstar der Franchise hatte Symbolcharakter.

Die Art, wie Doncic die Mavericks derzeit durch die Playoffs trägt, erinnert an Nowitzkis spektakulären Titel-Run vor elf Jahren. Damals war der heute 43-Jährige Dallas' Schlüsselspieler gewesen, das Gesicht des ersten und bislang einzigen NBA-Titels in der Klubgeschichte.

Die Hoffnung darauf, dass nun der zweite hinzukommt, ruht auf Doncic. Zugleich warfen die ersten beiden Spiele in den derzeit laufenden Conference Finals gegen die Golden State Warriors auch eine Frage auf. Ist Dallas zu abhängig von seinem Superstar?

Mit 0:2 liegen die Mavericks dort zurück, in der Nacht auf Montag findet das dritte Spiel statt, erstmals in Dallas (3 Uhr; Stream: DAZN). Der sportliche Abstand zwischen beiden Teams war bislang groß. Dabei hatten sich die Mavs kurz zuvor in herausragender Form präsentiert.

123:90 hatten sie die Suns im finalen Spiel auseinandergenommen, ein Sieg wie ein Erdrutsch. Als Underdog angetreten, hatte Dallas den Vorjahresfinalisten dominiert, nie zuvor war die Punktedifferenz in einem entscheidenden siebten Playoff-Spiel so hoch. Vor allem Doncic war nicht zu stoppen: Schon zur Halbzeit hatte er 27 Punkte auf dem Konto – genau so viele wie das gesamte Suns-Team.

Ob ihm das bewusst gewesen sei, wurde er anschließend gefragt. Der Slowene schwieg einen Moment, ehe sich ein verschmitztes Lächeln auf sein Gesicht stahl. »Natürlich!«

Ein typischer Doncic.

Die Sympathien der Fans sichert sich Doncic mit seiner lausbubenhaften Attitüde

Die Sympathien der Fans sichert sich Doncic mit seiner lausbubenhaften Attitüde

Foto: Steph Chambers / Getty Images

Er ist nicht der Elder Statesman, nicht der Musterprofi, den Nowitzki verkörperte. Wo sich dieser mit Mentor Holger Geschwindner froschhüpfend durch die Sommerpausen quälte, kam Doncic schon mal außer Form zum Saisonstart. Und wo Nowitzki durch Bescheidenheit und Gleichmut auffiel, sichert sich Doncic die Sympathien vieler Fans mit einer lausbubenhaften, teils aufsässigen Attitüde. Was diese so unterschiedlichen Menschen vereint, ist ihre Fähigkeit, ihr Team in der Offensive zu schultern.

Der zweitbeste NBA-Wert hinter Michael Jordan

31,4 Punkte erzielt Doncic durchschnittlich in den diesjährigen Playoffs. In seiner gesamten NBA-Karriere sind es sogar 32,5 Punkte. Das ist der zweitbeste Wert der Geschichte – hinter Michael Jordan (33,4). Zwar resultiert Doncics Bilanz nicht aus 179 Spielen wie bei Jordan – es sind lediglich 25 – doch trotzdem zeigt diese Ausbeute die enorme Feuerkraft des erst 23-Jährigen. Obwohl gegnerische Verteidigungen ihren Matchplan nach dem Slowenen ausrichten und sich in den Playoffs über mehrere Spiele auf ihn einrichten können, ist er kaum aufzuhalten.

Mit einer der stärksten Verteidigungen der Liga waren die Phoenix Suns in das Match-up gegen Dallas gegangen, und doch fanden sie kein Mittel gegen Doncic: Unerwartete Drehungen, Täuschungen, Ballfinten – immer wieder brachte er seine Gegenspieler spektakulär aus der Balance.

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Seine Variabilität und seine Fähigkeit, aus dem Dribbling für sich selbst und andere zu kreieren, hatte Nowitzki nie. Doch immer öfter bedient sich der Youngster einer Technik, die der Deutsche revolutioniert hat: dem Low Post.

Dabei drängt Doncic seinen Gegenspieler mit dem Rücken Richtung Zone, wobei ihm seine zwei, drei Extra-Kilos helfen. Ist der Verteidiger seiner Wucht nicht gewachsen, reicht eine Drehung für einen relativ leichten Abschluss. Hält er ihm stand, setzt Doncic mitunter zum Paradewurf Nowitzkis an: dem One-legged Fadeway, einem einbeinigen Sprungwurf im Nach-hinten-Fallen. Nur wenige aktuelle NBA-Spieler beherrschen diesen von Nowitzki geprägten Abschluss besser als Doncic.

Immer am Ball: Luka Doncic

Immer am Ball: Luka Doncic

Foto: Al Bello / Getty Images

Neben dem Scoring trägt Doncic auch als Spielmacher die Hauptlast in der Mavericks-Offense: Fast jeder Angriff läuft über ihn und endet in der Regel mit einem Abschluss des Slowenen oder einem Pass hinter die Dreierlinie, wo die vielen Schützen des Teams lauern.

Kleber und die Geheimwaffe

40,9 Dreier pro Partie nimmt Dallas in den Playoffs, der mit Abstand höchste Wert aller Teams. Zwar schwankt die Trefferquote von Spiel zu Spiel, doch der Durchschnitt von 37,2 Prozent ist stark. Großen Anteil daran hat Nationalspieler Maxi Kleber, der bei einem beachtlichen Volumen von 4,5 Abschlüssen auf 47,6 Prozent erfolgreiche Dreier kommt – Bestwert im Team. Kleber, der als Center oder Power Forward spielt, bindet oft den besten großen Verteidiger des Gegners an der Dreierlinie und verschafft Doncic so Platz unter dem Korb.

Mindestens ebenso wichtig für Dallas' Erfolg ist die Defense. Nur 102,6 Punkte pro Spiel erlaubte man den Utah Jazz (4:2) und den Suns (4:3) in den ersten beiden Playoff-Runden. Von den verbliebenen Teams verteidigen nur die Miami Heat (100,5) erfolgreicher.

Dreier und Verteidigung, auch das sind Parallelen zum Mavericks-Run 2011: Zwar hatten Nowitzki und Doncic mit Jason Terry (17,5 Punkte) und Jalen Brunson (22,3) solide Scorer an der Seite, doch ihre Co-Stars sind beziehungsweise waren das Shooting und die Defense des Teams. Das weiß auch Doncic. Im Anschluss an sein »Natürlich«-Statement sprach er nicht über sich selbst, sondern über die »phänomenale« Verteidigung seiner Kollegen.

Damals die meisten Assists für Nowitzki, heute die Ansagen für Doncic: Mavericks-Coach Jason Kidd

Damals die meisten Assists für Nowitzki, heute die Ansagen für Doncic: Mavericks-Coach Jason Kidd

Foto: JOHN G. MABANGLO / EPA

Was passiert, wenn einer dieser Co-Stars nicht liefert, zeigte sich in Spiel eins der Conference Finals: 87:112 wurde Dallas von den Warriors geschlagen, hauptsächlich, weil die Dreier nicht saßen. So konnte sich der Gegner zunehmend darauf konzentrieren, Doncic den Weg in die Zone zu versperren. Hatte er mit 18 Punkten im ersten Durchgang noch gut dagegengehalten, kam in Halbzeit zwei nur noch ein einziger erfolgreicher Abschluss dazu.

Spiel zwei verlief knapper, doch auch dieses verloren die Mavericks (117:126), und das trotz eines Super-Doncic’ (42 Punkte) und eines gut fallenden Dreiers. Anders als Nowitzki, der 2011 in den Conference Finals auf einen unerfahrenen Gegner traf, Oklahoma City Thunder, bekommen es die Mavs diesmal mit einem Topgegner zu tun. Mit dem noch immer intakten Teamkern aus Steph Curry, Klay Thompson und Draymond Green gewann Golden State bereits drei Meisterschaften (2015, 2017, 2018).

Ein Doncic allein wird nicht reichen

Ab einem gewissen Niveau ist selbst ein Über-Doncic zu wenig. Zwar musste auch Nowitzki oft den Alleinunterhalter mimen, doch im Vergleich hatte er 2011 wesentlich stärkeren Support: Die meisten Assists im Team gab Jason Kidd, jetzt Coach der Mavericks. Die meisten Steals ebenfalls. Bester Rebounder war Tyson Chandler. Nowitzki mag der überragende Spieler gewesen sein, aber die Nebenrollen waren exzellent besetzt.

Im aktuellen Mavs-Team steht in all diesen Kategorien derselbe Name an der Spitze: Luka Doncic.

Bei all den Parallelen zum Titeljahr 2011 ist das ein signifikanter Unterschied. Wahrscheinlich ist er auch der entscheidende in der Frage, ob Dallas in diesem Jahr das beste NBA-Team ist.