US-Sport und Corona Kyrie Irving und der Streit um ungeimpfte Spieler in der NBA

Mehr als 90 Prozent der Basketballer in der NBA sind geimpft. Aber kurz vor dem Saisonstart entbrennt eine Debatte über diejenigen, die sich weigern. Im Zentrum steht New Yorks Starspieler Kyrie Irving.
Kyrie Irving war siebenmal NBA-Allstar und spielt aktuell für die Brooklyn Nets. Er gilt als Impfskeptiker

Kyrie Irving war siebenmal NBA-Allstar und spielt aktuell für die Brooklyn Nets. Er gilt als Impfskeptiker

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Tony Gutierrez / AP

Drei Wochen vor dem Start in die neue NBA-Saison wird die Debatte über die Coronaimpfungen für Spieler immer kontroverser geführt. Einer, der dabei im Mittelpunkt steht, ist der siebenmalige Basketball-Allstar Kyrie Irving von den Brooklyn Nets. Der 29-Jährige gilt als Impfskeptiker.

Nun hat ihn der New Yorker Bürgermeister Bill de Blasio dazu aufgefordert, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen. »Ich bin ein Fan von Kyrie. Ich möchte einfach an ihn appellieren – lass dich impfen«, sagte de Blasio im US-Sender CNN. Die Fans würden Irving sehen wollen. »Wir alle wollen dich zurück, deine Teamkollegen wollen dich zurück«, fügte de Blasio hinzu.

New Yorks Stadtoberhaupt hatte im August verfügt, dass ungeimpfte Profisportler in New Yorker Innenräumen weder trainieren noch spielen dürfen. Für Irving könnte dies bedeuten, dass er kein einziges der mindestens 41 Heimspiele für Brooklyn bestreiten darf.

Bekannt für unkonventionelles Denken

Am Medientag des NBA-Teams aus New York war Irving am Montag nicht persönlich dabei, sondern nur via Zoom zugeschaltet – vermutlich wegen des verfügten Coronaprotokolls, so berichteten US-Medien . Irving wurde von den Reportern gefragt, ob er geimpft sei: »Ich möchte das für mich behalten«, antwortete er. »Das war das Letzte, was ich wollte. Noch mehr Ablenkung und Drama rund um dieses Thema.«

Irving ist für unkonventionelles Denken bekannt. Vor Jahren behauptete er, dass die Erde »eine Scheibe« sei. Später entschuldigte er sich dafür . Der »Rolling Stone« berichtet nun davon , dass der Point Guard vor Kurzem damit begonnen habe, Instagram-Posts eines Verschwörungstheoretikers zu verfolgen und zu liken, der behauptet, dass »Geheimgesellschaften« Impfstoffe implantieren, um Schwarze für einen »Plan des Satans« mit einem Hauptcomputer zu verbinden.

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Mehr als 90 Prozent der Spieler sollen geimpft sein

Auch in anderen US-Ligen wird das Thema Impfen groß debattiert. In der NBA sind laut einem Bericht der »New York Times«  mehr als 90 Prozent aller Spieler mindestens einmal geimpft (in der WNBA, der Basketballliga der Frauen, sind es sogar 99 Prozent ). Eine Impfpflicht, wie es die Liga geplant hatte, gibt es für Profis aber nicht. Sie scheiterte auch am Widerstand der Spielergewerkschaft. Schiedsrichter, Trainer und Mitglieder des Teamstaffs hingegen müssen sich impfen lassen. Das führt offenbar zu Diskussionen innerhalb der Liga.

Der Sender ESPN berichtete am Montag von Spannungen zwischen Teammitarbeitern, die einer Impfpflicht unterliegen, und den Impfverweigerern unter den Spielern. »Jeder, der geimpft ist, sollte sauer auf diejenigen sein, die es nicht sind«, wird ein anonymer Assistant Coach zitiert. »Nicht zu verlangen, dass NBA-Spieler geimpft werden, ist Pferdescheiße.«

Andrew Wiggins von den Golden State Warriors

Andrew Wiggins von den Golden State Warriors

Foto: Jeff Chiu / AP

Laut Medienberichten sollen rund 40 NBA-Spieler bisher nicht geimpft sein. Neben Irving sollen auch Bradley Beal (Washington Wizards) und Andrew Wiggins (Golden State Warriors) zu dieser Gruppe gehören. Wiggins spielt mit seinem Team in San Francisco. Auch dort dürfen ungeimpfte Spieler nicht an Veranstaltungen in Innenräumen teilnehmen. Wiggins hatte aus religiösen Gründen eine Ausnahmegenehmigung beantragt, die NBA lehnte dies aber ab.

Darf er wie Irving wirklich nicht an den mindestens 41 Heimspielen teilnehmen, würde Wiggins auf 14,35 Millionen US-Dollar an Gehalt  verzichten müssen. Pro Spiel streicht er 350.000 Dollar (vor Steuern) ein. »Jeder Spieler, der sich entscheidet, die örtlichen Impfvorschriften nicht zu erfüllen, wird für die Partien, die er verpasst, nicht bezahlt«, sagte kürzlich ein NBA-Sprecher.

Öffentliche Kritik von aktuellen Kollegen gibt es nicht an Kyrie Irving. »Das ist Kyries Sache und seine persönliche Entscheidung«, sagte Irvings Teamkollege Kevin Durant. Jayson Tatum von den Boston Celtics, der selbst an Corona erkrankte, sagt: »Es ist deine eigene Entscheidung. Ich verstehe die Bedenken derer, die nicht geimpft sind. Es geht um ihre Gesundheit.«

NBA-Superstar LeBron James hat sich nach anfänglicher Skepsis nun impfen lassen

NBA-Superstar LeBron James hat sich nach anfänglicher Skepsis nun impfen lassen

Foto: JAVIER ROJAS / imago images/ZUMA Wire

Anders klingt es bei NBA-Legende Kareem Abdul-Jabbar. Dem »Rolling Stone« sagte er: »Die NBA sollte darauf bestehen, dass alle Spieler und Mitarbeiter geimpft sind, oder sie sollten nicht beim Team sein. Es gibt keinen Platz für Spieler, die willentlich die Gesundheit und das Leben ihrer Mitspieler, des Staffs oder der Fans riskieren, nur weil sie nicht in der Lage sind, die Ernsthaftigkeit der Situation zu begreifen oder die erforderliche Recherche zu betreiben.«

LeBron James denkt um

Ein besonders prominenter Spieler hat zum Thema Impfung nun seine Meinung geändert: Superstar LeBron James hatte am Dienstag mitgeteilt, dass auch er sich mittlerweile hat impfen lassen. Zuvor sei er selbst skeptisch gewesen. »Nachdem ich meine Recherchen gemacht habe, hatte ich das Gefühl, es ist nicht nur das Beste für mich, sondern auch für meine Familie und Freunde. Deswegen habe ich entschieden, das zu tun«, sagte der Profi der Los Angeles Lakers. »Aber ich spreche nicht über andere Leute und was sie tun sollten. Ich spreche für mich.«

In der deutschen Basketball-Bundesliga (BBL) ist die Impfbereitschaft unter den Spielern offenbar deutlich größer. Von lediglich einem nicht geimpften Profi sprach BBL-Geschäftsführer Stefan Holz kürzlich.

mey/dpa
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