Umstrittene Trainingsmethode Deutsche Reiterliche Vereinigung will das Touchieren verbieten

Ein Video über Reitstar Ludger Beerbaum hatte das Thema ins Rampenlicht geholt. Nun soll die Trainingsmethode, bei der Pferde mit einer Stange an den Beinen berührt werden, verboten werden. Beerbaum reagierte bereits.
Ludger Beerbaum: Kann das Verbot des Touchierens »gut nachvollziehen«

Ludger Beerbaum: Kann das Verbot des Touchierens »gut nachvollziehen«

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Henning Bagger/ dpa

Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) will die umstrittene Trainingsmethode des Touchierens von Springpferden verbieten. Das entschied das Präsidium der FN und folgt damit der Empfehlung der Kommission für Ausbildungsmethoden. Die Regeländerung solle Anfang Mai umgesetzt und dann wirksam werden, sagte FN-Generalsekretär Soenke Lauterbach.

Die derzeit noch erlaubte Praxis des Touchierens ist umstritten. In den FN-Richtlinien heißt es bislang, dass es sich »um ein fachgerechtes Sensibilisieren des Pferdes durch gezieltes Berühren der Pferdebeine im Sprungablauf« handelt. Die dafür genutzten Stangen müssen ein glattes Rundholz, nicht mehr als drei Meter lang und nicht schwerer als zwei Kilo sein. Das Touchieren dürfe nur durch erfahrene Pferdefachleute angewendet werden. Trainer versprechen sich von der Methode, dass die Pferde aufmerksamer im Parcours werden, weniger Fehler machen und damit erfolgreicher sind.

Bereits verboten ist das Barren, bei dem mit einer Stange an die Beine geschlagen wird. Es sei »schwer zu vermitteln, wo die Grenzen sind«, sagte der FN-Generalsekretär.

Fernsehbeitrag über Ludger Beerbaum sorgte für Wirbel

Vor einigen Wochen hatte ein Beitrag in der Sendung »RTL Extra« für Wirbel gesorgt. Darin war dem viermaligen Olympiasieger Ludger Beerbaum vorgeworfen worden, das Barren bei seinen Springpferden angewandt zu haben. Beerbaum hatte sich vehement gegen die Anschuldigungen gewehrt und betont, dass es sich um erlaubtes Touchieren handele.

FN-Generalsekretär Lauterbach betonte, dass die Kommission für Ausbildungsmethoden sich bereits vor dem RTL-Beitrag mit dem Thema beschäftigt habe. Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft Münster in dem Fall, die Ermittlungen dürften aber noch Monate dauern.

Beerbaum: fachgerechtes Touchieren sei »nicht tierschutzrelevant«

Jetzt sagte Beerbaum in einer Mitteilung, dass er das Verbot des Touchierens »gut nachvollziehen« könne. »Wenngleich aus meiner Sicht eine differenziertere Betrachtungsweise auch möglich gewesen wäre.« Wie der Reit-Verband findet Beerbaum, dass fachgerechtes Touchieren »nicht tierschutzrelevant« sei. Es sei »aufgrund der Komplexität in der Ausübung des Touchierens« sehr schwer zu vermitteln, wo die Grenze des bisher Erlaubten liege, sagte Beerbaum.

Innerhalb der FN hatte es zuletzt heftige Debatten gegeben, ob das Touchieren weiter erlaubt sein soll. Der Verband gab in seiner Mitteilung an, dass die Empfehlung der Kommission für Ausbildungsmethoden an die Verbandsspitze einstimmig gewesen sei. Intern hatten aber viele Reiter, Züchter und Verbandsfunktionäre darauf gedrängt, die Methode weiter zuzulassen. Sie befürchteten, dass deutsche Reiter und deutsche Pferde ohne Touchieren den Anschluss an die Weltspitze verlieren könnten.

Ausschlaggebend für das Votum dürfte jetzt gewesen sein, dass der Internationale Reiterverband, die FEI, Touchieren schon vor Jahren verboten hat. Vor dem Hintergrund des Falls Beerbaum hätte die FN gegenüber den Tierschutzbeauftragten in den Ländern einen schlechten Stand gehabt, wenn sie die Methode weiterhin in der Ausbildung der Pferde erlaubt hätte.

Beerbaum ist viermaliger Olympiasieger und Gewinner zahlreicher WM- und EM-Medaillen im Springreiten.

vgl/ulu/dpa
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