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DOPING Beichten aus dem Schattenreich

Der Radsport erlebte in den vergangenen Tagen ein beispielloses Massen-Outing: Gleich fünf ehemalige Profis aus dem Team Telekom und zwei Freiburger Ärzte beichteten ihre Epo-Sünden. Aber reicht das, um eine verseuchte Branche zu retten?
aus DER SPIEGEL 22/2007

Die ersten Warnungen kommen mittags. Es sind Anrufe, die Angst machen sollen, SMS-Botschaften, die drohen. Am Abend will Bert Dietz in einem Hamburger Fernsehstudio in der Talkshow »Beckmann« über seine Doping-Erfahrungen im Team Telekom der neunziger Jahre berichten. Es sind Anrufe, die man nicht so einfach vergessen und abschütteln kann. Sie kommen aus dem Schattenreich des Radsports, und sie wollen verhindern, dass Bert Dietz auspackt.

Man braucht Mut, um sich davon nicht beeindrucken zu lassen. Manchmal sieht es an diesem Nachmittag so aus, als ob Dietz der Mut verlasse. Er ist nervös, seine Berater sind es auch. Sie wollen, dass er nur über die Doping-Ärzte der Freiburger Klinik sprechen wird und über seine eigenen persönlichen Erfahrungen, aber ansonsten keine Namen nennt.

Ein paar Stunden später sitzt Dietz dann endlich im Studio, schwarzer Nadelstreifenanzug, weißes Hemd, und erzählt. Er ist der erste deutsche Radprofi, der gesteht, was alle immer schon vermuteten: dass im Team Telekom systematisch gedopt wurde und die Freiburger Ärzte Andreas Schmid und Lothar Heinrich es organisierten.

Am Tag danach, so scheint es, gibt es keine Omertà mehr im Radsport.

Nachmittags meldet sich der ehemalige Telekom-Profi Christian Henn, der heute Sportlicher Leiter des Teams Gerolsteiner ist, und bestätigt die Ausführungen von Dietz. Auch er habe mit Epo gedopt, auch er verzichtet darauf, Namen zu nennen. Die Freiburger Klinik gibt zu gleicher Zeit bekannt, dass die zwei belasteten Ärzte freigestellt werden. Am Mittwochabend lassen die Freiburger Ärzte Schmid und Heinrich über ihre Anwälte erklären, dass sie seit den neunziger Jahren das Doping im Team Telekom unterstützt haben und wohl auch, wie es in einer ersten Version hieß, im Nachfolge-Team T-Mobile, das 2004 gegründet wurde. Gleichzeitig bekennt der ehemalige Telekom-Profi Udo Bölts im Fernsehen seine Sünden. So absurd ist dieser Abend, dass Harald Schmidt als Running Gag seine Show nach den »Tagesthemen« mit immer neuen Doping-Enthüllungen unterbrechen lässt. Und am Donnerstagmorgen überschlagen sich die Ereignisse. Erst gibt die Freiburger Klinik die Entlassung der beiden Ärzte bekannt, dann verkündet der Sponsor des Rad-Teams Wiesenhof-Felt das Ende seines Engagements, und schließlich kommt es zu einer Doppelbeichte in der T-Mobile-Zentrale in Bonn. Auf dem Podium sitzen die ehemaligen Telekom-Fahrer Rolf Aldag und Erik Zabel, ARD und ZDF übertragen live.

Plötzlich hat das Land ein weiteres großes Thema, neben den toten Soldaten in Afghanistan, dem G-8-Gipfel in Heiligendamm: Doping im Radsport und weinende Fahrer.

Fehlt nur noch, dass sich nun auch noch Jan Ullrich bekennt.

Es ist, als ob in nur wenigen Tagen dieser Woche ein System zusammenbricht, das mehr als 40 Jahre lang funktioniert hat.

Wie kriminell und mafios dieses System ist, hat der belgische Radsport-Pfleger Jef D'hont vor drei Wochen in einer SPIEGEL-Titelgeschichte (18/2007) ausführlich geschildert. D'hont war von 1992 bis 1996 Pfleger beim Team Telekom, er hat seit Mitte der sechziger Jahre in einer Vielzahl von Teams als Soigneur gearbeitet - was nichts anderes heißt, als dass er die Fahrer massierte und ihnen half zu dopen. Amphetamine, Kortikoide, Anabolika, Epo, Wachstumshormon, er kennt sich aus.

Interessant ist, dass D'honts Ausführungen wesentlich detaillierter und genauer sind als das, was vor allem Dietz, Henn oder Bölts über ihre Erfahrungen bei Telekom berichten. Aldag und Zabel sagen, dass die Aussagen D'honts im SPIEGEL sie zur Beichte bewogen haben.

D'honts »Erinnerungen eines Radfahrer-Pflegers« lesen sich wie eine Erzählung aus dem Herzen der Mafia, und sie beschreiben, wie alltäglich das Doping war und wie gut das System mehr als 40 Jahre lang funktionierte, von dem alle, die drin- steckten, wussten und profitierten, und über das, bis auf wenige Ausnahmen, alle schwiegen.

Ein kriminelles System, das sogar in den vergangenen Wochen in der Lage schien, so ein Enthüllungsbuch zu überleben. Zwar hatte das Bonner T-Mobile-Team die

betroffenen Freiburger Ärzte rasch suspendiert, doch mehr war nicht passiert. Ansonsten hat das System Doping reagiert, wie es immer reagiert hat. Es schwieg, es leugnete, es stritt alle Vorwürfe ab, auch jetzt noch gibt es Fahrer, die alles bestreiten. Sie geben immer nur zu, was bis ins kleinste Detail belegbar ist.

So war es auch schon 1999, als der SPIEGEL erstmals über die systematischen Doping-Praktiken im Team Telekom berichtete. Damals hatte der SPIEGEL von zwei Informanten aus dem Team Telekom über den Umgang mit Epo erfahren. Beide Informanten hatten den Artikel vor Veröffentlichung gelesen und keine Einwände gehabt. Eine der beiden Quellen hatte nur unter der Bedingung ausgesagt, für immer anonym bleiben zu wollen, die andere Quelle behauptete nach der Veröffentlichung, dass das alles ein großes Missverständnis gewesen sei. Der Druck danach war wohl zu groß.

Das Engagement der Deutschen Telekom im Radsport war damals ein großes Thema für die Konzernspitze. Vorstandschef Ron Sommer zeigte sich gern mit Jan Ullrich, dem neuen Sporthelden der Nation, und der Kommunikationschef Jürgen Kindervater war so etwas wie der größte Fan seiner Profi-Truppe.

Jan Ullrich, genauso wie der damalige Teamchef Walter Godefroot, gab danach eine eidesstattliche Versicherung ab. Der SPIEGEL musste einen Vergleich akzeptieren, der es der Redaktion bis zum heutigen Tag verbietet, jemals wieder zu behaupten, dass Jan Ullrich seit 1996 mit Epo dopte und dass im Team Telekom umfassend und systematisch gedopt wurde.

Nun, fast acht Jahre danach, muss man davon ausgehen, dass beide eidesstattlichen Versicherungen falsch sind.

So falsch wie andere Dementis, die in den vergangenen Jahren aus dem Team

Telekom kamen, in Zeiten, als die Omertà noch funktionierte.

So falsch wie die Dementis in den vergangenen Wochen, die es aus der Freiburger Uni-Klinik gab.

Die »gegen die hier angestellten Ärzte erhobenen Vorwürfe«, sagte Professor Aloys Berg, der stellvertretende Leiter der Abteilung Sportmedizin, »entbehren

jeglicher Grundlage«. Bei einer Veröffentlichung »dieser haltlosen Behauptungen« behalte er sich rechtliche Schritte vor.

Drei Wochen später erwägt die Uni-Klinik nun sogar, die Abteilung ganz aufzulösen.

Wahrscheinlich gibt es guten Grund dafür. Jörg Müller, ein ehemaliger Fahrer der Amateur-Nationalmannschaft, war schon Ende der achtziger Jahre in der Obhut Freiburger Ärzte. Damals hat ihn der Verbandsarzt Georg Huber betreut. Eines Tages sei Huber an ihn herangetreten und habe ihm Andriol gegeben. Das verkürze die Regenerationszeit. Das testosteronhaltige Präparat stand zwar auf der Doping-Liste, er könne es aber unbedenklich nehmen, habe der Mediziner erklärt, weil der Schwellenwert nicht überschritten werde. Müller sagt, dass der Bundestrainer die pharmakologische Unterstützung verlangt habe, und der Teamarzt habe sie umgesetzt. Huber weiß seit fast zwei Wochen von Vorwürfen Müllers, er hat bis heute nicht reagiert.

Huber ist neben Joseph Keul, dem im Jahr 2000 verstorbenen ehemaligen Chef der Freiburger Sportmedizin, einer

der profiliertesten Praktiker der Abteilung. Der Mediziner gilt als Freund der Sportler, der sich bis tief in die Nacht um die Muskeln und Knochen seiner Schützlinge kümmert. Im vergangenen Jahr war er der leitende Arzt der deutschen Olympiamannschaft für die Winterspiele 2006 in Turin.

Kollegen aus dem Klinikum Freiburg ist seit Jahren suspekt, was dort in der Abteilung Präventive und Rehabilitative Sportmedizin passiert. Aber wirklich interessiert hat es die traditionellen Mediziner auch nicht. Sportmedizin gilt bis heute als Medizin zweiter Klasse. Auch deshalb suchen die Sportärzte die Nähe zu den Stars der Sportbranche, sie wollen profitieren von deren Ruhm.

Nach dem Geständnis von Schmid und Heinrich gibt es keinen Zweifel mehr. Aber was ist mit den Ski-Langläufern, den Leichtathleten, den Fußballern, die in Deutschlands Sportklinik Nummer eins ein und aus gingen?

Der SC Freiburg beispielsweise, der gerade knapp den Aufstieg in die Bundesliga verpasste, lehnte es bis Donnerstagmittag ab, sich von dem Freiburger Arzt Andreas Schmid zu trennen. »Für mich«, sagte Freiburgs Präsident Achim Stocker noch am Mittwoch, »ist Andreas Schmid ein Top-Arzt, der bei uns Top-Arbeit geleistet hat.«

Und der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) arbeitet derzeit gleich mit vier Freiburger Ärzten zusammen, der von dem ehemaligen Amateurfahrer Müller bezichtigte Huber und York Olaf Schumacher sind dort sogar als offizielle Verbandsmediziner tätig.

Freiburg war keine Doping-Brutstätte nach dem Muster der berüchtigten Geheiminstitute der DDR. Und doch muss sich die Klinik einen grundsätzlichen Verdacht gefallen lassen und alle Verbände, die mit ihnen zusammenarbeiten.

Martin Wolf, Generalsekretär des BDR, sagte Mitte der Woche noch, dass es »keine Verdachtsmomente« gegen andere Ärzte gebe, es sei »nicht vorstellbar«, dass diese Doktoren in den Doping-Sumpf verwickelt seien.

BDR-Präsident Rudolf Scharping verlangt eine »rückhaltlose Aufklärung« und versucht gleichzeitig, die Grenzen der Aufräumarbeiten zu setzen. »Da mag Mist passiert sein«, sagte der frühere SPD-Vorsitzende, aber das müsse nicht dazu führen, »eine ganze Sportart zu verteufeln«.

Auch Thomas Bach, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, findet es schön, dass Sportler nun »reinen Tisch« machen. Aber er warnt sogleich vor zu großen Zugeständnissen an DopingEnthüller. Eine Amnestie, wie sie auch Radfahrer Dietz und Peter Danckert, Vorsitzender des Bundestags-Sportausschusses, für geläuterte Sportler fordern, könne es nicht geben, weil »wir keine Art Freibrief ausstellen können«.

Manchmal hören sich deutsche Sportfunktionäre an, als wären sie keine Gegner der Sport-Mafia, sondern ein Teil davon.

Mit drastischen Maßnahmen will dagegen der Politiker Danckert die gegenwärtige Enthüllungswelle nutzen. Der Bundestagsabgeordnete fordert nicht nur die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten auf, endlich dopingverseuchte Sportarten zu meiden. Er droht auch Verbänden mit Etatkürzungen, wenn sie sich nicht rigoros von ihrem belasteten Personal trennen. Und er will keine Zuschüsse des Bundes mehr für die Entsendung von Medizinern zu Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen gewähren, die auch nur im Verdacht der Doping-Manipulation stehen.

Vor allem fordert Danckert die internationalen Sportfunktionäre auf, echte Kronzeugenregelungen für Sportler zu schaffen,

die bereit sind, über Doping auszupacken. Bis heute müssen Athleten, die über den wahren Zustand ihrer Sportart berichten, nicht nur lange Sperren in Kauf nehmen. Sie müssen auch fürchten, dass Funktionäre ihnen ihre gewonnenen Titel nachträglich aberkennen und Sponsoren Siegprämien zurückfordern.

Fahrer, Teamleiter, Ärzte, Verbände, die sich nicht um Aufklärung mühen, sie alle sind Teil eines Systems, das bislang nie ernsthaft versucht hat, Doping zu bekämpfen. Und dann gibt es natürlich auch die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender, die in den vergangenen Jahren Millionen in den Radsport gepumpt haben.

Es hat eine gewisse Ironie, dass ausgerechnet die ARD dem Geständnis von Dietz eine Bühne gab. Noch im vergangenen Jahr ließen die Intendanten aller ARD-Sender dem Doping-Aufklärer Werner Franke die Behauptung gerichtlich verbieten, das Erste würde »systematisch lügen«, weil es bei der Berichterstattung über das Radfahren die Kriminalität des Dopens ausblende. Vor dem Münchner Landgericht einigte man sich - Franke darf weiterhin behaupten, die ARD habe das Thema Doping ausgeklammert. Zu offensichtlich war es gewesen, dass die ARD stundenlang über die Tour de France berichtet hatte, ohne auf den Doping-Betrug einzugehen.

Die ARD war nicht nur Sponsor des Teams Telekom. Sie erkaufte sich zudem für eine sechsstellige Summe das exklusive Recht, den Profi Jan Ullrich interviewen zu dürfen. Hagen Boßdorf, der langjährige Sportkoordinator der ARD, moderierte zudem öffentliche Auftritte des Bonner Radsportteams. In internen Gesprächen räumten ARD-Reporter ein, sie wüssten sehr wohl über die Doping-Praxis Bescheid. Das Wissen sei allerdings nicht für den Zuschauer bestimmt. Insofern war der Auftritt von Bert Dietz in der ARD auch eine Art Selbstreinigung.

»Rufmordkampagne!«

Und auch das ZDF, dessen Starmoderatorin Kristin Otto als gedopte DDR-Schwimmerin Medaillen holte und bis heute jedes wissentliche Doping bestreitet, gab sich in der vergangenen Woche als Aufklärer, der den Radsport-Sponsor T-Mobile wegen seiner Doping-Politik angriff. Das ZDF ist übrigens auch der Sender, der Rolf Aldag 2005 und 2006 als Experte fleißig Honorare zahlte.

ZDF und ARD erklärten diese Woche, weiterhin über Großveranstaltungen wie die Tour de France berichten zu wollen. Nun wird es wirklich spannend werden, im Fernsehen zu beobachten, wie den Sendern bei der Tour de France der Spagat zwischen ihrer alten Rolle als Radfahr-Enthusiasten und ihrer neuen Rolle als Aufklärer gelingen wird.

Und ob überhaupt noch jemand zuschaut.

Können die Geständnisse den Radsport retten? Können Berichte aus der Vergangenheit das Geflecht aus Ärzten, Betreuern, Teamleitern und Sponsoren zerschlagen? Und wie erfolgreich kann der neue, angeblich saubere Weg des Teams T-Mobile wirklich sein? Man könnte den Radsport zusperren. Man könnte das Doping zulassen. Beides wäre der Tod. Was bleibt, ist der harte und lange Weg: die Amnestie und die Selbstreinigung.

Doch solange nicht alle korrupten Geschäftemacher an den Schaltstellen der Radbranche aussortiert und die Wege der Pharma-Manipulation unterbrochen sind, wird sich wenig ändern. Die Fahrer werden mitmachen müssen oder bald vielleicht so weit hinterherfahren, dass der Sponsor sein Interesse an ihnen verlieren wird.

Chemisch werden die Manipulateure den Fahndern immer voraus sein. Es gibt längst neue Methoden des Doping-Betrugs, neue Wege, die Doping-Kontrolleure auszutricksen. Die Doping-Mentalität, wie sie Aldag formulierte: »Es kann einem ja nichts bewiesen werden«, sie gibt es immer noch. Ganz zu verhindern wird das Doping nie sein, aber es ist möglich, die Tests zu verbessern, die Forschung zu intensivieren, die Kontrollen zu verbessern. Das wird Millionen kosten. Die Nationale Anti Doping Agentur gibt jährlich rund 1,5 Millionen Euro aus, es ist ein Bruchteil dessen, was wirklich nötig wäre.

Wie schwer es sein wird, auch nach der Amnestie, einen sauberen Radsport zu bekommen, davon erzählen auch die Erfahrungen des Teams T-Mobile, das nach der Suspendierung von Jan Ullrich kurz vor der Tour de France im vergangenen Jahr den Neuanfang versuchte, ein fast komplett neues Team aufbaute und dabei ausgerechnet auf die Freiburger Doping-Ärzte zurückgriff und den angeblich sauberen ehemaligen Telekom-Fahrer Rolf Aldag zum Sportdirektor machte. Sie hätten ahnen können, wo die Schwachstellen sind. Seit den Enthüllungen D'honts laufen sie den Ereignissen hinterher. Eigentlich sollte Aldag erst am kommenden Wochenende, so hatte die Teamleitung es geplant, in einem Zeitungsinterview sein Doping-Geständnis machen, doch dann kam Bert Dietz.

So musste Aldag am Donnerstag auf der Pressekonferenz hässliche öffentliche Lügen gestehen, damit aus einem Saulus ein Paulus werden kann. Aldag, so entschieden Konzern und Teamleitung, wird Teamleiter bleiben, der Sponsorenvertrag erfüllt.

Bis zum nächsten großen Skandal, der wieder alles in Frage stellen wird.

Das Schattenreich existiert immer noch. Bert Dietz hat seine Sache trotzdem gut gemacht am Montag. Nur einmal hat er sich versprochen, als er den Namen seines ehemaligen Teamleiters Walter Godefroot nannte und erklärte, wie der das Geld für die Epo-Kuren eintreiben ließ. Eine Stimme, wahrscheinlich einer seiner Berater im Studio, warnte ihn: »Das wird jetzt zu heiß.«

Nach der Aufzeichnung einigten sich Dietz und die »Beckmann«-Redaktion darauf, die entscheidende Passage über Godefroot mit einem Piepton zu überblenden. LOTHAR GORRIS, UDO LUDWIG

»Neee, um Gottes Willen! Ich hätte ja keine Nacht mehr ruhig schlafen können. Mich hat niemand kontaktiert, um mir etwas anzubieten.«

ROLF ALDAG, T-Mobile-Sportdirektor, im Januar 2007 in der Zeitschrift »Tour« auf die Frage, ob er jemals Epo genommen habe

»Die Vorwürfe sind für mich nicht nachvollziehbar und entbehren jeglicher Grundlage. Dopingberatungen wurden und werden durch uns nicht durchgeführt, im Gegenteil.«

LOTHAR HEINRICH, Freiburger Sportmediziner, im April gegenüber dem SPIEGEL zu den Vorwürfen des Pflegers Jef D'hont

»Ich habe niemals Sportlern Epo oder Wachstumshormone verabreicht oder solche Medikamente Sportlern oder sogenannten Pflegern ausgehändigt oder zugeschickt.«

ANDREAS SCHMID, Freiburger Mediziner, im April gegenüber dem SPIEGEL

»Ich kann nur sagen: Ich kenne Dr. Schmid seit 1995. Er ist ein sehr seriöser, sehr integrer Kollege.«

LOTHAR HEINRICH am 26. April 2007

»Ich habe zu keinem Zeitpunkt verbotene Dopingmittel konsumiert, gespritzt oder auf andere Art und Weise zu mir genommen.«

JAN ULLRICH, ehemaliger Telekom-Profi, 1999 in einer eidesstattlichen Versicherung

»Ich kann versichern, dass es weder ein systematisches noch ein umfassendes Doping beim Team Deutsche Telekom gibt.«

WALTER GODEFROOT, ehemaliger Sportlicher Leiter des Teams Telekom, 1999 in einer eidesstattlichen Versicherung

»Ich bin seit 14 Jahren im Profi-Radsport erfolgreich aktiv und kann auf eine dopingfreie Karriere zurückblicken.«

ERIK ZABEL, ehemaliger Telekom-Fahrer, am 27. April 2007 gegenüber dem SPIEGEL

»Unser Team ist sauber. Wir ziehen uns sofort zurück, wenn in unserem Team systematisch gedopt werden sollte.«

JÜRGEN KINDERVATER, früherer Kommunikationschef der Deutschen Telekom, 2001

»Das ist eine Rufmordkampagne!«

KINDERVATER 1999 zu einem SPIEGEL-Bericht über Doping-Verdacht im Team Telekom

»Man will meine Existenz vernichten.«

JAN ULLRICH 1999 in »Bild« zum selben Bericht

»Ich habe in meiner ganzen Karriere als Profi seit 1989 nie zu verbotenen Mitteln gegriffen.«

CHRISTIAN HENN, ehemaliger Telekom-Profi, 1999 gegenüber dem Sportinformationsdienst

»Diese Leistungen sind mit Medizin nicht machbar, sondern eine Sache der Lebenseinstellung, des Trainings, des Talents.«

ROLF ALDAG 1999 in der »Welt«

»Als Arzt ist man natürlich für die Gesundheit der Sportler verantwortlich.«

LOTHAR HEINRICH am 26. April 2007

»Ich kann versichern, dass die bei uns vorliegenden Dokumentationen bei Fahrern des ,Team Telekom' in keinem einzigen Fall ein Ergebnis zeigen, welches Anlass zur Feststellung geben könnte, der Fahrer habe verbotene Mittel im Sinne der im Radsport geltenden Definition des ,Doping' eingenommen.«

JOSEPH KEUL, inzwischen verstorbener Freiburger Sportmediziner, 1999 in einer eidesstattlichen Versicherung

* Jan Ullrich, Christian Henn, Bert Dietz, Rolf Aldag (5. v. r.), Erik Zabel (2. v. r.), Udo Bölts.

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