Vendée-Globe-Regatta um die Welt Der fliegende Hamburger

Schlafmangel, Kälte – und immer ist alles nass: Die Vendée Globe ist die härteste Regatta der Welt. Boris Herrmann ist der erste Deutsche, der dieses Abenteuer wagt. Eindrücke von den ersten Tagen auf See.
Ein Video von Eckhard Klein und Jonathan Miske (Animationen)
DER SPIEGEL

O-Ton Boris Herrmann "Hey, ich bin Boris Herrmann. Ich segele einmal alleine um die Welt. Non Stop. Ich liege gerade in der Koje. Ist ziemlich anstrengend alles hier." 

Seit gut einer Woche ist er nun unterwegs. Es ist ein Abenteuer. Rund um den Globus. Die Naturgewalten werden unerbittlich sein.  

Audio-Ton Boris Herrmann "Die ersten Tage so einer Reise sind immer ein Auf und AB. Und ein Zweifeln. Warum bin ich weiter hinten als vorne? Warum mache ich das überhaupt alles? Und wie lange wird das um meines Gottes Willen alles dauern?" 

Audio-Ton Boris Herrmann "Natürlich ist kein Tag wie der andere. In ein paar Tage habe ich meinen Rhythmus gefunden. Und werde mich an Bord auch fühlen. Und in den Flow kommen. Und zuversichtlich sein. Und dann auch ein Auge haben für die Schönheit der Natur. Ja, und alle Entbehrungen einmal hinzunehmen, das bedeutet auch, dass man wieder mal versteht, wie gut es uns eigentlich geht, was wir alles haben." 

Rückblick: Sonntag, 8.November Les Sabales-d'Olonne. Seine letzten Schritte an Land. 33 Schiffe laufen aus. So viele wie nie zuvor. 27 Männer - und sechs Frauen. Boris Herrmann ist der erste Deutsche bei dieser härtesten Regatta der Welt. Er startet für den Yachtclub Monaco. Über den Atlantik ist er schon zehnmal gesegelt - aber nie allein.  

Von der französischen Atlantikküste  - 24.000 Seemeilen - das sind knapp 45.000 Kilometer rund um den Globus. Der Weg entlang der brasilianischen Küste ist zwar etwas länger. Aber deutlich schneller. Ums Cap der guten Hoffnung führt die Route nördlich der Eisgrenze durch das Südpolarmeer, an Australien und Neuseeland vorbei - in den Pazifik. Um das Cap Horn wieder in den Atlantischen Ozean. Und dann auf die Zielgerade - zurück nach Les Sables-d’Olonne, dem Department Vendée. Nach dem das Rennen benannt ist. 

Die Boote bei der Vendée Globe sind Geschosse aus Kohlefaser. 18 Meter lang. Sechs Meter breit. Das Gewicht liegt bei acht Tonnen. Die Segelfläche hat die Größe von zwei Tennisplätzen - übereinander . Die maximale Geschwindigkeit liegt bei 35 Knoten - etwa 70 Stundenkilometer.  

Die meiste Zeit verbringt Herrmann unter Deck und kontrolliert die Instrumente. Die Einstellung der Flügel. Radar. Wetter. Den Autopiloten. In der Regel schläft er nicht länger als eine Stunde am Stück. Eher in kleinen Etappen. Das übt er schon seit Jahren. 

Audio-Ton Boris Herrmann "Einschlafen ist gar nicht so leicht, wenn es so doll zur Sache geht. Und wenn man auch angespannt ist. Ich habe das eigentlich viel trainiert. Autogenes Training etc. Aber irgendwie kann ich es gerade nicht so gut anwenden. Es ist doch alles sehr überwältigend. 

Komfortabel ist gar nichts auf dieser Tour. Selbst Erholung mühsam. Ein Schlafdefizit will er auf jeden Fall vermeiden. Denn aufkommende Müdigkeit wäre fatal: Überbordgehen wäre ziemlich sicher tödlich. Einen heiklen Moment hat er schon überstanden.  

O-Ton Boris Herrmann "Ich habe lang gelegen und versucht zu schlafen. Bisher habe ich nicht viel Schlaf bekommen. Ich versuchte also zu schlafen. Und dann kam plötzlich ein Windstoß, so dass sich das Boot in den Wind drehte. Ich hatte einen Aufprall. Das Boot drehte sich die ganze Zeit durch den Wind. Es lag auf der falschen Seite. Das Großsegel flatterte. Ich steckte in meinem Schlafsack fest. Ab jetzt lasse ich den Reissverschluss offen. Um schneller reagieren zu können. Dann musste ich zeitig klären, was passiert ist. Aber es ist alles gut. Nichts ist beschädigt."

Proviant hat er für 80 Tage. Gefriergetrocknet, wasserdicht verpackt. Astronautennahrung. Angeblich schmeckt das sogar… 

Off-Ton Boris Hermann Bon Appetit 

Es ist ein bisschen wie eine Raumfahrtmission sagt der 39-jährige Oldenburger, der mit seiner Frau und einer Tochter in Hamburg lebt. Jegliche Hilfe von außen ist bei der Vendée Globe verboten und führt zur sofortigen Disqualifikation. Das ist hart. Aber genau das  Gnadenlose macht diese Regatta aus. Boris Herrmann will in 70 Tagen am Ziel sein. Aber noch wichtiger sei: Überhaupt anzukommen.