Box-Promoter Don King wird 90 Mister Skrupellos

Er betreute die Kämpfe von Muhammad Ali und Mike Tyson, dealte mit Diktatoren und wurde selbst reich. Don King, der heute 90 wird, war als Boxpromotor rücksichtslos. Aber gerade das hat dem Sport seine größten Momente beschert.
Drei, die das Boxen geprägt haben: Mike Tyson, Don King, Muhammad Ali

Drei, die das Boxen geprägt haben: Mike Tyson, Don King, Muhammad Ali

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Bettmann / Bettmann Archive

Strippenzieher ist noch ein harmloses Wort, mit dem man ihn bedenkt. Don King ist auch schon »der größte Gangster aller Zeiten« genannt worden. Mike Tyson, der ehemalige Box-Superstar, mit dem er sich um Millionengagen stritt, hat mal gesagt: »King würde für einen Dollar seine eigene Mutter töten.«

Wenn man ihm Komplimente machen möchte, dann kann man ihn »schillernd« nennen. Aber eines ist klar: Der Mann, der das Wort »Starkstromfrisur« in den Sportjournalismus einführte, ist der berühmteste Boxpromoter, den der Sport bisher kannte.

Heute wird Don King 90, und selbst er ist nicht mehr ganz so laut wie früher. 90 Jahre sind für ihn dennoch fast selbstredend noch kein Alter, um sich nicht nach wie vor in Auseinandersetzungen um Geld zu stürzen. Im Moment kabbelt er sich mit dem deutschen Ex-Weltmeister Mahmoud Charr. Der wirft King vor, er habe jahrelang Absprachen verletzt und dadurch Kämpfe Charrs absichtlich verhindert. Es geht um 3,9 Millionen Euro. King ist das gewohnt. Er hat sich mit Tyson verkracht, mit Larry Holmes.

Auf der einen Seite ging es King immer darum, finanziell seinen Schnitt zu machen. Und meistens ist ihm das auch gelungen. Auf der anderen Seite hat er auch dafür gesorgt, dass seine Schützlinge alle groß und berühmt wurden. Irgendwann wusste man, worauf man sich mit ihm einlässt. Oder man hätte es wissen müssen.

Larry Holmes mit Don KIng

Larry Holmes mit Don KIng

Foto: Evening Standard / Hulton Archive / Getty Images

Wie sein ewiger Promoter-Konkurrent Bob Arum, der am 8. Dezember ebenfalls seinen 90. Geburtstag feiert, steht King stellvertretend für eine Ära, in der das Boxen über die reine Auseinandersetzung im Ring hinauswuchs, in der Kämpfe zu weltweit beachteten Großereignissen wurden. Kein Wunder, dass man ihn Mister Boxing nennt.

Durchkämpfen, komme, was wolle, so ist Don King, der Mann aus dem Getto in Cleveland, groß geworden. Als junger Kerl schon hat er sich im zwielichtigen Gewerbe bewegt, als Eintreiber für illegale Wettbüros. Zu seiner Vita gehört, dass er 1954 einen Mann tötete, der das Wettbüro Kings überfallen hatte. Dass er 1967 einen Mann zu Tode geprügelt hat, mit dem Pistolenknauf auf ihn einschlug und, als er dann am Boden lag, so lange auf ihn eintrat, dass der Mann an seinen Kopfverletzungen starb.

Ins Gefängnis ist King dafür gegangen, und wenn man diese Geschichten kennt, ist man nicht besonders überrascht, dass er als Boxpromoter auch keine Samthandschuhe trug.

Untrennbar mit Alis berühmten Kämpfen verbunden

Und dennoch: Die größten Boxkämpfe der Geschichte, epische Duelle zwischen Legenden dieses Sports, sie wären ohne Don King nie zustande gekommen. Sein Name ist untrennbar verbunden mit dem »Rumble in the Jungle«, mit dem »Thrilla of Manila«, mit Ali, mit Foreman, mit Frazier. Es gehört zu den Ambivalenzen des Boxsports, dass es gerade die Schlitzohrigkeit war, man kann es auch Skrupellosigkeit nennen, mit der King seine Kämpfe organisiert hat, die diesem Sport seine größten Momente geschenkt hat.

Der »Rumble in the Jungle« 1974, Muhammad Ali gegen George Foreman, der Jahrhundertkampf: Es war Kings irrwitzige Idee, den Fight zwischen Foreman, dem amtierenden Weltmeister, und Herausforderer Ali nach Kinshasa in Zaire zu verlegen. Dort, wo der Diktator Mobuto regierte, mit eiserner Hand. Für den Gewaltherrscher eine ungeheure PR, die ihm die zehn Millionen Dollar Preisgeld wert waren. King hätte den Kampf wohl auch in der Hölle ausgetragen, wenn man ihm dort das Preisgeld garantiert hätte.

Es ist schon zynisch, aber King gelang es, diesem Kampf im Herzen der Diktatur als ein politisch fast revolutionäres Ereignis zu inszenieren. Foreman, der von Ali als Handpuppe der Weißen verhöhnt wurde, gegen den Fighter für die Rechte der Schwarzen. Umrahmt von einem Konzert mit den Superstars der Zeit: James Brown, Miriam Makeba, B.B. King.

Don King (r.) bei einer Pressekonferenz von Ali vor dem Thrilla of Manila

Don King (r.) bei einer Pressekonferenz von Ali vor dem Thrilla of Manila

Foto: Bettmann Archive / Getty Images

Der »Rumble in the Jungle« ist längst ein Teil der Popkultur der Siebzigerjahre geworden, Stoff für Filme und Bücher. Spätestens nachdem King im folgenden Jahr mit dem Fight von Ali gegen Frazier in Manila nachgelegt hatte, wieder mit der Unterstützung des ansässigen Regimes, des Diktators Ferdinand Marcos, führte an ihm kein Weg mehr vorbei. Wer etwas werden wollte in diesem gnadenlosen Boxbusiness, der tat gut daran, mit King zusammenzuarbeiten.

Schulz fühlte sich von ihm betrogen

King entschied, ob ein großer Kampf startete oder nicht. Und es gibt genug Leute, die auch sagen, er entschied, wie der Kampf auszugehen hatte. Als Axel Schulz in den Neunzigerjahren gegen Kings Schützling Francois Botha, »The White Buffalo«, in den Ring stieg, war der Deutsche eigentlich der Favorit. »Aber als ich nach vier oder fünf Runden hörte, dass Botha vorn war, wusste ich, dass ich einen K.o. brauchte. Sonst hätte ich gegen Don King keine Chance«, hat Schulz sich gegenüber der Deutschen Presse-Agentur jetzt noch einmal erinnert. Der K.o. gelang nicht, Botha gewann nach Punkten. Es gab allerdings auch genug Beobachter jenseits des Schulz-Lagers, die das gerechtfertigt fanden.

Die US-Fähnchen im Ring schwingend, die Haare zwar von Jahrzehnt zu Jahrzehnt grauer werdend, aber nach wie vor abenteuerlich aufgetürmt, so ist Don King als Konstante durch die Zeiten Generationen vertraut. Ein Maskottchen des Sports wie der Mann im Teufelskostüm am Rand der Tour-de-France-Etappen. Didi Senft. Auch deswegen ein vielleicht ganz passender Vergleich, weil Larry Holmes über King mal formuliert hat: »Wissen Sie, warum er die Haare so hoch trägt? Er will die Hörner verstecken.«

2018 hat Don King im SPIEGEL-Interview gesagt: »Als guter Promoter muss man sein wie Johannes der Täufer. Man muss herausschreien, dass jemand kommt, der größer ist als man selbst.« Vielleicht ist es deswegen stiller geworden um Don King. Weil es in der Branche keinen mehr gibt, der größer ist als er.

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